Freitag, 10.09.2010

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18. Juli 2010: 16. Sonntag im Jahreskreis (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Manfred Wussow: Wenn der Gast zum Gastgeber wird

Predigtgedanken von Elisabeth Matthay: Über die Prioritäten im Leben - ein Lehrstück


Kontexte


Eins ist Not! Ach Herr, dies eine


"Eins ist Not!" Ach Herr, dies eine
lehre mich erkennen doch;
alles andre, wie's auch scheine,
ist ja nur ein schweres Joch,
darunter das Herze sich naget und plaget
und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget.
Erlang ich dies eine, das alles ersetzt,
so werd ich mit einem in allem ergötzt.

Seele, willst du dieses finden,
such's bei keiner Kreatur;
lass, was irdisch ist, dahinten,
schwing dich über die Natur,
wo Gott und die Menschheit in einem vereinet,
wo alle vollkommene Fülle erscheinet;
da, da ist das beste, notwendige Teil,
mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil.

Wie, dies eine zu genießen,
sich Maria dort befliss,
da sie sich zu Jesu Füßen
voller Andacht niederließ -
ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören,
was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren;
ihr alles war gänzlich in Jesus versenkt,
und wurde ihr alles in einem geschenkt.

Also ist auch mein Verlangen,
liebster Jesu, nur nach dir;
lass mich treulich an dir hangen,
schenke dich zu eigen mir!
Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen,
so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen;
denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist;
was ist wohl, da man nicht in Jesu genießt?


Johann Heinrich Schröder (1667-1699)


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Marta-Sätze


Ich versuche, der Geschichte von Martha und Maria etwas abzugewinnen mit drei typischen Sätzen der Marthas heutiger Tage.

1. "Ich habe keine Zeit! Das ist ein Marthasatz. Die Marthas haben immer zu wenig Zeit. Martha hat keine Zeit, Maria dagegen sieht, dass dieser Augenblick wichtig ist, wichtiger als alles andere. Sie merkt,dass sie diesen Augenblick auf keinen Fall verpassen darf. Hier ist nun Zuwendung gefragt. (...)

2. "Da kann man nichts mehr machen!" Auch das ist ein Marthasatz - ein Satz derer, die es gewohnt sind, Probleme zu lösen. Weil Martha sich von ihrem Tunkönnen her definiert. Und man kann viel tun. (...)

3. "Das hat doch alles keinen Sinn!" Das ist der dritte Satz der Marthas. Marthas brauchen ein Ziel, das Sinn macht. Wir jüngeren vertagen Sinn gern auf morgen. Was ich mir heute gefallen lasse, was ich mir heute versage: das wird sich morgen auszahlen, morgen hat das Sinn: als Urlaub, als Rente, als Beförderung!


Jörn Contag, Predigt über Lukas 10,38-42 08.04.2008 in der St.-Petri-Gemeinde Oesdorf/Bad Pyrmont. http://www.predigtpreis.de/darstellung-einzelpredigt+M513b601f34f.html


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Marta im Gespräch mit Lukas


... Tja, mein lieber Lukas, da stimme ich Dir zu: Befreiung aus unseren Rollen. Das haben wir Frauen sehr früh entdeckt und deshalb waren wir so begeistert von dem, was Jesus verkündete. Aber sieh Dir doch die Wirkungsgeschichte Deiner kleinen Erzählung an, was Du angerichtet hast mit Deinen Typisierungen: das fängt ja schon in der Alten Kirche an. Seit Origenes haben die Prediger des Wortes Gottes immer wieder anhand von mir und Maria diese Gegenüberstellung vorgenommen: hier die Marta - sie steht für die vita activa, dort die Maria - sie steht für die vita contemplativa. Sie hat natürlich das bessere Teil erwählt. Und die Protestanten - weil Du sie schon angesprochen hast: der gute Luther ging in einer Predigt 1523 so weit, an diesem Text zeigen zu wollen: hier die Marta - die an die Werkgerechtigkeit glaubt, dort die Maria, bei der das Wort allein gilt. Immer und immer wieder diese Gegenüberstellung zwischen der karitativen Diakonie - was nicht immer schlecht gemacht wird - gegenüber dem viel besseren Teil: dem Hören. Jesus erscheint dann als der gute Dogmatiker, der das beurteilt und jedem seinen Platz zuweist.

Da frage ich mich, ob es literarisch wirklich klug war, das so knapp zu stilisieren. Denn bis heute sind diese Kontrastierungen so scharf, dass die Gräben manchmal tiefer erscheinen als zwischen den konfessionellen Grenzen. Selbst in der Ökumenischen Bewegung des 20. Jahrhunderts gibt es das: hier diejenigen, die meinen im gemeinsamen praktischen Tun werde die Einheit der Kirche sichtbar, dort diejenigen, die sich an den Lehrdifferenzen abarbeiten, weil dies die Voraussetzung der Einheit sei.
Hier die vielen, die in der tapferen und tatkräftigen Nachfolge Jesu das Eigentliche erkennen, dort die intelligenten Beter, die sich aufs Hören beschränken.

Was soll's, das ist mir im Grunde alles nicht so wichtig. Mir geht es vor allem um diejenigen, die sich Abrackern für andere - aus besten Überzeugungen und ohne Erwartung von Gegenleistungen, die vielen Ehrenamtlichen in der Diakonie. Um die mache ich mir Sorgen. Werden die nicht einfach ausgebremst, haben die etwa das schlechtere Teil erwählt? Meinst Du wirklich, Jesus wollte das sagen?


Fernando Enns, Predigt im Universitätsgottesdienst in Heidelberg am Sonntag Estomihi, 6. Febr. 2005, über Luk 10,38-42. http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak1/predigten/050206.pdf


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Hören


Als Voraussetzungen des Hörens des göttlichen Wortes nennt Eckhart: inne
sin, da heime sin und ein sin: Swer die ewige weisheit des vaters hören sol,
der sol inne sen und sol da heime sin und sol ein sein, so mac er hören die
ewige weisheit des vaters.

Damit ist nicht nur die besinnliche Wendung zum eigenen Innern gemeint,
sondern ein Zurückfinden und Wiedereinfügen in die ursprünglich bestehende
Einheit zwischen Gott und Mensch; ein göttliches Daheim, wo es die Vielheit
der sekundär geschaffenen Dinge nicht gibt. Mit Gott eins zu werden ist das,
was nach Eckhart dem Menschen als Aufgabe gestellt ist." Diese Einheit ist
dadurch ermöglicht, . . . daz etwaz in der sele ist, daz gote also sippe ist, daz
ez ein ist und niht vereinet. Dieses Etwas, durch das Gott und Mensch
verwandt (sippe) sind, ist aller Geschaffenheit fern und fremd". In der Stille
dieser Einheit da horte er daz ewige wort.

Nun steht der Mensch aber im geschaffenen Sein, welches durch liplicheit,
manicvalticheit und zitlicheit (Körperlichkeit, Vielheit, Zeitlichkeit) geprägt
ist; drei Dinge, die das Hören(können) in Frage stellen. Es bedürfte eines Hin-
ausschreitens über diese Daseinsbedingungen, um in geist, einicheit, ewicheit
(Geist, Einheit, Ewigkeit) wonen (wohnen) zu können.

Der Weg, um vom menschlichen Standort aus zur Einheit mit Gott zu
finden, besteht im "Sich-lassen": Nu sprichet unser herre: 'nieman enhöret
min wort noch mine lere, er enhabe denne sich selben gelazen'. In diesem
Zentralsatz der Predigt werden nun das Hören und das Lassen - und damit
als Haltung die Gelassenheit - verknüpft.

Es ist bemerkenswert, dass Eckharts Aussage über das Hören durch das
Verb mügen (können, vermögen) modal formuliert ist: so mac er hören. Es
geht also im Grunde nicht nur um das Hören, sondern um das Hören können.
Damit ist, über die blosse Sinnesfunktion hinaus (selbst wenn sie metapho-
risch verstanden wird), ein ontologischer Bereich angeschnitten, der später -
durch Heidegger und andere - grundlegend für die "Existenzialphilosophie"
wird.


Timon Georg Boehm, Hören und Gelassenheit. Zur Meister Eckharts Predigt "Qui audit me" (WS 2006/7, Uni Zürich), in: http://homepage.hispeed.ch/TimonBoehm/Eckhart.pdf


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Tagesgebet - Manfred Wussow
Tagesgebet - ÷ ÷ Messbuch
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Fürbitten - Norbert Riebartsch
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