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14. März 2010: 4. Fastensonntag (C)
Predigtgedanken von Manfred Wussow: Ein Verlierer mit ganz viel Vertrauen
Kontexte
Ich freu mich in dem Herren
Ich freu mich in dem Herren aus meines Herzens Grund,
bin fröhlich Gott zu Ehren jetzt und zu aller Stund.
Mit Freuden will ich singen zu Lob dem Namen sein,
ganz lieblich soll erklingen ein neues Lied allein.
In Sünd war ich verloren, sündlich war all mein Tun,
nun bin ich neu geboren in Christus, Gottes Sohn;
der hat mir Heil erworben durch seinen bittern Tod,
weil er am Kreuz gestorben für meine Missetat.
All Sünd ist nun vergeben und zugedecket fein,
darf mich nicht mehr beschämen vor Gott, dem Herren mein.
Ich bin ganz neu geschmücket mit einem schönen Kleid,
gezieret und gesticket mit Heil und Gerechtigkeit.
Dafür will ich ihm sagen Lob und Dank allezeit,
mit Freud und Ehren tragen dies köstliche Geschmeid,
will damit herrlich prangen vor Gottes Majestät,
hoff darin zu erlangen die ewge Seligkeit.
Ungeliebt
Noch nicht einmal geboren und trotzdem schuld, wenn's nicht so läuft.
Deine Mutter hasst dich, wenn dein Vater sich besäuft.
Und wenn er sie verprügelt, verflucht sie dich dafür.
Seine Wut und ihr Schmerz sind dein erstes Gefühl.
Denn du bist ungeliebt, bist ungeliebt. (4x)
Nicht den Hauch von einer Chance, du hast verloren von Anfang an.
In der Reihe der Allerletzten stehst du ganz hinten an.
Keine zärtliche Hand, keine Umarmung die dich wärmt.
Du weißt nicht wonach du suchst, denn Liebe hast du nie gelernt.
Liebe hast du nie gelernt
Denn du bist ungeliebt, bist ungeliebt. (4x)
Auf deinem Weg durch alle Endstationen,
wandelt sich Verzweiflung in Aggressionen.
Und irgendwann schlägst du zurück;
Einmal zu oft verletzt.
Auf der Suche nach dem Glück, stirbt die Hoffnung ganz zuletzt.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Denn du bist ungeliebt, bist ungeliebt. (4x)
Noch nicht einmal geboren und trotzdem schon verloren.
Nicht den Hauch von einer Chance, du hast verloren von Anfang an.
Denn du bist ungeliebt, bist ungeliebt. (4x)
Song von "Verlorene Jungs" in: http://www.magistrix.de/lyrics/Verlorene%20Jungs/Ungeliebt-62131.html
Ich freu mich in dem Herren
Ich freu mich in dem Herren aus meines Herzens Grund,
bin fröhlich Gott zu Ehren jetzt und zu aller Stund.
Mit Freuden will ich singen zu Lob dem Namen sein,
ganz lieblich soll erklingen ein neues Lied allein.
In Sünd war ich verloren, sündlich war all mein Tun,
nun bin ich neu geboren in Christus, Gottes Sohn;
der hat mir Heil erworben durch seinen bittern Tod,
weil er am Kreuz gestorben für meine Missetat.
All Sünd ist nun vergeben und zugedecket fein,
darf mich nicht mehr beschämen vor Gott, dem Herren mein.
Ich bin ganz neu geschmücket mit einem schönen Kleid,
gezieret und gesticket mit Heil und Gerechtigkeit.
Dafür will ich ihm sagen Lob und Dank allezeit,
mit Freud und Ehren tragen dies köstliche Geschmeid,
will damit herrlich prangen vor Gottes Majestät,
hoff darin zu erlangen die ewge Seligkeit.
Ballett in drei Szenen
DER VERLORENE SOHN - LE FILS PRODIGUE - BLUDNYI SYN - THE PRODIGAL SON, Op. 46
BALLETT IN DREI SZENEN
Libretto von Boris Kochno, frei nach dem Lukas-Evangelium
URAUFFÜHRUNG: am 21. Mai 1929 am Théâtre Sarah-Bernhardt, Paris
CHOREOGRAPHIE: George Balanchine
AUSSTATTUNG: Georges Rouault
ENSEMBLE: Diaghilews Balletts Russes
TANZSOLISTEN: Serge Lifar - Félia Dubrowska - Michael Federow - Léon Woizikowski.
Personen
Der verlorene Sohn
Der Vater
Die beiden Schwestern
Zwei gute Freunde
Eine Verführerin namens Sirene
Zwei Diener
Zechkumpane
Das Geschehen spielt zu biblischen Zeiten, Dauer etwa 35 Minuten.
HANDLUNG
Erster Teil:
Man kann es auch positiv sehen, wenn es einen jungen Mann drängt, die weite Welt kennen zu lernen, anstatt lebenslang die Hammelherde seines Vaters zu hüten. Seine beiden Freunde haben ihm erzählt, dass in den Tempeln Kanaans hübsche Mädchen zur Liebe bereit sind und gegen Lohn geheime Wünsche erfüllen. Der Vater hat natürlich kein Verständnis für solchen Unsinn, weil der Junge als Arbeitskraft zu Hause gebraucht wird. Er soll eines Tages Hof und Herde übernehmen und in der weiten Welt kommt er nur auf dumme Gedanken. Die beiden Schwestern heulen Rotz und Wasser, weil sie am liebsten mitkommen möchten. Der Entschluss des jungen Mannes ist unabänderlich und dem Vater bleibt nichts anderes übrig, als ihn mit Barmitteln auszustatten, damit der Liebling einen guten Start hat, um etwas Eigenes aufzubauen. Den Ausreißer lockt eher das Abenteuer, um mit der Waffe in der Hand schnell zu Vermögen zu kommen. Der Abschied fällt schwer. Wird er hin und wieder zu Besuch kommen?
Zweiter Teil:
Die drei Freunde begeben sich auf die Wanderschaft und treffen auf ein Zelt. Es handelt sich um ein getarntes Spielkasino mit bescheidener Ausstattung. Spielautomaten gibt es keine, nur Spielwürfel. Ein lautstarkes Orchester spielt zum Tanz auf und im Ausschank gibt es süffigen Wein. Die obskure Gesellschaft begegnet den drei Grünschnäbeln zunächst mit Argwohn. Doch das Misstrauen schwindet schnell, da die Ankömmlinge sich als ungewöhnlich gastfreundlich erweisen. Bald fließt der Wein für alle und es lockern sich die Beine zu orgiastischer Tanzlust. Eine Schöne, von allen Sirene genannt, tritt auf, um sich an den Fremdling, der das große Geld in der Tasche hat, heranzumachen. Sie tanzt lustbetont und beteuert dem unerfahrenen Jüngling ihre heiße Liebe. Um ihre erotischen Reize zu unterstreichen, hat der Kostümbildner der Zeltherrin zum roten Samtmantel noch einen hohen roten Hut aufgesetzt. Unser Ausreißer ist große Mengen von Alkohol nicht gewohnt - der Geist lässt nach und die Müdigkeit meldet sich an. Logisch, dass einem Schlafenden, der Vermögen mit sich herumträgt, die Taschen ausgeleert werden. Es ergeben sich Verteilungskämpfe unter den Räubern, bei der die Zelteinrichtung in Mitleidenschaft gezogen wird. Die beiden Freunde lassen sich nicht aussperren, mischen mit und Sirene will natürlich auch ihren Anteil. Im Dämmerzustand bekommt der Verprügelte noch mit, dass man ihm die Kleider auszieht, denn auch getragene Textilien lassen sich auf dem Markt gut verkaufen. Tatsächlich fühlt der Enttäuschte sich nun wie ein 'Verlorener Sohn'. Dabei wollte er nur Freunde gewinnen und hatte es gut gemeint. Sein erstes Abenteuer hat er hinter sich gebracht und die Erfahrung gemacht, dass die Welt böse ist. Sirenes Liebe hatte keinen Bestand, sie entschwindet ohne Abschied. Im geschützten Zelt des Vaters ist es immer noch am Schönsten. Der Reumütige gibt seiner Depression tänzerisch Ausdruck.
Dritter Teil:
Das Geld ist alle und jetzt aber nichts wie nach Hause! Der Fußmarsch über Stock und Stein ist anstrengend und die Füße bluten. Nachts ist es in der Wüste lausig kalt und tagsüber brennt die Sonne unbarmherzig auf die nachte Haut. Bis zum Zelteingang der väterlichen Behausung reichen noch die Kräfte, dann sackt der unfreiwillige Wanderer zusammen.
Ja ist er es wirklich? Der Kleine ist zurückgekommen. So schnell hatte man ihn nicht erwartet. Die lieben Schwestern finden ihn in erbarmungswürdigem Zustand am Zelteingang. Der Vater kommt herbei und schließt den verzogenen Balg in seine Arme.
Szenenablauf
1. Der Abschied
2. Die Freunde
3. Die Sirene
4. Die Tänzer
5. Der verlorene Sohn und die Sirene
6. Das Trinkgelage
7. Plünderung
8. Erwachen und Reue.
9. Aufteilung der Beute
10. Die Rückkehr
Anmerkung:
Von der Erzählung der Bibel weicht der zweite Akt erheblich ab. Es wird nicht moralisiert, sondern die Handlung gerät zur Groteske, so wie es die russischen Komponisten in ihren Bühnenwerken lieben. Der Auftritt der Sirene ist in der Bibel nicht vorgesehen, für das Ballett aber zwingend notwendig. Die expressiven Klänge Prokofieffs zu den orgiastischen Tänzen faszinieren durch ihre Disharmonie ungemein. Den missgünstigen Bruder hat der Librettist aus dem Handlungsteil des dritten Aktes entfernt.
Das Werk entstand kurz vor Prokofieffs Rückkehr in die Heimat und wurde von Diaghilews Balletts Russes vor der Auflösung der Truppe noch einstudiert. Der Erfolg war immens.
Quelle: http://www.musirony.de.tl/Der-verlorene-Sohn.htm
Der Vater und sein verlorener Sohn
Freud und Ferenczi: Zum Abschluss der Briefedition
Der Briefwechsel zwischen Sigmund Freud und dem ungarischen Psychoanalytiker Sándor Ferenczi ist das umfangreichste Briefdokument aus der Geschichte der Psychoanalyse, neben dem Briefwechsel mit Wilhelm Fließ wahrscheinlich auch das aufschlussreichste. Die Korrespondenz erstreckt sich über ein Vierteljahrhundert, von 1908 bis zu Ferenczis Tod im Mai 1933 - jene Epoche also, in der sich die Psychoanalyse etabliert und zugleich durch eine Serie von Sezessionen, die stets mit dem Bruch der persönlichen Beziehungen einhergehen, in eine Dauerkrise gerät.
Keine andere große wissenschaftliche Innovation ist so von inneren Krisen geschüttelt worden wie sie. Der Fels, auf den Freud seine Kirche gründete, wurde jedesmal in seinen Grundfesten erschüttert, wenn Freud der Dissidenz anderer Personen entgegentrat - so sehr er selbst mit ebenso großer Beweglichkeit wie Radikalität seine Lehre immer wieder revidierte: "Nemo contra Deum nisi Deus ipse" - "Nur Gott selber darf sich in Frage stellen". Der Bruch zwischen Freud und Ferenczi aber war der vielleicht schmerzhafteste: weil die Freundschaft so innig gewesen war, mehr noch, weil in Ferenczis Abweichungen Freuds eigene frühe Geschichte wiederkehrte, die er ein für alle Mal für erledigt hielt. (...)
Die Verletzung und die aus ihr resultierende Verbitterung war zumal auf Freuds Seite tief. Am 2. Oktober 1932 schreibt er an Ferenczi einen Abrechnungsbrief, der an Härte schwerlich überbietbar ist: "[...] Ich glaube nicht mehr, daß Sie sich berichtigen werden, wie ich mich ein Menschenalter vorher berichtigt habe. [...] Seit drei Jahren haben Sie sich planmäßig von mir abgewendet, wahrscheinlich eine persönliche Feindseligkeit entwickelt, die weiter geht, als sie sich äußern konnte. Jeder von denen, die mir einmal nahestanden und dann abgefallen sind, konnte mir mehr Veranlassung zur Last legen als gerade Sie [...]". Und dann die finale Ironie: "Die traumatische Wirkung entfällt bei mir, ich bin vorbereitet und daran gewöhnt".
Der an unheilbarer "perniciöser Anämie" leidende Ferenczi - das war bei ihm keine symbolische Krankheit - ist konsterniert. In seinem "Klinischen Tagebuch" notiert er mit der Bitternis der Enttäuschung über Freud: "Er liebt Niemanden, nur sich und sein Werk."
Als die Nazis die Macht ergreifen, bestimmt ihn aber wieder die alte Liebe zu Freud: er empfiehlt ihm dringend, rechtzeitig zu emigrieren. Doch Freud zieht es einstweilen noch vor, wie gewohnt nicht zu fliehen, sondern stand zu halten. Um sechs Jahre wird er den entlaufenen Jünger und Freund überleben. Sein Nachruf, immerhin, spricht in warmen Worten von seiner "liebenswerten, menschenfreundlichen Persönlichkeit".
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=8990
Der verlorene Sohn
Eine kleine Nachtkritik: Marco W. bei RTL
Beim Stichwort Vergewaltigung schlagen normalerweise die Wellen der Empörung hoch. Nicht so bei Marco W., der bei seiner Rückkehr aus der Türkei fast wie ein Volksheld gefeiert wird. RTL sichert sich die Exklusivrechte und strahlt ein Interview aus, das einer Heiligenverehrung gleicht.
Er ist im Zielgruppen-relevanten Alter, er strahlt unerschütterlichen Optimismus aus, er lächelt auch in größter Pein - keine Frage: Marco W. ist ein Sieger-Typ, einer, dem man so leicht nichts krummnimmt. Einer, den die Leute mögen.
Dass ihm, fernab der Heimat, böse Vorwürfe das Leben schwermachen, dass er eine 13-jährige Urlauberin vergewaltigt haben soll, dass seine Unschuld noch nicht bewiesen ist - all das ist weit weg, wenn RTL den verlorenen Sohn in der Heimat empfängt. (. . . )
Über die Bedingungen dieses Vertrages, der dem Sender ermöglichte, ihm noch auf dem Heimflug einen Reporter zur Seite zu stellen und ihn seitdem konsequent von der Öffentlichkeit abzuschirmen, ihn weit weg von seinem Wohnort Uelzen in Nürnberg unterzubringen und als einziger Sender die erste - natürlich innige - Umarmung mit seinen Eltern zu filmen, ist hingegen nichts bekannt. (. . .)
Die Zeit sei ihm dort lang geworden, erzählt Marco W., nur einmal im Monat habe er seine Eltern für eine Stunde treffen dürfen, und nach fünf Monaten sei ihm zum ersten Mal aufgefallen, dass man aus der Situation auch lernen könne. Er sei nun netter zu seinen Eltern und würde sich andere Gedanken um seine Zukunft machen.
Sätze, die man einem 17-Jährigen, der gerade aus der Haft entlassen wurde, nicht vorwerfen kann. Von Journalisten allerdings, die offenbar viel Zeit und Gelegenheit hatten, den jungen Mann mit der umstrittenen Vergangenheit eingehend zu befragen, könnte man schon eine Prise mehr Esprit erwarten.
Es ist doch Weihnachten.
So aber plätschert das rund 20-minütige, von Werbung unterbrochene Gespräch dahin, verliert sich in Nichtigkeiten und findet seinen Höhepunkt in Marcos Wunsch, dass er nun wieder zur Schule gehen und sein altes Leben aufnehmen wolle. Ob er meine, dass das möglich sei, jetzt, wo er sich so verändert habe, muss Lanz doch noch mal nachhaken. Ja, das meine er, sagt Marco W., der ursprünglich vorgehabt hatte, nach dem Türkei-Urlaub seinen Schulabschluss zu machen und einen technischen Beruf zu erlernen.
Nur nach dem Tag "danach" wird er befragt, wie er die Verhaftung erlebt habe. "Wir dachten, das sei eine Verwechslung und es würde sich alles aufklären." Na, dann ist ja alles klar. Wenn Marco schon selbst nicht an seine Schuld glaubt, wer sollte es dann tun?
Die Boulevardpresse und das Publikum scheinen ihr Urteil gefällt zu haben. Wer so nett lächelt und wie ein Star gefeiert wird, der kann kein böser Mensch sein. Wozu braucht man da noch Richter?
Vor acht Monaten sei er ein ganz normaler Tourist gewesen, jetzt kenne ihn jeder, und er fliege im Privatjet nach Hause. "Ein Teenager, der überglücklich ist, und sich vielleicht ein wenig wie ein Star fühlt", umschreibt RTL den Eindruck. Wozu also Ausgewogenheit, wenn ein bisschen Stimmung so gut tut? A star is born, die Mischung ist perfekt. Marco W. ist blutjung, niemand mag ihm wirklich etwas Böses zutrauen, dazu ist er stets freundlich und bemüht. Dass der Anwalt der Gegenseite noch am Tag der Entlassung eine Expertise britischer Psychologen vorgelegt haben soll darüber, dass das Mädchen tatsächlich vergewaltigt worden sein soll, tut bei so viel Starrummel nun wirklich nichts zur Sache. Bei RTL hat man den Glauben an das Gute im Menschen wiedergefunden, das ist so kurz vor Weihnachten ganz viel wert.
Ruth Schneeberger in Sueddeutsche am 17.12.2007. http://www.sueddeutsche.de/kultur/13/427768/text/
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