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31.05.2020

In memoriam Aloisia Glanzl

Erst jetzt haben wir erfahren, dass die große Wiener Klemensverehrerin Aloisia Glanzl am 25. April 2020 im 98 Lebensjahr verstorben ist. Die gebürtige Südmährerin war mit uns Redemptoristen nicht zuletzt als Oblatin sehr verbunden. R.I.P.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Lukasevangelim gibt es die schöne Beispielerzählung vom Richter und der Witwe. Letztere ist so eingenommen von ihrem Anliegen, dass der Richter am Ende klein beigeben muss. Aloisia Glanzl hatte etwas von der Unnachgiebigkeit dieser Witwe. Hatte sie sich etwas in den Kopf gesetzt, dann entwickelte sie bis ins höchste Alter eine ziemliche Hartnäckigkeit. Wenn schon nicht klein beigeben, aber zumindest arrangieren musste man sich mit ihr. Das wussten zahlreiche weltliche und kirchliche Amtsträger. So schnell bekam man die Frau Glanzl nicht los. Dabei war sie aber nie verbissen, sondern vertrat ihre Anliegen immer mit Begeisterung und einer guten Portion von wienerisch-südmährischem Charme.

Südmähren war die Heimat von Aloisia Glanzl. In Klein Tesswitz bei Znaim war sie geboren und aufgewachsen. Auch wenn sie später ein gepflegtes Wienerisch sprach, hörte man deutliche Anklänge der Ui-Mundart, die heute kaum noch jemand spricht. Damals war diese Mundart sowohl in der Znaimer Gegend wie im benachbarten Weinviertel sehr verbreitet. Zu den unvergesslichen Kindheitserinnerungen gehörte für Frau Glanzl die Einweihung der Klemens-Hofbauer-Gedächtniskirche im nahegelegenen (und ihrem Heimatdorf namensähnlichen) Tasswitz am 8. Oktober 1933. Es hing mit diesem Erlebnis zusammen, dass sie den Redemptoristenheiligen und Wiener Stadtpatron ihr ganzes Leben lang nicht bloß glühend verehrte, sondern sich bis in ihre alten Tage dafür einsetzte, dass der heilige Klemens nur ja nicht in Vergessenheit gerät.

Aloisia Glanzl gehörte zu den ca. drei Millionen deutschsprachigen Bürgern der Tschechoslowakei, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Damals war sie bereits verheiratet, und es verschlug sie und ihren Mann nach Wien, wo sie praktisch von Null beginnen musste. Aber Wien wurde auch zu einer Heimat, zumal für eine Südmährerin, der die Donaumonarchie in den Genen steckte. Die alte Heimat trug sie dennoch immer in sich. Sie engagierte sich in der südmährischen Landsmannschaft in Österreich, und nachdem 1989 der Eiserne Vorhang gefallen war, erfolgten zahlreiche Besuche an den Stätten der Kindheit und Jugend, nicht zuletzt immer wieder in der Klemens-Kirche von Tasswitz.

Aufgrund ihrer Verehrung für den hl. Klemens kam Frau Glanzl sehr häufig nach Maria am Gestade zum Begräbnisort ihres Landsmannes. Sie war Mitglied im Klemens-Hofbauer-Komitee und gehörte bei der Errichtung des neuen Klemens-Museums zu den großherzigen Spenderinnen. Über viele Jahrzehnte hindurch sammelte sie alles, was ihr über den Stadtpatron von Wien in die Hände fiel, und präsentierte es in zahlreichen Ausstellungen. Lange sorgte sie auch für den Blumenschmuck bei der Klemens-Statue in der Vierung des Stephansdomes. Im Jahre 2014 wurde sie anlässlich der 100-Jahr-Feier der Erhebung von Klemens Maria Hofbauer zum Wiener Stadtpatron durch P. General Michael Brehl zur Oblatin unserer Kongregation ernannt.

Ihre Energie und Ausdauer setzte Frau Glanzl aber auch in manchen anderen Bereichen ein. So beteiligte sie sich maßgeblich bei der Errichtung und Gestaltung des Südmährerhofes im niederösterreichischen Museumsdorf Niedersulz, und in ihrem Wiener Wohnbezirk Maragerthen war sie seit der Renovierung und Wiedereröffnung der Linienwallkapelle so etwas wie deren "Seele". So wurde ihr nicht nur seitens unserer Kongregation Anerkennung zuteil, sondern sie erhielt auch die päpstliche Auszeichnung "bene merenti".

Dass Aloisia Glanzl nun gerade im Jubiläumsjahr anlässlich der 200. Wiederkehr des Todestages von Klemens Maria Hofbauer verstarb, ist in gewisser Hinsicht auch eine Auszeichnung. Dass dieses Jubiläumsjahr aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt stattfinden kann, hat ihr gewiss keine Freude gemacht. Doch eine umso größere Freude wird es ihr hoffentlich sein, den hl. Klemens nun persönlich kennenlernen zu können. Möge ihr dies, vor allem aber der Himmel gegönnt sein!


Von: Martin Leitgöb