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28. Februar 2010: 2. Fastensonntag (C)
Predigtgedanken von Martin Stewen: "Geist der Wahrheit, führ uns du zur Sonnen Klarheit"
1. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr C:
Gen 15,5-12. 17-18
Lesung aus dem Buch Genesis.
In jenen Tagen führte der Herr Abram hinaus und sprach:
Sieh doch zum Himmel hinauf, und zähl die Sterne,
wenn du sie zählen kannst.
Und er sprach zu ihm:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Abram glaubte dem Herrn,
und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Er sprach zu ihm:
Ich bin der Herr,
der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat,
um dir dieses Land zu eigen zu geben.
Da sagte Abram:
Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen,
daß ich es zu eigen bekomme?
Der Herr antwortete ihm:
Hol mir ein dreijähriges Rind,
eine dreijährige Ziege,
einen dreijährigen Widder,
eine Turteltaube und eine Haustaube!
Abram brachte ihm alle diese Tiere,
zerteilte sie und legte je eine Hälfte der andern gegenüber;
die Vögel aber zerteilte er nicht.
Da stießen Raubvögel auf die Fleischstücke herab,
doch Abram verscheuchte sie.
Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf;
große, unheimliche Angst überfiel ihn.
Die Sonne war untergegangen, und es war dunkel geworden.
Auf einmal waren ein rauchender Ofen
und eine lodernde Fackel da;
sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch.
An diesem Tag schloß der Herr mit Abram folgenden Bund:
Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land
vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom Eufrat.
Lesungskommentar von Martin Stewen (2010)
Die alttestamentliche Perikope aus dem Buch Genesis beschreibt die Grenzziehung für das "Versprochene Land" zwischen Nil und Euphrat. Anhand dieser Vätergeschichte wird deutlich, welches Territorium der spätere Auszug aus Ägypten zum Ziel hat.
Die Landübergabe wird rituell bestätigt, womit das Versprechen besiegelt ist - und von orthodoxen Juden als bindend bis heute angesehen wird.
Lesungskommentar von Hans Hütter (1998)
Die erste Lesung des 2. Fastensonntags erzählt vom Bundesschluß Gottes mit Abraham. Abraham wird als das große Vorbild des Glaubens dargestellt. Auf die Verheißung Gottes hin hat er, ohne etwas Konkretes in der Hand zu haben, seine Heimat verlassen, um das neue verheißene Land zu suchen. All das ist aber wertlos angesichts seiner Kinderlosigkeit. Ein Land in Besitz nehmen - für wen?
In einem eindrucksvollen Bild des orientalischen Sternenhimmels bekräftigt Gott Abraham gegenüber seine Zusage. Abraham erbittet ein Zeichen, an dem erkennen könne, daß er das Land zu eigen bekomme. Ein Zeichen zu erbitten ist in der Vorstellung des Verfassers nicht ungewöhnlich (vgl. Mose und Gideon).
Gott fordert Abraham auf, eine Ritual vorzubereiten, wie man es vornahm, wenn jemand einen feierlichen Schwur leitstete. Man zerteilte Opfertiere und legte sie si auf den Boden, daß der Schwörende zwischen den Stücken durchgehen konnte. So wie dem Opfertier werde es ihm ergehen, wenn er seinen Schwur nicht hält ...
Das besondere an diesem Schwur ist jedoch, daß in dem nächtlichen Erlebnis des Abraham Gott selbst zwischen den Opferstücken hindurchschreitet. Er schwört Abraham und seinen Nachkommen, seine Versprechen zu halten.
Lesungskommentar von Marita Meister (2001)
Abraham fordert Gott heraus. Er will wissen, ob die Verheißung Jahwes sich erfüllt. Abraham glaubt, und das wird ihm als "Gerechtigkeit" angerechnet. Und Gott - er bekräftigt seine Verheißung Abraham gegenüber, wenngleich die Art und Weise befremdet.
Der Glaube Abrahams wird auf die Probe gestellt, die Verwirklichung der Verheißungen verzögert sich. Dann werden sie erneuert und durch einen Bund besiegelt. Die Landverheißung steht an der ersten Stelle (vgl. Einheitsübersetzung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel).
Tatsache ist, dass Gott nicht hinter sein Wort zurückgeht und es von menschlicher Seite her anscheinend immer wieder eine "Absicherung" bzw. Bestätigung braucht, damit Vertrauen und Glauben einen festen Sitz im Leben haben.
Ungekürzte Fassung der
1. Lesung des 2. Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr C:
Gen 15,1-18
Nach diesen Ereignissen erging das Wort des Herrn in einer Vision an Abram: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein. Abram antwortete: Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben? Ich gehe doch kinderlos dahin, und Erbe meines Hauses ist Eliëser aus Damaskus. Und Abram sagte: Du hast mir ja keine Nachkommen gegeben; also wird mich mein Haussklave beerben. Da erging das Wort des Herrn an ihn: Nicht er wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein.
Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf, und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Abram glaubte dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an. Er sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben. Da sagte Abram: Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen, daß ich es zu eigen bekomme?
Der Herr antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine Haustaube! Abram brachte ihm alle diese Tiere, zerteilte sie und legte je eine Hälfte der andern gegenüber; die Vögel aber zerteilte er nicht. Da stießen Raubvögel auf die Fleischstücke herab, doch Abram verscheuchte sie. Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf; große, unheimliche Angst überfiel ihn. Die Sonne war untergegangen, und es war dunkel geworden. Auf einmal waren ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel da; sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch. An diesem Tag schloß der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom Eufrat.
2. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr C:
Phil 3,17 - 4,1
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:
Ahmt auch ihr mich nach, Brüder,
und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt.
Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe,
doch jetzt unter Tränen spreche -
leben als Feinde des Kreuzes Christi.
Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch;
ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
Unsere Heimat aber ist im Himmel.
Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn,
als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird
in die Gestalt seines verherrlichten Leibes,
in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.
Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne,
meine Freude und mein Ehrenkranz,
steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder.
Lesungskommentar von Martin Stewen (2010)
Jene Kreuzesnachfolge, auf die Paulus die frühe Gemeinde in Philippi einschwört, hatte zu dieser Zeit etwas sehr Realistisches an sich. Die Gemeinden sahen sich der Verfolgung ausgesetzt - wer sich zur Christusnachfolge bekannte, war an Leib und Leben gefährdet.
Philippi war eine der ersten christlichen Gründungen und die Christen hatten noch wenig Erfahrungen mit dem Übel der Verfolgung: Paulus mahnt sie, was auch immer passieren soll, den Leib gering zu schätzen um des Himmelreiches willen.
Lesungskommentar von Hans Hütter (1998)
In diesem Abschnitt des Philipperbriefes tritt Paulus gegen Irrlehrer in der Gemeinde auf. Offenbar sind es Personen, die mit der Kreuzestheologie des Paulus nicht viel anfangen können.
Paulus fordert die Philipper auf, ihn selbst nachzuahmen und jene, die mit ihm in Einklang stehen. Es geht dabei nicht um Selbstbeweihräucherung oder Prahlerei. Ihm geht es um die Kreuzesnachfolge, die einige in der Gemeinde ablehnen. An seiner Lebesnweise kann abgelesen werden, wie die Kreuzesnachfolge gelebt werden kann.
Darüber hinaus betont Paulus die Erwartung des Wiederkommens Christi. Er wird die Vollendung und Umgestaltung des irdischen Leibes bringen. Vermutlich betrachten sich die Gegner des Paulus bereits als vollendet und als teilhaftig des neuen Lebens und erwarten nicht mehr das Kommen Christi.
Kurzfassung der
2. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr C:
Phil 3,20 - 4,1
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:
Brüder!
Unsere Heimat aber ist im Himmel.
Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn,
als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird
in die Gestalt seines verherrlichten Leibes,
in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.
Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne,
meine Freude und mein Ehrenkranz,
steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder.
Evangelium vom 2. Fastensonntag, Lesejahr C,
Lk 9,28b-36
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus beiseite
und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.
Und während er betete,
veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes,
und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm.
Es waren Mose und Elija;
sie erschienen in strahlendem Licht
und sprachen von seinem Ende,
das sich in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen,
wurden jedoch wach
und sahen Jesus in strahlendem Licht
und die zwei Männer, die bei ihm standen.
Als die beiden sich von ihm trennen wollten,
sagte Petrus zu Jesus:
Meister, es ist gut, daß wir hier sind.
Wir wollen drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Er wußte aber nicht, was er sagte.
Während er noch redete, kam eine Wolke
und warf ihren Schatten auf sie.
Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst.
Da rief eine Stimme aus der Wolke:
Das ist mein auserwählter Sohn,
auf ihn sollt ihr hören.
Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein.
Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten,
und erzählten in jenen Tagen niemand davon.
Lesungskommentar von Martin Stewen (2010)
Nachdem Jesus seine Jünger über seine bevorstehenden Leiden informiert hatte (9,22), entzieht er einige von ihnen - wie einst Mose am Gottesberg Horeb (Ex 24) - der Sphäre des "Normalen" und steigt mit ihnen auf den Tabor: Dieser Berg dient einerseits als Möglichkeit der Annäherung Gottes, ist andererseits auch als eine Alternative zum Ort des Leidensanfangs, zum Ölberg, zu sehen. Auf dem Tabor erfahren die Apostel nun durch das Erleben der alttestamentlichen Gestalten Mose und Elija, dass Jesus ganz in der Tradition der Offenbarung an das Volk Israel zu sehen ist und zudem ihr Höhepunkt ist. Doch diese Erfahrung kann ihr Herz nicht erobern. Für die drei Apostel bleibt das Offenbarungsgeschehen diffus: Zunächst verschlafen sie das Entscheidende - das Gespräch zwischen Jesus, Mose und Elija. Dann werden sie geblendet und stehen schließlich im Nebel da. Petrus versucht noch das Beste draus zu machen mit einem Rückgriff auf die Traditionen des Volkes:
Der Hüttenbau erinnert an das israelische Laubhüttenfest. Sie bleiben aber letztendlich komplett verwirrt - im Gegensatz zu anderen Handlungen Jesu, nach denen sie sich nicht an das auferlegte Schweigen halten, können sie nach der Offenbarung nicht anders, als in Stille zu verharren. Alle drei erkennen mit vielen anderen erst nach der Auferstehung Jesu, was all das zu bedeuten hatte.
Lesungskommentar von Manfred Wussow (2004)
Das Evangelium von der Verklärung Jesu ist gemeinsame synoptische Tradition, mit Markus als Gewährsmann. Bedeutsam sind darum auch die Nuancierungen, die in jedem Evangelium zu finden sind.
Lukas stellt heraus: dass Jesus mit den drei Jüngern auf einen Berg geht, "um zu beten" - und dass sich sein Gesicht und sein Gewand verändern, "während er betete". In strahlendem Licht erscheinen Mose und Elija - und sprechen von seinem Ende, "das sich in Jerusalem erfüllen sollte". Während bei Markus die Jünger auf einen hohen Berg geführt werden und Jesus vor ihren Augen verwandelt wird, sie also von Anfang an dabei sind, sind sie bei Lukas eingeschlafen. Als sie wach werden, sehen sie Jesus "in strahlendem Licht" und eben die zwei Männer. Auch dass Mose und Elija von seinem Ende reden, überliefert nur Lukas - und die Jünger bekommen es nicht mit.
Unschwer ist zu erkennen, dass die Szene bei Lukas schon Züge der Gethsemane-Geschichte (Lk 22,39-46) trägt: der betende Jesus und die schlafenden Jünger. Die Steigerung fällt jedoch auf: Während hier Mose und Elija noch reden, wird Jesus dort von einem Engel gestärkt. Während hier noch "strahlendes Licht" erscheint, schwitzt Jesus dort Blutstropen. Beide Geschichten sind von Lukas als Passionsgeschichten geformt und korrespondieren miteinander; von der Verklärung fällt jedoch österlicher Glanz auf Jesu Weg.
In jenen Tagen erzählten die Jünger niemand davon. Das sog. "Schweigegebot" bei Markus hat Lukas auf seine Weise bewahrt. Während Markus noch überliefert, den Jüngern sei sehr nachgegangen, "was das sei: von den Toten auferstehen", schweigen sie bei Lukas ganz. Blicken wir auf das Bild, das Lukas von den Jüngern zeichnet, sehen wir hinter dem Wunsch, drei Hütten zu bauen, ihre Müdigkeit und Sprachlosigkeit - schauen wir auf das Bild, das von Jesus gezeichnet wird, nehmen wir ihn als Beter wahr, im Gespräch mit Mose und Elija über seinen (Leidens)weg vertieft - und als den auserwählten Sohn, den wir hören. Sein Wort klärt unsere eigenen Wege.
Warum erscheinen Mose und Elia? Sie verbinden mit ihren Namen den Anfang und die Vollendung der in der hebräischen Bibel erzählten Heilsgeschichte, die "sich in Jerusalem erfüllen sollte".
Lesungskommentar von Hans Hütter (1998)
Im Evangelium wird uns von der Verklärung Jesu auf einem Berg erzählt. Bei Jesus sind drei ausgewählte Jünger als Zeugen. Die Erzählung steht in einem inneren Zusammenhang mit der Offenbarung Jesu als Sohn Gottes bei der Taufe im Jordan und der Auferstehung, in der er sich endgültig als Sohn Gottes erweist.
Die Verfasser dieses Textes - Lukas hat ihn bereits vorgefunden - lassen wiederholt alttestamentliche Motive der Gottesoffenbarung anklingen. So findet das Ereignis auf einem Berg statt. Mose und Elija wurden auf dem Gottesberg Gottesbegegnungen zuteil. Darüber hinaus vertreten sie "das Gesetz und die Propheten", also die ganze Tradition. Während Mose bei seiner Gottesbegegnung auf dem Sinai so vom Lichtglanz Gottes getroffen wurde, daß er strahlend den Berg hinabstieg, leuchtet Jesus von sich selbst aus in strahlendem Licht.
Der Inhalt ihres Gespräches Jesu mit Mose und Elija bezieht sich auf das Messiasgeheimnis, daß er leiden und sterben müsse. Die Jünger verschlafen das Ereignis beinahe. Als sie aufwachen, begreifen sie nicht, was sich vor ihren Augen ereignet. Das Motiv des Nichtverstehens der Jünger tritt immer auf, wenn es um dieses Messiasgeheimnis geht. Erst nach dem Tod und der Auferstehung Jesu werden sie begreifen. Bis dahin schweigen sie. Statt zu hören und zu verstehen, wollen sie Aktionen setzen und Hütten bauen.
Die Stimme aus der Wolke weist (die hörende Gemeinde) an, was zu tun ist: Auf den Herrn zu hören ist wichtiger als das Gesetz und die Propheten.
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