Solidarität und Hilfe für Albanien

An die Peripherien gehen: Brief des Provinzials der Provinz Wien-München über die Situation in der Mission der Redemptoristen in Albanien


Blick in den kostenlosen Kindergarten in der Mission des Ordens

Sportplatz mit der Kapelle und den sozialen Räumen für die Kinder und Jugendlichen

Katechismusunterricht am Samstag in der Kirche

Der Beitrag (von P. Alfons Jestl) erschien als Brief in den KLEMENSBLÄTTER (Nr.4-2018/Dezember-Jänner).

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An die Peripherien gehen

Die Sendung unserer Ordensgemeinschaft verlangt von uns Mitgliedern, also von uns Redemptoristen, frei und beweglich zu bleiben in den Möglichkeiten unseres Dienstes bezogen auf alle Menschen mit denen wir zu tun haben. So klingt, in eigenen Worten wiedergegeben, ein Abschnitt aus unseren Konstitutionen, in denen unsere Lebensweise beschrieben und vorgegeben wird. Im Weiteren wird festgehalten, es sind unablässig neue pastorale Initiativen zu entwickeln und wir dürfen uns nicht an Strukturen und Gegebenheiten festklammern, die nicht mehr zulassen, missionarisch tätig zu sein.

Komfortzonen verlassen

Genauer gesagt, es ist der Abschnitt Nummer 15 aus unseren Konstitutionen. Im Schlussdokument des letzten Generalkapitels wird dieser als Grundlage genommen, um verstärkt bewusst zu machen, dass wir Komfortzonen zu verlassen und an die Peripherien zu gehen haben. Darin lässt sich kein neuer Anspruch ablesen, keine neue Entdeckung, sondern ein ständiger Anspruch an unser Redemptoristendasein wird in den Blick genommen. Es gibt einfach Dinge, die irgendwie einmal verschwimmen. Klarheit und Strukturen verlieren an Stärke. Unbeweglichkeit bordet über und Bequemlichkeit hält Einzug.

 

Das Leben wird gewendet

Mit unserem Ordensgründer Alfons von Liguori wird das Sprichwort „Christus kam nur bis Eboli“ in Verbindung gesehen. Ein lokales Sprichwort aus dieser süditalienischen Stadt, welches später auch den Titel für einen Roman abgibt. Alfons kommt jedoch weiter, nämlich hinter Eboli. Im Alter von 34 Jahren übernimmt er sich auf einer Mission in Neapel. Man fürchtet um sein Leben. Fünf Gefährten bringen ihn weg an einen Ort zur Erholung. Sie besteigen ein Segelschiff und es geht von Neapel nach Amalfi. Von dort geht es über steile Steintreppen hinauf in die Berge in eine Einsiedelei mit dem Kirchlein „Maria von den Bergen“. Es liegt in einer welligen Umgebung, übersät mit tausenderlei Gräsern und Blumen. Der Apennin und das Mittelmeer malen faszinierende Ausblicke. Alfons aber sucht, wie es biografisch dargestellt wird, auch hier vor allem die Menschen. Die Tiere finden ihr Auslangen mit Flechten, Rinden und Laub, die Hirten aber haben ganzes Jahr geistigen Hunger. Das Erfassen dieser Not jenseits von Eboli wendet das Leben unseres Ordensgründers.

Das Leben unseres Gründers, die Konstitutionen, also die Ordensregel, und Inhalte von Generalkapiteln, wie eben auch das letzte im Jahre 2016 in Thailand, lassen sich somit im Zusammenhang lesen. Auf den Ursprung schauen und diesen auf heute deuten, darin liegt Anspruch, der ständig neu umzusetzen ist.

 

Es liegt in unseren Genen

Seit vier Jahren leben und arbeiten Redemptoristen in Albanien. Mehrfach wurde bereits in den Klemensblättern darüber berichtet. Der Grundstein dazu wurde durch die Konferenz Europa gelegt. Allen Provinzen in Europa muss es Anliegen sein, neue Felder seelsorglicher Tätigkeiten wahrzunehmen. Es liegt in unseren Genen, um es in gegenwärtiger Sprache auszudrücken. Und es verdeutlichen sich die inneren Zusammenhänge zwischen Ordensgründungsgeschichte über Generalkapiteln hin zum täglichen Leben und Arbeiten.

Die Patres Andrzej Michon aus Polen und Laureano del Otero aus Spanien betreuen Pfarren in an Tirana angrenzenden Städten. Vorübergehend sind noch ein Pater aus Italien und ein Student aus Spanien anwesend. Abgesehen, dass wie immer und überall mehr Patres dort wirken könnten, sind Mitbrüder und vor allem Provinziale eingeladen die Mitbrüder zu besuchen, um Einblick in ihre Lebensweise mit den Menschen vor Ort zu bekommen. So machten wir uns Anfang November dieses Jahres für fünf Tage zu dritt nach Albanien auf. P. Dominic O´Toole aus dem Kloster Maria am Gestade, er ist Seelsorger für englischsprachige Gemeinden in Wien, P. Peter Renju aus unserem Kloster in Cham in Deutschland, er ist Rektor, Exerzitienhausleiter und Provinzvikar, und ich.

 

Kurzer Flug zwischen fernen Welten

Etwas über eine Stunde beträgt die Flugzeit von Wien nach Tirana, in die Hauptstadt Albaniens, und doch liegen Welten dazwischen. Es war schön und gut von den Mitbrüden an die Hand genommen zu werden, um für einige Tage von Menschen dort berührt zu werden. Der Zustand der Häuser und die vielfach nichtasphaltierten Straßen sprechen von sich und verdeutlichen ohne Vorbehalt die Lebenssituation der meisten Bewohner dieses Landes. Unsere Mitbrüder leben qualitativ nicht besser.

In den Pfarren werden die Woche hindurch Kinder in Gruppen aller Altersstufen betreut. Staatliche Unterstützung und Sorge gibt es nicht. In einer Kindergartengruppe sind die Spielsachen schnell zählbar. Pädagogische Unterlagen, ein nicht existierendes Wort. Auch behinderte Kinder finden Unterstützung und Betreuung.

 

Was fehlt am Einfachen,…

In einer öffentlichen Schule fragte P. Andrzej den Direktor, ob er die Schule unterstützen könne?!  P. Andrzej dachte an alte Computer, die er geschenkt bekäme, oder an Hefte und Schreibmaterialien. Weit danebengedacht. Der Schuldirektor bat um Putzmittel, Besen und Kehrschaufeln. Für Frauen gibt es Nähunterricht. Die Nähmaschinen haben teilweise bereits historischen Wert Jugendliche werden auf Computern geschult, um ihnen Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Am Samstag gibt es Katecheseunterricht für Kinder und Jugendliche. Es sind Jugendliche und Erwachsene, die unterrichten. Und Ordenschwestern tragen wesentlich dazu bei, dass alles läuft, sowie geistlich und praktisch. Wie sich am Sonntag die Kirchen füllten, so füllten sich diese fünf Tage für uns drei mit Eindrücken über Eindrücken, die nicht mit dem Besteigen des Flugzeuges zurück nach Wien zurückgelassen werden konnten.

Eine mir in den Blick gekommene Rarität muss ich noch anhängen. In einer der Kirchen sind unter den Kreuzwegstationen Blechwinkel an der Wand befestigt. Diese, bei uns in Baumärkten erhältlich, gebrauchen wir, um Holzteile rechtwinkelig zusammenzuschrauben. Dort dienen diese Winkel als Kerzenhalter mit darauf gestellten Teelichtern.