Don Vicente Ferreira ist Redemptorist. Er war einmal Oberer der Provinz Rio de Janeiro. Seit 2017 ist der heute 55-Jährige Bischof. Zunächst war er Weihbischof von Belo Horizonte im Südosten von Brasilien. Seit 2023 ist er Diözesanbischof von Livramento de Nossa Senhora im Nordosten des Landes. Er kämpft für die Menschen und für die Natur. Er kämpft vor allem aber für Gott, den er radikal an der Seite der Armen sieht. Die Umwelt- und Klimakrise, unter der wir auf unserem ganzen Planeten leiden, sieht er zunächst als eine spirituelle und ethische Krise. Es handelt sich, so seine Überzeugung, um eine Krise der Verantwortung der Menschen vor ihrem Schöpfergott ebenso wie um eine Krise des Zusammenhalts der Menschen untereinander.
In München gibt es ein Veranstaltungszentrum, das „Amerikahaus“ heißt. Der große Saal dieses Zentrums ist am Nachmittag des 6. Dezembers zwar nicht übervoll, aber es sind doch viele Interessierte gekommen. Am Nachmittag des Nikolaustages erleben die Teilnehmer Informationsveranstaltung nicht einen tattrigen himmlischen Mitra-Träger mit Bart, sondern einen Bischof, der mit beiden Beinen fest auf dieser Erde steht, den Herausforderungen unserer Zeit ins Auge sieht, manchmal nachdenklich wirkt, zugleich aber auch humorvoll sein kann und am Schluss sogar zur Gitarre greift, um ein brasilianisches Adventslied zu vorsingen.
Don Vicente braucht nicht lange nach seinen Werten und Idealen gefragt zu werden. Er versteht, in unprätentiöser Weise seine Themen zu setzen: „Ich kämpfe für eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft. Heute wird der Profit oft über die Menschen und über die Menschenwürde gestellt. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, muss die Kirche in der Gesellschaft präsent sein. Wir müssen mit den positiven Kräften unserer Zeit im Dialog stehen.“ Wegen seines -Einsatzes für die Schöpfung und die Menschenwürde stand der Bischof schon vielfach in der Kritik. Man versuchte, ihn durch Cybermobbing ebenso wie durch Bedrohung mit Waffen einzuschüchtern.
„Woher haben Sie Hoffnung“, wird er bei der Podiumsdiskussion im Amerikahaus gefragt. Zunächst ist im wichtig zu betonen: „Es gibt noch Hoffnung“. Er sieht in ihr ein überraschendes Element im menschlichen Leben. Zugleich aber wird die Hoffnung genährt und zum Wachsen gebracht durch die vielen Bemühungen von konkreten Menschen und durch konkrete solidarische und ökologische Aktionen. „Wir sind 1,3 Milliarden katholische Christen auf der Welt“, ruft er dem Publikum in Erinnerung, „wenn wir uns alle zusammen bemühen, nach dem Evangelium zu leben, können wir doch die Welt verändern“.



