Freitag, 30.07.2010

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31. Januar 2010: 4. Sonntag im Jahreskreis (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Hans Hütter: Hier und heute Gottes Gegenwart erfahren

Predigtgedanken von Klemens Nodewald: Hätte ich aber die Liebe nicht

Predigtgedanken von Ulrich Behlau: "Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg."


Kontexte


Starrsinn lösen


Was uns taub macht:
Rechthaberei, Selbstgerechtigkeit,
Unrecht beim andern suchen,
das man selbst begeht.
Was die Menschheit zerreißt,
was uns blind macht -

ach möge doch ein Weckruf
unsern Starrsinn lösen,
dass wir sie wahrnehmen,
diese andere Präsenz,
die in uns allen wohnt
und die wir Gott nennen.


Aus: Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Monisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.


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Wunschkonzert


Samad sagt Gib mir einen Fladen Brot
Frl. Brockmann sucht eine gemütliche kleine
            Komfortwohnung nicht zu teuer mit Kochnische
            und Besenkammer
Veronique sehnt sich nach der Weltrevolution
Dr. Luhmann möchte unbedingt mit seiner Mamma schlafen
Uwe Köpke träumt von einem Kabinettstück Thurn und
         Taxis sieben Silbergroschen hellblau ungezähnt
Simone weiß ganz genau was sie will Berühmt sein Einfach
            berühmt sein ganz egal wofür und um welchen Preis
Wenn es nach Konrad ginge bliebe er einfach im Bett liegen
Mrs. Woods möchte andauernd gefesselt und vergewaltigt
            werden aber nur von hinten und nur von einem
            Gentleman
Guido Ronconis einziger Wunsch ist die unio mystica
Fred Podritzke schlüge am liebsten mit einem Gasrohr
            auf all diese Spinner ein bis sich keiner mehr rührte
Wenn er jetzt nicht sofort sein Sahneschnitzel mit
            Gurkensalat bekommt wird Karel aber durchdrehen
Was Buck braucht ist ein Flash und sonst nichts

Und Friede auf Erden und ein Heringsbrötchen und den
            herrschaftsfreien Diskurs und ein Baby und eine
            Million steuerfrei und ein Stöhnen das in die
            bekannten kleinen atemlosen Schreie übergeht und
            einen Pudel aus Plüsch und Freiheit für alle und Kopf
            ab und daß uns die ausgefallenen Haare wieder
            nachwachsen über Nacht


Aus: Hans Magnus Enzensberger. Gedichte 1950-2005. Suhrkamp 'Taschenbuch 3823 Frankfurt am Main 2006.


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Streiklied


die schwarzen fürsten trommeln
die roten fürsten pfeifen
die weissen fürsten tuten
die braunen fürsten blasen

getrommelt und gepfiffen
getutet und geblasen
wir gehen nicht
wir kommen nicht
wir stehen nicht
wir tanzen nicht

wir folgen einem
andern fürsten


Aus: Kurt Marti, Geduld und Revolte. Die Gedichte am Rand. Im Radius Verlag, Stuttgart 1984.


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Die Empörung Gottes


Die Empörung Gottes
geht in Lumpen einher
hat nur Fetzen an sich
sie geht barfuß und bloß
            Und sie sieht, was wir Christen tragen
            und sie fragt, was wir Christen tun
            und sie hört, dass wir Mitleid haben
            - vielleicht ist das nicht genug

Die Empörung Gottes
geht in Elend einher
schreit nach Brot und Arbeit
und sie bettelt am Weg
            Und sie sieht, was wir Christen haben
            und sie fragt, was wir Christen tun
            und sie hört, dass wir manchmal spenden
            - vielleicht ist das nicht genug

Die Empörung Gottes
geht in Ketten einher
unterm Joch der Herren
sucht sie Freiheit und Recht
            Und sie sieht, wie wir Christen leben
            und sie fragt, was wir Christen tun
            und sie hört, dass wir dafür beten
            - vielleicht ist das nicht genug

Die Empörung Gottes
geht an uns nicht vorbei
aus Millionen Augen
sieht sie uns heute an
            Und sie will, dass wir uns empören
            und sie fragt, ob wir Christen sind
            denn es gilt: Selig seid ihr Armen
            nicht den Satten gehört mein Reich!

Die Empörung Gottes
geht mit uns ins Gericht
und die Erde zittert
Herr, verdamme uns nicht!


Aus: Lothar Zenetti,Leben liegt in der Luft. Worte der Hoffnung. Mathias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2007.


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Das Geheimnis der Liebe


Hymne


            Wenige wissen
Das Geheimnis der Liebe,
Fühlen Unersättlichkeit
Und ewigen Durst.
Des Abendmahls
Göttliche Bedeutung
Ist den irdischen Sinnen Rätsel;
Aber wer jemals
Von heißen, geliebten Lippen
Atem des Lebens sog,
Wem heilige Glut
In zitternde Wellen das Herz schmolz,
Wem das Auge aufging,
Daß er des Himmels
Unergründliche Tiefe maß,
Wird essen von seinem Leibe
Und trinken von seinem Blute
Ewiglich.

Wer hat des irdischen Leibes
Hohen Sinn erraten?
Wer kann sagen,
Daß er das Blut versteht?
Einst ist alles Leib,
Ein Leib,
In himmlischem Blute
Schwimmt das selige Paar. -

0! daß das Weltmeer
Schon errötete,
Und in duftiges Fleisch
Aufquölle der Fels!
Nie endet das süße Mahl,
Nie sättigt die Liebe sich.
Nicht innig, nicht eigen genug
Kann sie haben den Geliebten.
Von immer zärteren Lippen
Verwandelt wird das Genossene
Inniglicher und näher.
Heißere Wollust
Durchbebt die Seele.
Durstiger und hungriger
Wird das Herz:
Und so währet der Liebe Genuß
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Hätten die Nüchternen
Einmal gekostet,
Alles verließen sie,
Und setzten sich zu uns
An den Tisch der Sehnsucht,
Der nie leer wird.
Sie erkennten der Liebe
Unendliche Fülle,
Und priesen die Nahrung
Von Leib und Blut.


Novalis, in: Hans-Rüdiger Schwab, Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Topos plus Taschenbücher, Kevelaer 2007.


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