19.10.2020

Die Geschichte des Gnadenbildes

 


 

Künstler aller Jahrhunderte haben immer wieder versucht, die Gottesmutter im Bild darzustellen. Eine fromme Legende berichtet, dass auch der Evangelist Lukas dies versucht habe. Schon im Altertum wurden sogenannte »Lukasbilder« verehrt.

Während im Westen die künstlerische Darstellung Mariens eine reiche und vielfältige Entwicklung durchmachte, bevorzugte die Kunst in der Ostkirche einige wenige, aber dafür typische Muttergottesdarstellungen. In diesen Bildern wollte man stets zum Ausdruck bringen, dass Maria wahrhaftig die Gottesmutter sei und eine besondere Stellung im Heilsplane Gottes habe. Maria wurde stets voll Hoheit und Majestät in ergreifender Weise dargestellt. Diese Form fand durch einen unbekannten Künstler, wahrscheinlich ein Mönch des 14. Jahrhunderts, auch im Puchheimer Gnadenbild ihre Verwirklichung.

Das Bild zeigt die erhabene Himmelskönigin in der Gestalt einer byzantinischen Kaiserin. In der von strenger Ikonenmalerei her geprägten Darstellung sind auch menschliche Züge verflochten. Die freudenreiche Mutter des göttlichen Kindes und die angstvolle Schmerzensmutter werden dem Betrachter des Bildes in gleicher Weise gegenwärtig. Der goldene Hintergrund hebt die hl. Personen aus dem Irdischen ins Überirdische, in die Verklärung des Himmels. Die griechischen Buchstaben über ihrem Haupte bezeichnen sie als »Mutter Gottes« und ihr göttliches Kind als »Jesus Christus«. Das Gotteskind weiß schon um sein künftiges Leiden und Sterben; als Erlöser wird es die Sündenschuld der Menschen tilgen. Im Heiligenschein weist ein rotes Kreuz darauf hin. Angstvoll blickt das göttliche Kind auf den hl. Erzengel Gabriel, der ihm das Kreuz entgegenhält. (Das griechische Kreuz hat nur scheinbar drei Querbalken. Der obere gehört für die Kreuzesinschrift und der unterste soll als Fußstütze dienen.) Der hl. Erzengel Michael auf der linken Seite bringt das Essiggefäß, den auf einen Stab gespießten Schwamm und die Lanze. Wie um Hilfe suchend umklammert das erschrockene Christuskind den Daumen seiner Mutter. Auch die Gottesmutter weiß um das kommende Leid ihres Kindes und leidet mit.

Das Gnadenbild von Puchheim ist eine der getreuesten Kopien des Original-Gnadenbildes, welches sich in Rom in der Kirche Sant Alfonso (Kirche der Redemptoristen) befindet. Es ist wie dieses auf Holz gemalt. Bevor das kopierte Bild nach Puchheim gebracht wurde, hat man es mit dem Original-Gnadenbild berührt. Die Geschichte beider Bilder findet der interessierte Kirchenbesucher dargestellt in einer Reihe von 36 Wandbildern (s. S. 26). Beginnend über der Sakristeitür rechts vorne, führt die Bildreihe den Betrachter durch die Seitenschiffe und unter dem Chor rund um das ganze Gotteshaus bis zum Ausgang links vorne. Ursprünglich hatte man das Puchheimer Gnadenbild nicht über dem Hauptaltar, sondern am Alfonsus-Altar aufgestellt. Der Grund dafür war wohl der Umstand, dass es vor Einführung der elektrischen Beleuchtung im Hochaltarraum viel zu dunkel war. Erst im Jahre 1948 kam es auf seinen heutigen Platz.