Die Geschichte des Gnadenbildes


Künstler aller Jahrhunderte haben immer wieder versucht, die Gottesmutter im Bild darzustellen. Eine fromme Legende berichtet, dass auch der Evangelist Lukas dies versucht habe. Schon im Altertum wurden sogenannte »Lukasbilder« verehrt.

Während im Westen die künstlerische Darstellung Mariens eine reiche und vielfältige Entwicklung durchmachte, bevorzugte die Kunst in der Ostkirche einige wenige, aber dafür typische Muttergottesdarstellungen. In diesen Bildern wollte man stets zum Ausdruck bringen, dass Maria wahrhaftig die Gottesmutter sei und eine besondere Stellung im Heilsplane Gottes habe. Maria wurde stets voll Hoheit und Majestät in ergreifender Weise dargestellt. Diese Form fand durch einen unbekannten Künstler, wahrscheinlich ein Mönch des 14. Jahrhunderts, auch im Puchheimer Gnadenbild ihre Verwirklichung.

Das Bild zeigt die erhabene Himmelskönigin in der Gestalt einer byzantinischen Kaiserin. In der von strenger Ikonenmalerei her geprägten Darstellung sind auch menschliche Züge verflochten. Die freudenreiche Mutter des göttlichen Kindes und die angstvolle Schmerzensmutter werden dem Betrachter des Bildes in gleicher Weise gegenwärtig. Der goldene Hintergrund hebt die hl. Personen aus dem Irdischen ins Überirdische, in die Verklärung des Himmels. Die griechischen Buchstaben über ihrem Haupte bezeichnen sie als »Mutter Gottes« und ihr göttliches Kind als »Jesus Christus«. Das Gotteskind weiß schon um sein künftiges Leiden und Sterben; als Erlöser wird es die Sündenschuld der Menschen tilgen. Im Heiligenschein weist ein rotes Kreuz darauf hin. Angstvoll blickt das göttliche Kind auf den hl. Erzengel Gabriel, der ihm das Kreuz entgegenhält. (Das griechische Kreuz hat nur scheinbar drei Querbalken. Der obere gehört für die Kreuzesinschrift und der unterste soll als Fußstütze dienen.) Der hl. Erzengel Michael auf der linken Seite bringt das Essiggefäß, den auf einen Stab gespießten Schwamm und die Lanze. Wie um Hilfe suchend umklammert das erschrockene Christuskind den Daumen seiner Mutter. Auch die Gottesmutter weiß um das kommende Leid ihres Kindes und leidet mit.

Das Gnadenbild von Puchheim ist eine der getreuesten Kopien des Original-Gnadenbildes, welches sich in Rom in der Kirche Sant Alfonso (Kirche der Redemptoristen) befindet. Es ist wie dieses auf Holz gemalt. Bevor das kopierte Bild nach Puchheim gebracht wurde, hat man es mit dem Original-Gnadenbild berührt. Die Geschichte beider Bilder findet der interessierte Kirchenbesucher dargestellt in einer Reihe von 36 Wandbildern (s. S. 26). Beginnend über der Sakristeitür rechts vorne, führt die Bildreihe den Betrachter durch die Seitenschiffe und unter dem Chor rund um das ganze Gotteshaus bis zum Ausgang links vorne. Ursprünglich hatte man das Puchheimer Gnadenbild nicht über dem Hauptaltar, sondern am Alfonsus-Altar aufgestellt. Der Grund dafür war wohl der Umstand, dass es vor Einführung der elektrischen Beleuchtung im Hochaltarraum viel zu dunkel war. Erst im Jahre 1948 kam es auf seinen heutigen Platz.


Gnadenbild in der Basilika Maria Puchheim. Auf folgenden Gemälden ist der Weg des Gnadenbildes von Kreta nach Maria Puchheim dargestellt.
20. Napoleon I. befiehlt 1803 die Kirche zum hl. Mathäus zu zerstören.
21. Fr. Orsetti entzieht das Gnadenbild der allgemeinen Vernichtung.
22. Fr. Orsetti bringt das Gnadenbild in die Klosterkapelle von S. Maria in Posterula in Sicherheit.
23. Die Römer bedauern den Frevel an hl. Stätte und besonders den Verlust des Gnadenbildes.
24. Fr. Orsetti zeigt dem kleinen Michael Marcki 1840 das Gnadenbild.
25. Fr. Orsetti prägt zum öftern Marcki den Namen des Gnadenbildes ein.
26. Die Kirche zum hl. Alfonsus wird 1855 an der Stelle der Kirche des hl. Mathäus gebaut.
27. Ein P. Jesuit fordert 1863 zur Ausforschung des verschwundenen Gnadenbildes auf.
28. Marcki wird Redemptorist und deckt den Ort des Gnadenbildes auf.
29. Feierliche Prozession mit dem Gnadenbild in Rom 1866. Ein Kind wird plötzlich geheilt.
30. Pius IX. preist am 5. Mai 1866 in dem Gnadenbilde Maria als die Schöne.
31. Feierliche Krönung des Gnadenbildes am 23. Juni 1867.
32. Maria wird verehrt und angerufen von allen Nationen.
33. Das Gnadenbild von Puchheim wird an dem Gnadenbild von Rom berührt.
34. Das Gnadenbild in der Schlosskappelle wird von 1870-1891 allgemein verehrt.
35. Feierliche Prozession mit dem Gnadenbild in Puchheim 1883.
19. Die Verehrung des Gnadenbildes wächst von Jahrhundert zu Jahrhundert.
18. Papst Leo X. verleiht der Kirche zum hl. Mathäus den Kardinalstitel.
17. Die Verehrung des Gnadenbildes in der Kirche zum hl. Mathäus.
1. Maria von der immerwährenden Hilfe aus Kreta
2. Die Türken nähren und bemächtigen sich der Insel Kreta
3. Ein Kaufmann rettet das Gnadenbild.
4. Der Sturm auf dem Meere wird durch das Gnadenbild beendet.
5. Der Karufmann nähert sich mit dem Gnadenbild der Stadt Rom.
6. Der totkranke Kaufmann übergibt das Gnadenbild seinem Freund zur Verehrung in einer Kirche Roms.
7. Der Gastfreund, allzu nachgiebig gegen seine Frau, behält das Bild im Hause.
8. Maria kündigt dem Mann wegen seiner Schwäche gegen seine Frau den Tod an.
9. Maria nennt sich dem Töchterlein gegenüber "die immerwährende Hilfe".
10. Das Kind überbringt der Mutter den Befehl Mariens, in einer Kirche Roms ausgesetzt zu sein.
11. Die Frau bereut ihre Halsstarrigkeit und ist bereit zur Herausgabe des Gnadenbildes.
12. Ein böses Weib schmäht über die Erscheinung und wird plötzlich krank.
13. Das Weib wird durch die Berührung mit dem Gnadenbild alsogleich geheilt.
14. Maria kündigt dem Töchterlein die Kirche an, in der sie verehrt sein will.
15. Die Frau übergibt das Gnadenbild den Patres Augustinern für die St. Mathäuskirche.
16. Prozession mit dem Gnadenbild in Rom am 27. März 1499.
36. Das Gnadenbild wird 1891 von der alten in die neue Kirche übertragen.