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25.05.2020

Festlicher Gottesdienst zum 200. Todestag des hl. Klemens Maria Hofbauer in Maria am Gestade

Infolge der Beschränkungen durch die Coronakrise mussten alle Veranstaltungen rund um seinen 200. Todestag abgesagt werden. In Maria am Gestade feierten die Redemptoristen mit ihrer Gottesdienstgemeinde


Pater Johannes Römelt und die Mitbrüder des Hauses Maria am Gestade feiern mit einer kleinen Gemeinde

Über 60 Mitbrüder hatten sich für die Festfeier angesagt, konnten wegen der Absage aller Veranstaltungen im Zusammenhang der Coronakrise nicht nach Wien kommen. Am Altar stehen die Mitbrüder des Klosters Maria am Gestade und der Koordinator der europäischen Provinzen der Redemptoristen, Pater Johannes Römelt.

In kleiner Gemeinde feierten wir den großen Festtag

Nur eine kleine Gemeinde konnte den Gottesdienst mitfeiern. So konnten wir den geforderten Sicherheitsabstand einhalten.

Pater Johannes Römelt berührte viele mit seiner Festpredigt trotz des großen räumlichen Abstandes

Stellvertretend für Pater General Michael Brehl hielt Pater Johannes Römelt die Festpredigt. Trotz des notwendigen räumlichen Abstandes berührte er die Herzen der Mitfeiernden.

Abschluss der Feier am Reliquienaltar des hl. Klemens Maria Hofbauer

Der schlichte Festgottesdienst wurde mit einer Statio am Altar des hl. Klemens Maria Hofbauer und der Segnung der Klemensweckerl abgeschlossen.

Über 60 Mitbrüder aus der ganzen Welt hatten sich für die Feier des 200. Todestages des hl. Klemens Maria Hofbauer angemeldet. Ein umfangreiches Programm war für Wien, Tasswitz und Znaim vorbereitet. Höhepunkt hätte eine feierliche Prozession mit Reliquien des Heiligen von Maria am Gestade zum Stephansdom und ein Festgottesdienst im Stephansdom werden sollen. Zur Eindämmung der Coronapandemie mussten die Mitbrüder gebeten werden, zu Hause zu bleiben. In Wien wurden dann die Gottesdienste zu Ehren des hl. Klemens dezentral im Dom, in Maria am Gestade und in Hernals gefeiert. Es konnten jeweils nur maximal 100 Personen an den Feiern teilnehmen.

Pater Johannes Römelt, der Koordinator und Stellvertreter des Pater General für die europäischen Redemptoristenprovinzen ist auf seiner Kette von Reisen gleichsam in Wien "gestrandet", bevor er in seine Heimat Deutschland zurückreisen musste. So konnte er unserem bescheidenen Festgottesdienst vorstehen. Er überbrachte die Grüße des Pater General und der Generalräte, die Rom nicht mehr verlassen konnten. Mit ihm zelebrierten die Mitbrüder des Kollegs Maria am Gestade.

Es ist schade, dass nicht mehr Leute die Predigt des Pater Johannes Römelt hören konnten. Er verstand es beeindruckend, die Person des hl. Klemens, die biblischen Lesungen des 3. Fastensonntags und die aktuelle Betroffenheit durch die Ereignisse ausgelöst durch die Coronapandemie miteinander in Verbindung zu bringen und uns Mut zuzusprechen.

Erfreulicherweise stellte Pater Römelt uns sein Manuskript zur Verfügung, damit seine Predigt wenigstens im Nachhinein einem größeren Kreis zugänglich wird:
 

 1.
Zuerst einmal bedanke ich mich sehr herzlich, dass wir zusammen dieses Fest feiern können – und dass ich meinen Beitrag dazu geben darf. Ich bedanke mich bei Dir, Hans, und den Mitbrüdern hier in Wien für Eure Gastfreundschaft, und bei Ihnen allen, dass wir gemeinsam hier in der Kirche Maria am Gestade den Gottesdienst und dieses Fest feiern.
Euch und Ihnen allen darf ich herzliche Grüße und Segenswünsche von unserem Generalobern P. Michael Brehl sagen. Er hatte vor, selbst hier in Wien bei der Feier dabei zu sein, aber jetzt ist er aufgrund der Beschränkungen durch die Auswirkungen des Corona-Virus in Rom festgehalten. Von ihm darf ich einen herzlichen Gruß sagen und zusichern, dass er im Gebet mit uns verbunden ist.

Dabei feiern wir in eigenartigen Zeiten. Durch die Auswirkungen des Corona-Virus sind die großen Gottesdienste und Veranstaltungen abgesagt. Wir kommen hier zusammen zum Gottesdienst – und müssen doch Abstand halten, um niemanden zu gefährden. Wir machen uns Sorgen – gerade um die Menschen, die besonders gefährdet sind; und jede/jeder von uns kennt Menschen, die besonders gefährdet sind – und doch feiern wir ein Fest, freuen uns an diesem Tag. Es ist eine widersprüchliche Situation, die wir erleben, so widersprüchlich, wie unser Leben manchmal ist. Ein angefochtenes Leben, in Frage gestellt; nicht aus einem Guss und rein harmonisch, aber voller Hoffnung und Schönheit.

2.
Dabei ist es wirklich gut, dass wir dieses Fest feiern. Klemens Maria Hofbauer ist ein Heiliger unseres Glaubens, unserer Kirche, der selbst diese ganz unterschiedlichen und manchmal widersprüchlichen Seiten unseres Lebens erfahren hat. Ich will hier nicht sein Leben referieren; das kennen Sie, die hier nach Maria am Gestade kommen, wahrscheinlich besser als ich. Aber ich will doch einige Punkte benennen, die mich im Blick auf sein Leben bewegen.

In jungen Jahren schon hat er seinen Vater verloren, ein Bruch in seinem Leben; und doch ist er in ein tiefes Vertrauen auf Gott hineingewachsen. Er hat bei allem Schmerz gelernt, mehr und mehr auf Gott zu bauen. Er musste mit vielen Widerständen kämpfen, bis er seinen Wunsch, Priester zu werden, verwirklichen konnte. Es hat Jahre gedauert, viel Zeit und Geduld und Beharrlichkeit, bis er zum Priester geweiht wurde, nachdem er in unsere Gemeinschaft der Redemptoristen aufgenommen worden war.

Er war ein dynamischer Seelsorger und erlebte auch den Erfolg seiner Seelsorge. Er fand auf kreative Weise den Zugang zu Menschen und baute in Warschau eine Seelsorge auf, die auf viele Menschen wirkte. Und dann, von einem Moment auf den anderen, wird dieses alles zerstört und zunichte gemacht – durch eine Entscheidung Napoleon.

Auch an seiner Persönlichkeit kann man ablesen, wie er Gegensätze fruchtbar zusammengeführt hat. Er suchte die Stille, die Zeiten des Gebets und der Meditation. Lange – und mehrfach - hat er als Einsiedler gelebt, das Gebet besonders intensiv gepflegt. Und auf der anderen Seite war er ein Seelsorger mit Herz und Sinn, ganz und gar. Mit vollem Einsatz.
Er war kritisch gegenüber manchen Strömungen seiner Zeit und äußerte sich da auch sehr freimütig kritisch. Das Staatskirchentum seiner Zeit, hier in Österreich der Josephinismus, war ihm zutiefst suspekt. Auf der anderen Seite war er aufmerksam und sensibel für die Menschen seiner Zeit. Es gelang ihm, sie anzusprechen, sie mit seinen Worten und seiner Ausstrahlung zu erreichen. Gerade als Seelsorger hier in Wien hat er faszinierend auf Menschen seiner Zeit gewirkt.
Es ist es wirklich wert, dass wir dieses Fest feiern. Dass wir für Klemens danken, diese so besondere Persönlichkeit; den Zeugen des Glaubens, der frohen Botschaft, des Erbarmens und der Treue Gottes.

3.
Die Schrifttexte, die wir gehört haben, sind die Texte des 3. Sonntags in der Fastenzeit. Sie laden uns ein, auf uns Menschen und auf unsere Bedürfnisse zu schauen. Auf die ganz elementaren Bedürfnisse, die wir empfinden. - Es geht um Durst.

In der ersten Lesung wird vom Volk Israel erzählt, das durch die Wüste zieht und durstig ist. Da ist Waser wirklich lebensnotwendig. Es geht um das Überleben, wenn der Durst kommt. Ganz fundamental. Das Evangelium erzählt von der Begegnung der Frau am Jakobsbrunnen mit Jesus. Hier ist es zunächst Jesus, der Durst hat. Und natürlich: Such die Frau ist an den Brunnen gekommen, um Wasser zu schöpfen, das sie zum Leben braucht.

Wir dürfen, wenn wir diese Schriftstellen lesen und hören, den Durst stellvertretend für alle unsere elementaren Bedürfnisse nehmen. Es geht nicht nur um das Essen und Trinken. Es geht z.B. auch um das elementare Bedürfnis der Gemeinschaft: Die Frau kommt allein an den Brunnen; sie kommt nicht zu der Zeit, an der alle anderen aus dem Ort am Brunnen sind und schöpfen. Sie ist an den Rand gestellt, muss sich von den anderen fernhalten. Aber natürlich braucht sie – wie alle anderen – die Gemeinschaft. Für uns heute, in den Tagen in denen wir leben, ist Gesundheit ein besonderes elementares Bedürfnis. Gerade weil die Gesundheit durch das Corona-Virus bedroht ist.

Es geht in den Schriftstellen um elementare Bedürfnisse – und zugleich, sozusagen im selben Atemzug schon, wird deutlich, dass es immer schon um mehr geht. Das Gespräch der Frau mit Jesus weitet ich sehr schnell, es geht nicht mehr nur um das Wasser aus dem Brunnen. Es geht um Wasser des Lebens. Darum, was mich wirklich leben lässt. Was meinen Durst, meine Sehnsucht wirklich stillen kann.
Und beim Volk Israel wird schnell deutlich, dass es nicht nur um das überlebensnotwendige Wasser in der Wüste geht; es geht sehr elementar um Vertrauen. „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ Darf ich ihm wirklich vertrauen? Ist er wirklich an meiner Seite? Wer ist an meiner Seite? Trägt Gott mein/unser Leben?

4.
Im Eingehen auf die Bibeltexte will ich nur diesen einen Gedanken aufgreifen: Unsere elementaren Bedürfnisse und unser Vertrauen, unser Glauben, gehören eng zusammen. Beides lässt sich nicht trennen. Wir sind ein Mensch aus Leib und Geist und Seele.
Ich greife diesen Gedanken deshalb heraus, weil wir als moderne Menschen ein wenig die Tendenz haben, die Zuständigkeiten klar zu unterscheiden (und dann manchmal auch voneinander zu trennen). Wenn ich Durst habe, trinke ich. Wenn ich Hunger habe, gehe ich etwas essen. Hier in ein Restaurant in Wien, oder ich gehe zu Bruder Josef, unserem Koch in der Kommunität. Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt. Und so weiter…

Das stimmt ja auch. Ich weiß, dass ich mit meinem Hunger bei Bruder Josef bestens aufgehoben bin. Das passt. Und ich vertrauen meinen Ärzten und gehe, wenn ich mich unwohl fühle, mit Vertrauen zu ihnen. Und meine Erfahrung zeigt mir, dass mir dann wirklich geholfen wird. Das stimmt.
Aber das ist nicht alles.

Gerade in Zeiten des Corona-Virus merken wir das. Die Auseinandersetzung mit dem Virus ist nicht nur eine Frage der Ärzte, eine Frage der Spezialisten. Sie ist eine Frage der Lebensweise unserer Gesellschaft, eine Frage von uns allen. Und sie berührt unser Leben auf sehr vielfältige Weise, unser Leben als Ganzes. Es geht ja eben auch darum, dass wir einerseits unsere Sozialkontakte einschränken, damit wir einander nicht anstecken; dass wir anderseits einander gut im Blick behalten, den Kontakt pflegen, füreinander Sorge tragen. Dass wir bereit bleiben, mit an andere zu denken. Und dann wissen wir auch, dass es noch ganz andere Auswirkungen des Virus gibt, auf die Ökonomie und andere Bereiche unserer Gesellschaft - das will ich hier gar nicht vertiefen. Der Umgang mit der Situation, in der wir stehen, ist nicht nur eine medizinische Frage, eine Frage der Spezialisten. Es ist eine Frage unserer Lebensweise, umfassend; eine Frage von uns allen.

Und natürlich ist es auch eine Frage unseres Glaubens. Als glaubende Menschen müssen wir diese Situation auch in unser Gebet mit aufnehmen. Das, was uns bewegt, was uns Sorgen macht oder was uns freut, können wir nicht anders als auch in unser Gebet mit aufnehmen. Wir sind ein Mensch aus Leib, Geist und Seele.

5.
Es gibt eine schöne Geschichte vom Heiligen Klemens, die das ausdrückt. Sie werden sie kennen.
Klemens steckte in einer besonderen Notlage – ich weiß nicht mehr, worum es da ging. Aber in dieser Notlage kam er in die Kirche und ging vor den Tabernakel. Und er pochte an den Tabernakel und rief: „Herr, es ist Zeit!“ Es ist Zeit! Du musst etwas tun! Wir brauchen Dich! Manch einer mag bei dieser Geschichte lächeln und sich sagen, dass das doch ein wenig naiv ist. Oder zu direkt, zu unmittelbar. Andere mögen sich unsicher sein: Darf man so wirklich mit Gott reden?

Wir sind Menschen aus Leib, Geist und Seele. Alles das gehört dazu, gehört zu uns. Und das bedeutet auch: Was uns bewegt, dürfen und, müssen wir auch vor Gott ausdrücken. Was uns bewegt, die Sorge und die Freude und die Dankbarkeit, dürfen und sollen wir auch beten. In den ganz verschiedenen Formen: Voller Zuversicht oder sehr tastend, versuchsweise, voller Sorge oder voller Dankbarkeit und in großer Freude.
Heute beten wir mit Freude und Dankbarkeit, heute am Fest des Heiligen Klemens. Und zugleich mit Sorge in Zeiten der gesundheitlichen Krise, die unsere Gesellschaft herausfordert. Und mit Zuversicht auf die Gegenwart Gottes unter uns.  

Pater Johannes Römelt

Von: Hans Hütter