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7. März 2010: 3. Fastensonntag (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Jörg Thiemann: Umkehr des Herzens

Predigtgedanken von Bernhard Rathmer: Eine dornige Angelegenheit

Predigtgedanken von Max Angermann: Ich bin der "Ich-bin-da"


1. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr C:
Ex 3,1-8a. 13-15

Lesung aus dem Buch Exodus:

Mose weidete die Schafe und Ziegen
seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian.
Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus
und kam zum Gottesberg Horeb.
Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme,
die aus einem Dornbusch emporschlug.
Er schaute hin:
Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
Mose sagte: Ich will dorthin gehen
und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen.
Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
Als der Herr sah, daß Mose näher kam, um sich das anzusehen,
rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose!
Er antwortete: Hier bin ich.
Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab;
denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.
Dann fuhr er fort:
Ich bin der Gott deines Vaters,
der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.
Da verhüllte Mose sein Gesicht;
denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
Der Herr sprach:
Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen,
und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört.
Ich kenne ihr Leid.
Ich bin herabgestiegen,
um sie der Hand der Ägypter zu entreißen
und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land,
in ein Land, in dem Milch und Honig fließen.
Da sagte Mose zu Gott:
Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen:
Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt.
Da werden sie mich fragen:
Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
Da antwortete Gott dem Mose:
Ich bin der "Ich-bin-da".
Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen:
Der "Ich-bin-da" hat mich zu euch gesandt.
Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten:
Jahwe, der Gott eurer Väter,
der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs,
hat mich zu euch gesandt.
Das ist mein Name für immer,
und so wird man mich nennen in allen Generationen.



Der heutige Abschnitt wird zu den zentralen Stellen des Alten Testamentes gerechnet. Er berichtet die Berufung des Mose und die Begegnung mit Gott, der sich als der Gott der Väter und mit Namen: "Ich bin da" zeigt. Hinter diesem Namen liegt eine Zusage: "Ich werde da sein, als der ich da sein werde".

Die Aktivität für die Begegnung mit Mose geht von Gott aus. Mose wird mit Namen angesprochen. Mose reagiert gemäß der religiösen und kultischen Tradition: Er zieht die Schuhe aus und verhüllt sein Angesicht.

Der brennende und nicht verbrennende Dornbusch zeigt die "erschreckende Gefährlichkeit", aber auch die "Überwindung der Gefährlichkeit". Gott spricht - so die Interpretation - durch einen Engel zu Mose.
Mose erhält den Auftrag: "Und jetzt geh!" In diesem Auftrag ist die Zusicherung Gottes hinein genommen, der sich seines Volkes erbarmt hat. Er wird nun sein Volk aus Ägypten führen. Mose wird sein Prophet, "Mittler" und Führer auf diesem Weg.


Das Buch Exodus ist das zweite Buch des Pentateuch, der fünf Bücher Mose, und hat als solches ebenso mit den Textschwierigkeiten wie die anderen vier Bücher zu kämpfen. Speziell die Lesung des heutigen Tages geht auf unterschiedliche Textquellen zurück und hat redaktionelle Bearbietungen erfahren. Als ein Kennzeichen unterschiedlicher Verfasser bzw. Redaktoren ist der Wechsel der Gottesbezeichnungen ("Jahwe" und "Elohim") zu nennen. Unsere Lesung ist ein Produkt der Zusammenführung von den beiden Verfassern. So wird die Berufungserzählung des Mose (genauer 3,1b. 4b. 6. 9-14) dem Elohisten zugeschrieben.

Eine aussergewöhnliche Naturerscheinung lässt Moses aufblicken und eine Gotteserfahrung zuteil werden. Der Ruf des Herrn ergeht an Mose. Die Gottesvorstellung ist zweigeteilt und umklammert die Berufung des Mose. Vers 6 offenbart sich Jahwe als Gott der Väter. In Vers 14 gibt Jahwe dem Mose seinen Namen preis, der wiederum Auskunft über die Eigenschaften Gottes gibt: Ich bin der "Ich bin da" - gestern, heute, morgen und darüber hinaus - ohne zeitliche und räumliche Trennung. Dazwischen eingebettet ist die Berufung und die Beauftragung des Mose, verbunden mit der Landverheissung, die erst im Buch Josua (also nach dem Pentateuch) Wirklichkeit werden wird.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr C:
Ex 3,1-15

Lesung aus dem Buch Exodus:

Mose weidete die Schafe und Ziegen
seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian.
Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus
und kam zum Gottesberg Horeb.
Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme,
die aus einem Dornbusch emporschlug.
Er schaute hin:
Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
Mose sagte: Ich will dorthin gehen
und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen.
Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
Als der Herr sah, daß Mose näher kam, um sich das anzusehen,
rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose!
Er antwortete: Hier bin ich.
Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab;
denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.
Dann fuhr er fort:
Ich bin der Gott deines Vaters,
der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.
Da verhüllte Mose sein Gesicht;
denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
Der Herr sprach:
Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen,
und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört.
Ich kenne ihr Leid.
Ich bin herabgestiegen,
um sie der Hand der Ägypter zu entreißen
und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land,
in ein Land, in dem Milch und Honig fließen,
in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen,
und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.
Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao.
Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!
Mose antwortete Gott:
Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen
und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?
Gott aber sagte:
Ich bin mit dir;
ich habe dich gesandt, und als Zeichen dafür soll dir dienen:
Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast,
werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.
Da sagte Mose zu Gott:
Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen:
Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt.
Da werden sie mich fragen:
Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
Da antwortete Gott dem Mose:
Ich bin der "Ich-bin-da".
Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen:
Der "Ich-bin-da" hat mich zu euch gesandt.
Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten:
Jahwe, der Gott eurer Väter,
der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs,
hat mich zu euch gesandt.
Das ist mein Name für immer,
und so wird man mich nennen in allen Generationen.



2. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr C:
1 Kor 10,1-6. 10-12

Lesung aus dem 1. Korintherbrief:

Ihr sollt wissen, Brüder,
daß unsere Väter alle unter der Wolke waren,
alle durch das Meer zogen
und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.
Alle aßen auch die gleiche gottgeschenkte Speise,
und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank;
denn sie tranken aus dem lebensspendenden Felsen,
der mit ihnen zog.
Und dieser Fels war Christus.
Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen;
denn er ließ sie in der Wüste umkommen.
Das aber geschah als warnendes Beispiel für uns:
damit wir uns nicht von der Gier nach dem Bösen beherrschen lassen,
wie jene sich von der Gier beherrschen ließen.
Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten;
sie wurden vom Verderber umgebracht.
Das aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient;
uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben,
uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat.
Wer also zu stehen meint, der gebe acht, daß er nicht fällt.



Paulus betont in all seinen Briefen immer wieder die Freiheit des Christenmenschen, des Getauften in Jesus Christus. Im heutigen Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief mahnt der Apostel aber vor einer falschen Sicherheit. Er mahnt eindringlich, dass auch Christen nach wie vor die Möglichkeiten zum Guten und zum Bösen haben. Zuviel Sicherheit macht unkritisch gegenüber sich selbst und den eigenen Fehlern und Sünden. So sagt er: "Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass der nicht fällt" (V. 12).

Paulus verwendet Bilder des Alten Testamentes und zeigt Parallelen vom Durchzug des Volkes Israel durch das Meer und der Taufe der Christen. Die Speisung mit Manna in der Wüste vergleicht er mit den Abendmahl.

Gott ist für Paulus der Retter. - Und in Jesus Christus ist dieser rettende Gott sichtbar geworden. Mit der geschenkten Freiheit, die in der Taufe grundgelegt ist, muss nach Paulus achtsam umgegangen werden, um wirklich frei leben zu können. D.h. frei vom Bösen und frei von Sünde.


In diesem Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief greift Paulus Israel als Vorbild auf und schafft Bezüge zwischen Juden und Christen.

Er stellt dabei nicht Christus in die Heilsgeschichte aus dem Alten Bund, sondern bezieht vielmehr Moses in seinen Formulierungen auf Christus hin. Den Fels, auf den Moses schlug, um Wasser für sein Volk zu beschaffen, deutet Paulus aauf Christus hin. In diesem Abschnitt wird die christliche Gemeinde also in die Heilsgeschichte Israels miteinbezogen. Anders als in Mt 16 wird hier Christus als Fels bezeichnet.

Im zweiten Teil des Abschnitts (ab V. 5) wird das Negativbeispiel des Volkes Israel in den Blick gerückt. Aus den Fehlern dieses Volkes möge das "neue Volk Gottes" lernen. Was allerdings aus der Lesung, die wir hören, ausgeklammert bleiben muss, weil es in der Perikopenordnung keinen Platz mehr gefunden hat, ist die Zusage in V. 13, die Paulus seiner Gemeinde gibt: "Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt."


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr C:
1 Kor 10,1-12

Lesung aus dem 1. Korintherbrief:

Ihr sollt wissen, Brüder,
daß unsere Väter alle unter der Wolke waren,
alle durch das Meer zogen
und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.
Alle aßen auch die gleiche gottgeschenkte Speise,
und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank;
denn sie tranken aus dem lebensspendenden Felsen,
der mit ihnen zog.
Und dieser Fels war Christus.
Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen;
denn er ließ sie in der Wüste umkommen.
Das aber geschah als warnendes Beispiel für uns:
damit wir uns nicht von der Gier nach dem Bösen beherrschen lassen,
wie jene sich von der Gier beherrschen ließen.
Werdet nicht Götzendiener wie einige von ihnen;
denn es steht in der Schrift:
Das Volk setzte sich zum Essen und Trinken;
dann standen sie auf, um sich zu vergnügen.
Lasst uns nicht Unzucht treiben,
wie einige von ihnen Unzucht trieben.
Damals kamen an einem einzigen Tag dreiundzwanzigtausend Menschen um.
Wir wollen auch nicht den Herrn auf die Probe stellen,
wie es einige von ihnen taten,
die dann von Schlangen getötet wurden.
Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten;
sie wurden vom Verderber umgebracht.
Das aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient;
uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben,
uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat.



Evangelium vom 3. Fastensonnatg, Lesejahr C:
Lk 13,1-9

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus
und berichteten ihm von den Galiläern,
die Pilatus beim Opfern umbringen ließ,
so daß sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.
Da sagte er zu ihnen:
Meint ihr, daß nur diese Galiläer Sünder waren,
weil das mit ihnen geschehen ist,
alle anderen Galiläer aber nicht?
Nein, im Gegenteil:
Ihr alle werdet genauso umkommen,
wenn ihr euch nicht bekehrt.
Oder jene achtzehn Menschen,
die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden -
meint ihr, daß nur sie Schuld auf sich geladen hatten,
alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?
Nein, im Gegenteil:
Ihr alle werdet genauso umkommen,
wenn ihr euch nicht bekehrt.
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum;
und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.
Da sagte er zu seinem Weingärtner:
Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach,
ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts.
Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Weingärtner erwiderte:
Herr, laß ihn dieses Jahr noch stehen;
ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
Vielleicht trägt er doch noch Früchte;
wenn nicht, dann laß ihn umhauen.



In einer Abfolge von Gleichnissen unterbricht der Evangelist Lukas die Hörer und Leser mit einer Schreckensmeldung (diese ist nur bei Lukas anzutreffen). Die Aufzeichnungen des Josephus Flavius (Jüdisches Altertum, Rom, Ende des 1. Jhdt.) erzählen von diesen beiden Vorfällen. Darin wird von Samaritern berichtet, die zum Heiligtum zogen und auf Befehl von Pilatus niedergemetzelt wurden. Der Zeitpunkt dieses Vorfalles liegt aber nach diesen Quellen nach dem Tod Jesu. Hingegen wird von einer jüdischen Demonstration in Jerusalem etwa zur Zeit Jesu berichtet, die auch von Pilatus blutig niedergeschlagen wurde.

Der Evangelist Lukas gibt in knapper Form den Inhalt dieser Schreckensmeldungen wieder. Jesus nimmt diese Meldungen und Fragen auf und gibt eine klare Stellung ab. Jesus widerspricht der landläufigen jüdischen Ansicht, dass besondere Schuld der Menschen zu besonderem Unglück führe. Jesus blickt nicht auf den Ursprung des Unglücks, sondern viel eher auf die Zukunft der Lebenden. Die beiden Unglücke zeigen den Lebenden, dass es ihnen auch so ergehen wird, wenn sie nicht umkehren.

Die angeschlossene Parabel macht dies deutlich. Der Weingärtner ist solidarisch mit dem Feigenbaum; die Fürbitte des Winzers für den Feigenbaum erinnert an die Bitte des Abraham für Sodom (vgl. Gen 18,23ff). Die Fürbitte wird erhört. Der Feigenbaum erhält noch eine Chance um Frucht zu bringen. Das Kriterium ist also, dass der Baum Frucht bringe. Das letzte Urteil bleibt dem Besitzer des Weinbergs vorbehalten.


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