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14. März 2010: 4. Fastensonntag (C)
Predigtgedanken von Manfred Wussow: Ein Verlierer mit ganz viel Vertrauen
1. Lesung vom 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
Jos 5,9a. 10-12
Lesung aus dem Buch Josua:
In jenen Tagen
sagte der Herr zu Josua:
Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt.
Als die Israeliten in Gilgal ihr Lager hatten,
feierten sie am Abend des vierzehnten Tages jenes Monats
in den Steppen von Jericho das Pascha.
Am Tag nach dem Pascha, genau an diesem Tag,
aßen sie ungesäuerte Brote und geröstetes Getreide
aus den Erträgen des Landes.
Vom folgenden Tag an,
nachdem sie von den Erträgen des Landes gegessen hatten,
blieb das Manna aus;
von da an hatten die Israeliten kein Manna mehr,
denn sie aßen in jenem Jahr von der Ernte des Landes Kanaan.
Lesungskommentar von Manfred Wussow (2007)
Die Lesung aus dem Buch Josua bewahrt eine kostbare Erinnerung auf: Israel kann von den Erträgen des ihm von Jahwe geschenkten "gelobten" Landes leben - es fällt zwar kein Manna mehr von Himmel, dafür aber gehört zur Freiheit, auf eigenen Füßen stehen zu können.
Verbunden ist diese Erfahrung, die sich jetzt endgültig von den traumatischen "Fleischtöpfen Ägyptens" löst, mit der Passahfeier und wird in ihr - von Generation zu Generation - neu vergegenwärtigt.
Lesungskommentar von Johann Pock (2001)
Am Beginn des Josuabuches, das nach dem Tod Mose beim Einzug Israels ins verheißene Land ansetzt, geht es um die Anfänge des Volkes Israels, um die Verherrlichung ihrer Herrscher und ihrer Macht.
Auffallend an dieser Perikope 5,2-12 sind die vielen Beziehungen zum Buch Exodus mit den Motiven der Beschneidung (Ex 4,24ff), der Paschafeier (Ex 12) und dem Manna (Ex 16,35).
In Vers 9a ist der "Name" sehr wichtig: sowohl das Tetragramm JHWH ("Jahwe" = der Herr), als auch der Name des Anführers Josua (= "Jahwe ist Rettung") - dessen griechische Variante "Jesus" heisst! Die hier genannte "ägyptische Schande" meint wohl die Knechtschaft, das Leben auf fremdem und nicht eigenem Land.
Die in Vers 10 genannte Datierung mit dem ersten Frühlingsneumond (als Paschatermin) hatte großen Einfluss auf den christlichen Ostertermin. Das Fest der ungesäuerten Brote (Mazzot: Vers 11) war ursprünglich wohl ein vom Pesachfest unabhängiges Fest.
Vers 12 sagt, dass hier ein neuer Abschnitt des Volkes Israel beginnt. Dieser Neubeginn wird auch durch die Zeichenhandlung der Beschneidung (Verse 2-8) gefestigt: Die Israeliten sind nicht mehr von den Ägyptern abhängig, sondern sind nun Gottes Volk.
Durch die Auswahl dieser Stelle als Lesung in der Fastenzeit wird eine wichtige Etappe der Heilsgeschichte im Anweg auf Ostern benannt.
Ungekürzte Fassung der
1. Lesung des 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
Jos 5,2-12
Damals sagte der Herr zu Josua: Mach dir Steinmesser und ordne wieder eine Beschneidung der Israeliten an, eine zweite!
Da machte sich Josua Steinmesser, und er beschnitt die Israeliten auf dem «Hügel der Vorhäute».
Josua nahm die Beschneidung vor, weil das ganze Volk, das aus Ägypten ausgezogen war, das heißt die Männer, alle Krieger, nach ihrem Auszug aus Ägypten auf dem Weg durch die Wüste gestorben waren.
Als das Volk auszog, waren alle beschnitten. Alle aber, die nach dem Auszug aus Ägypten unterwegs in der Wüste geboren wurden, hatte man nicht beschnitten. Denn vierzig Jahre lang wanderten die Israeliten durch die Wüste. Schließlich war das ganze Volk, alle Krieger, die aus Ägypten ausgezogen waren, umgekommen, weil sie nicht auf die Stimme des Herrn gehört hatten. Der Herr hatte ihnen geschworen, er werde sie das Land nicht schauen lassen, das er ihren Vätern mit einem Eid zugesichert hatte, ein Land, in dem Milch und Honig fließen.
Ihre Söhne, die der Herr an ihre Stelle treten ließ, beschnitt Josua; denn sie waren noch unbeschnitten, da man sie unterwegs nicht beschnitten hatte. Als nun das ganze Volk beschnitten war, blieb man an Ort und Stelle, im Lager, bis die Männer wieder gesund waren.
Und der Herr sagte zu Josua: Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt. Darum nennt man diesen Ort bis zum heutigen Tag Gilgal (Wälzplatz).
Als die Israeliten in Gilgal ihr Lager hatten, feierten sie am Abend des vierzehnten Tages jenes Monats in den Steppen von Jericho das Pascha.
Am Tag nach dem Pascha, genau an diesem Tag, aßen sie ungesäuerte Brote und geröstetes Getreide aus den Erträgen des Landes.
Vom folgenden Tag an, nachdem sie von den Erträgen des Landes gegessen hatten, blieb das Manna aus; von da an hatten die Israeliten kein Manna mehr, denn sie aßen in jenem Jahr von der Ernte des Landes Kanaan.
2. Lesung vom 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
2 Kor 5,17-21
Lesung aus dem zweiten Korintherbrief:
Wenn jemand in Christus ist,
dann ist er eine neue Schöpfung:
Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.
Aber das alles kommt von Gott,
der uns durch Christus mit sich versöhnt
und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat,
indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete
und uns das Wort von der Versöhnung anvertraute.
Wir sind also Gesandte an Christi Statt,
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi Statt:
Laßt euch mit Gott versöhnen!
Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
Lesungskommentar von Manfred Wussow (2007)
Paulus beschreibt den Glauben an Christus als "neue Schöpfung". In Christus ist das Alte vergangen - hier bezogen auf die Sünde, die Menschen von Gott und von einander trennt. Das Neue, das mit Christus "von Gott kommt", ist die Versöhnung. Sie wird geradezu gleich gesetzt mit der Schöpfung, die am Anfang und von Anfang an Leben gewährt und erhält. Dabei ist die Versöhnung sogar die Vollendung der Schöpfung, weil die Einheit mit Gott wieder geschenkt wird, die vor allem Anfang war.
Für Paulus folgt daraus, dass er - allerdings pointiert formuliert: "wir" - Gesandter Christi ist und an seiner statt mahnt und bittet: Lasst euch mit Gott versöhnen. Im Hintergrund werden tiefsitzende und weitreichende Konflikte deutlich, die die Gemeinde in Korinth zu zerreißen drohte. Ein Anlass war die Person und die Verkündigung des Paulus. Er verteidigt sich zwar, weist aber auf die Versöhnung Christi hin, um die Gemeinde davor zu bewahren, sie in Gezänk und Eifersüchteleien zu verspielen.
Wenn Jesus, "der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht wurde, damit wird in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden", dann kann auch in der Gemeinde die neue Schöpfung sichtbar werden. Zu den Merkmalen der neuen Schöpfung gehört, die geschenkte Einheit zu leben und zu bewähren - und das in der Kraft der Versöhnung.
Lesungskommentar von Johann Pock (2001)
Das Thema der Versöhnung ist Paulus in mehrfacher Hinsicht sehr wichtig:
Es gibt die Versöhnungstat, die Gott selber setzt (vgl. 5,18b. 19a. 21). Er ist der, der versöhnt; der handelt - und der Mensch ist es, der versöhnt wird. Es ist dies ein reines Gnadenhandeln Gottes, unabhängig vom Handeln des Menschen.
Der Tod Jesu ist das Mittel der Versöhnung - aber nicht das Mittel, um Gottes Gnade zu erwirken, denn die Initiative geht von Gott aus. Das "Neue" (Vers 17) ist die Versöhnung, in der wir nun leben.
Doch als Folge dieses Versöhnungshandelns wird auch dem Menschen die Versöhnung aufgetragen (Vers 18b): im Handeln und im Wort (Vers 19b). Als seine "Gesandte" sollen wir nun Versöhnung wirken - und uns zuerst selber mit Gott versöhnen lassen (Vers 20).
Paulus betont dieses Versöhnungshandeln und die Neuschöpfung auch im Hinblick auf das Alte Testament: Für die Juden war nämlich das jährliche stellvertretende Versöhnungshandeln des Hohenpriesters zentraler Punkt ihres Glaubens ("Jom Kippur"). - Paulus sagt, dass in Christus dieses Handeln abgeschlossen ist: Wer in ihm ist, ist neue Schöpfung, ist versöhnt.
Evangelium vom 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
Lk 15,1-3.11-32
Textausgabe zum Lesen mit verteilten Rollen im Downloadbereich
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und ißt sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht.
Da teilte der Vater das Vermögen auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
kam eine große Hungersnot über das Land,
und es ging ihm sehr schlecht.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich und sagte:
Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen,
und ich komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:
Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner.
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von weitem kommen,
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
Da sagte der Sohn:
Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an,
steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.
Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn mein Sohn war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen,
und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte dem Vater:
So viele Jahre schon diene ich dir,
und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt;
mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt,
damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
Mein Kind, du bist immer bei mir,
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern;
denn dein Bruder war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Lesungskommentar von Manfred Wussow (2007)
In Lukas 15 treffen wir auf ein Gleichnis in drei Variationen: von verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme - und vom verlorenen Sohn. Ausgangspunkt ist die Klage der Frommen, Jesus gebe sich mit Sündern ab und pflege sogar Gemeinschaft mit ihnen. Da erzählt Jesus ihnen ein Gleichnis. Dabei handelt es sich bei Lukas um sog. Sondergut, das auch wie anderes Sondergut bei ihm durch Anschaulichkeit, Lebensnähe und Menschlichkeit geprägt ist. Zu den Beispielen des Sondergutes gehören das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und vom armen Lazarus - sprichwörtlich bis zum heutigen Tag.
Obwohl auch vom verlorenen Sohn geredet wird, erlaubt die dritte Variation des einen Gleichnisses keine einfachen Gedankengänge. Wer ist hier verloren? Der jüngere Sohn, der geht - oder der ältere, der geblieben ist? Der die Freiheit suchte (und verspielte) - oder der, der über die heimatliche Scholle nie hinausgesehen hat und gar nicht weiß, was Leben heißt? Im Duktus des Gleichnisses wird manches offen gehalten. Diese "Leerstellen" machen das Gleichnis zu einem Lebens- und Leseabenteuer.
Im Mittelpunkt steht der barmherzige Vater, der den jüngeren, gut ausgestattet, ziehen lässt, ohne ihn über die Risiken aufzuklären - ihm entgegenläuft und die gescheiterte Existenz in die Arme schließt - und den Bruder zur Mitfreude einlädt, nicht ohne ihn auf seine Privilegien aufmerksam zu machen. Dabei bekommt die Geschichte die Züge einer Auferstehungsgeschichte: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer draußen bleibt - es bleibt offen, wie sich der Ältere dann letztlich entscheidet -, stirbt und geht verloren. So prägnant führt das Gleichnis am Ende zu den Anfängen zurück: Die Frommen, die sich von den Sündern abheben und separieren, sind Verfallene der Sünde, stehen in ihrem Bann und gehen mit ihr unter.
Lukas hat dieses Sondergut in die Mitte seines Evangeliums gesetzt. Lukas erzählt die Geschichte Jesu als Geschichte des barmherzigen Vaters. Wenn er mit Sündern isst, wird einerseits das Abendmahl sichtbar, das Jesus mit seinen Jüngern ? allesamt Versagern ? in der ?Nacht? feiert, in der er verraten wird, aber auch die nachösterliche Gemeinschaft, die Jesus seinen Jüngern schenkte. Jesus hat von dem Mahl im Reiche Gottes gesprochen. Die Einladung des Vaters im Gleichnis bekommt in diesem Kontext eine besondere (B)deutung: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer mit ?er? gemeint ist? Man wird das Gleichnis verlassen müssen, um ihm auf die Spur zu kommen.
Wer dem Gleichnis weiter nachdenken möchte, findet eine Hilfe unter
http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/4Fast_C_Lk15_1-3_11-32_Diefenbach.pdf
Die altkirchliche Auslegung ist zu finden unter
http://www.catena-aurea.de/ljcpann24.htmlIn Lukas 15 treffen wir auf ein Gleichnis in drei Variationen: von verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme ? und vom verlorenen Sohn. Ausgangspunkt ist die Klage der Frommen, Jesus gebe sich mit Sündern ab und pflege sogar Gemeinschaft mit ihnen. Da erzählt Jesus ihnen ein Gleichnis. Dabei handelt es sich bei Lukas um sog. Sondergut, das auch wie anderes Sondergut bei ihm durch Anschaulichkeit, Lebensnähe und Menschlichkeit geprägt ist. Zu den Beispielen des Sondergutes gehören das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und vom armen Lazarus ? sprichwörtlich bis zum heutigen Tag.
Obwohl auch vom verlorenen Sohn geredet wird, erlaubt die dritte Variation des einen Gleichnisses keine einfachen Gedankengänge. Wer ist hier verloren? Der jüngere Sohn, der geht ? oder der ältere, der geblieben ist? Der die Freiheit suchte (und verspielte) ? oder der, der über die heimatliche Scholle nie hinausgesehen hat und gar nicht weiß, was Leben heißt? Im Duktus des Gleichnisses wird manches offen gehalten. Diese ?Leerstellen? machen das Gleichnis zu einem Lebens- und Leseabenteuer.
Im Mittelpunkt steht der barmherzige Vater, der den jüngeren, gut ausgestattet, ziehen lässt, ohne ihn über die Risiken aufzuklären ? ihm entgegenläuft und die gescheiterte Existenz in die Arme schließt ? und den Bruder zur Mitfreude einlädt, nicht ohne ihn auf seine Privilegien aufmerksam zu machen. Dabei bekommt die Geschichte die Züge einer Auferstehungsgeschichte: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer draußen bleibt ? es bleibt offen, wie sich der Ältere dann letztlich entscheidet -, stirbt und geht verloren. So prägnant führt das Gleichnis am Ende zu den Anfängen zurück: Die Frommen, die sich von den Sündern abheben und separieren, sind Verfallene der Sünde, stehen in ihrem Bann und gehen mit ihr unter.
Lukas hat dieses Sondergut in die Mitte seines Evangeliums gesetzt. Lukas erzählt die Geschichte Jesu als Geschichte des barmherzigen Vaters. Wenn er mit Sündern isst, wird einerseits das Abendmahl sichtbar, das Jesus mit seinen Jüngern ? allesamt Versagern ? in der ?Nacht? feiert, in der er verraten wird, aber auch die nachösterliche Gemeinschaft, die Jesus seinen Jüngern schenkte. Jesus hat von dem Mahl im Reiche Gottes gesprochen. Die Einladung des Vaters im Gleichnis bekommt in diesem Kontext eine besondere (B)deutung: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer mit ?er? gemeint ist? Man wird das Gleichnis verlassen müssen, um ihm auf die Spur zu kommen.
Wer dem Gleichnis weiter nachdenken möchte, findet eine Hilfe unter
http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/4Fast_C_Lk15_1-3_11-32_Diefenbach.pdf
Die altkirchliche Auslegung ist zu finden unter
http://www.catena-aurea.de/ljcpann24.html
Lesungskommentar von Johann Pock (2001)
Die einleitenden Verse 15,1-3 geben den erzählerischen Rahmen an: Es geht um Apologetik, um die Verteidigung der Haltung Jesu und seines Handelns. Der unkonventionelle Umgang Jesu mit Sündern ist eine Herausforderung - sowohl für die Pharisäer und Schriftgelehrten, als auch wohl für "gesetzestreue" Anhänger Jesu selbst.
Die beiden Gleichnisse Verse 4-10 zeigen Gottes Sorge um das Verlorene und seine Freude am Wiederfinden. Dies gipfelt in der Dramaturgie des Lukas im Gleichnis Verse 11-32.
Diese vielleicht bekannteste Stelle des Lukas steht im Zentrum seines Evangeliums.
Der Beginn des Gleichnisses ist auch für damalige Verhältnisse nichts Besonderes: Auszahlung des Erbteils für den Jüngeren (weil der Ältere der Nachfolger des Vaters war - vgl. Dtn 21,17; Sir 33,20-24); Leben im Ausland; die Rückkehr nach Hause, wenn keine Lebensgrundlage im Ausland mehr gegeben war.
Der Rahmen des Üblichen wird durch das Verhalten des Hausherrn, des Vaters gesprengt: Er eilt (entgegen den Normen) dem Jüngeren entgegen - und behandelt ihn als Gleichgestellten.
Worin liegt die Schuld des Jüngeren? - Nicht im Rechtlichen, sondern im Moralischen. Und nach der selbstverschuldeten Mittellosigkeit verdingt er sich als Schweinehirt - und fällt damit auch noch vom Gesetz ab.
Vers 17 benennt den Wendepunkt: die Selbstbesinnung. Sie ist der erste Schritt zur Umkehr. Mit Vers 20 beginnt eigentlich erst die Geschichte; Verse 11-19 waren Vorbereitung.
Im Mittelpunkt steht der Vater, sein verzeihendes Erbarmen sein Mitleid. Seine Vergebung geht dem Schuldbekenntnis des Sohnes voraus - Gottes Liebe kommt dem Menschen immer schon zuvor. Das folgende Mahl ist auch öffentlich Erweis der Rehabilitierung des Sohnes. (Vgl. den Zusammenhang von Buße, Verzeihung und eucharistischer Gemeinschaft in der Kirche!)
Mit Vers 24 könnte das Gleichnis enden - doch nun tritt noch der ältere Sohn auf. Der Zorn dieses "Gerechten" (Vers 28) ist das Gegenteil des Erbarmens des Vaters; ihn empört die Außerkraftsetzung der gerechten Ordnung. Vers 31 zeigt, dass die Barmherzigkeit des Vaters auch den beleidigten Sohn und seine Haltung einschließt. - Aber der Schluss, die Reaktion des erstgeborenen Sohnes bleibt offen.
Dieses Gleichnis wird auch "Evangelium im Evangelium" genannt und hatte/hat eine große Wirkungsgeschichte sowohl in der Kunst als auch in der Literatur.
Ungekürzte Fassung des
Evangelium des 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
Lk 15,1-32
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas:
Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und ißt sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, läßt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.
Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.
Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.
Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.
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