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7. Februar 2010: 5. Sonntag im Jahreskreis (C)
Predigtgedanken von Max Angermann: Berufung
Predigtgedanken von Bernhard Bossert: "Auf Dein Wort hin..."
1. Lesung am 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Jes 6,1-2a. 3-8
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn.
Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron.
Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus.
Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel:
Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht,
mit zwei bedeckten sie ihre Füße,
und mit zwei flogen sie.
Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere.
Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.
Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf,
und der Tempel füllte sich mit Rauch.
Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren.
Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen
und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen,
und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen.
Da flog einer der Serafim zu mir;
er trug in seiner Hand eine glühende Kohle,
die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte.
Er berührte damit meinen Mund und sagte:
Das hier hat deine Lippen berührt:
Deine Schuld ist getilgt. deine Sünde gesühnt.
Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte:
Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?
Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!
Lesungskommentar von Rudolf Buschmann (2001)
Jesaja wirkte in Jerusalem fast 40 Jahre als Prophet, von 735 bis 697 v. Chr. und gilt als der bekannteste der Propheten. Das Buch Jesaja allerdings ist entstanden aus vielfältige Kompositionen und hat eine reiche Entwicklungsgeschichte. Der liturgische Text dieses Sonntags gehört zur sogenannten "Denkschrift" (6,1-9,5) und ist ein Einschub in eine erste Sammlung der Texte über das Wirken und Verkünden des Jesaja.
Jes 6,1-13 bildet eine literarische Einheit, von der allerdings für den Gottesdienst nur der erste Teil vorgelesen wird (Verse 1-8): Berufung und Sendungsauftrag (in Korrespondenz zum Evangelium). Der Inhalt der Botschaft des Propheten - Gericht Gottes über das Volk, Exil und Rettung des "heiligen Restes" sind für das Verkündigungsthema des Sonntags wohl nicht von Bedeutung.
Der Text hält sich an das Schema einer Berufungsgeschichte: Begegnung mit der Herrlichkeit Gottes, Erschrecken und Erkenntnis der Sündhaftigkeit, Reinigung und Erklärung, Zustimmung und Sendung.
Vers 1a:
Die Datierung "Todesjahr des Usija" weist hin auf das Jahr 735 v. Chr. Der Tod dieses Königs (auch Asarja genannt) ist der Anfang vom Ende des Staates. Politische Wirren um die Thronnachfolge führen zum Untergang von Gerechtigkeit und sozialem Frieden im Volk, die Weltmacht Assur bedrängt Israel.
Vers 1b:
In einer Vision sieht sich Jesaja in den himmlischen Thronrat versetzt. In dieser Theophanie wird Gott selbst nicht beschrieben, aber Attribute seiner Gegenwart.
Vers 2a:
Es ist ungewöhnlich, dass Serafim das Auftreten Gottes begleiten, meist werden Kerubim genannt. Das hebräische "srf" ist abgeleitet von "brennen - leuchten". Die Lichtwesen der Serafim sind geflügelte Schlangenwesen, (im liturgischen Text des Sonntags wird der folgende Halbvers 2b ausgelassen - warum?) sie verhüllen die Herrlichkeit Gottes, um sie hervorzuheben.
Vers 3:
Das "Trishagion" (dreimal heilig), das sie anstimmen, gehört zum Tempelkult in Jerusalem.
Vers 4:
Erdbeben und "Rauch" gehören zu Gotteserscheinungen (vgl. Ex 19,16)
Vers 5:
Die Übersetzung lässt an Stelle von "...ich bin verloren, denn..." eine andere Formulierung zu: "...ich muss schweigen, denn...". Jesaja erfährt sich und das Volk als schuldig vor Gott, denn er hat nicht rechtzeitig geredet (vgl. 2 Chr 26,16ff) und das Volk hat die kultische Reinheit verloren, weil es die Armen verachtet und Gott nicht ehrt ("unreine Lippen").
Verse 6f:
Reinigung (welche, wie durch Feuer und Glut der Liebe sein kann) und Gnade führen die Serafim mit Kohlen durch, die zum Rauchopfer des Tempelkultes gehören. Es ist nicht Reinigung einer Einzelsünde, sondern der Gesamthaltung.
Vers 8:
Der Reinigung folgt die Sendung und die Annahme der Sendung, die Zustimmung zum Auftrag. Der Prophet ist legitimiert für seinen Dienst.
2. Lesung am 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 15,1-11
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.
Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium,
das ich euch verkündet habe.
Ihr habt es angenommen;
es ist der Grund, auf dem ihr steht.
Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet,
wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet,
den ich euch verkündet habe.
Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?
Denn vor allem habe ich euch überliefert,
was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich;
die meisten von ihnen sind noch am Leben,
einige sind entschlafen.
Danach erschien er dem Jakobus,
dann allen Aposteln.
Als letztem von allen erschien er auch mir,
dem Unerwarteten, der «Mißgeburt».
Denn ich bin der geringste von den Aposteln;
ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden,
weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.
Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin,
und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.
Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht -
nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir.
Ob nun ich verkündige oder die anderen:
das ist unsere Botschaft,
und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.
Lesungskommentar von Rudolf Buschmann (2001)
An diesem Sonntag steht auch die 2. Lesung in thematischer Verbindung zur 1. Lesung und zum Evangelium - und kann als sich entwickelnde Einheit betrachtet werden:
Herrlichkeit Gottes in der Theophanie des Jesaja, Herrlichkeit Gottes im Wort der Predigt Jesu und in der Überfülle des reichen Fischfangs, Herrlichkeit Gottes in der Erscheinung Jesu als Auferstandener für die Apostel und für Paulus, Erkenntnis der Unzulänglichkeit bei Jesaja, Petrus und Paulus, Reinigung, Indienstnahme und Zustimmung.
Deshalb wären wohl alle drei Texte zu verlesen und könnten in ihrem inneren Zusammenhang ein Thema der Verkündigung sein: unzulängliche Menschen sind berufen, Gottes allumfassendes Heil und die überreiche Fülle seines Lebens zu bezeugen:
- Jesaja: die Rettung des "heiligen Restes" durch Gott,
- Petrus: die Rettung der Menschen im Wirken der Kirche,
- Paulus: die Rettung der Menschen durch die "unverdiente Gnade" des Auferstandenen.
Zum zeitlichen Ablauf:
Die Bekehrung des Paulus ist etwa für die Zeit 30-32 einzuordnen. Um das Jahr 50 entstand die Gemeinde in Korinth, bei deren Organisation Paulus entscheidend mitgewirkt hat. Im Sommer 51 verlässt Paulus Korint und bald stellen sich Misstände und Probleme ein:
Streitigkeiten zwischen Judenchristen und Heidenchristen, zwischen arm und reich treten auf, Missstände beim Gottesdienst werden erkannt und vor allem wird die Meinung laut, Paulus sei nicht rechtens Apostel und die Auferstehung könne es gar nicht gegeben haben. Diese Vorwürfe machen ihm zu schaffen und spiegeln sich wider in dem Brief, den er ca. 54/55 aus Ephesus nach Korinth geschrieben hat.
Verse 1-8 befassen sich mit Christus, die Verse 9-11 mit Paulus selbst.
Verse 1-2:
Paulus weist hin auf eine wohl in der jungen Gemeinde bestehende Glaubensformel, die er "Evangelium" nennt. Diese Glaubensformel ist nicht nur inhaltlich, sondern sogar wörtlich festzuhalten.
Der Glaube an die Auferstehung ist der Grund, auf dem Verkündigung und Leben stehen, Halt für Gegenwart und Zukunft.
Verse 3-8:
Wenn wir davon ausgehen, dass der Brief lange vor den Osterevangelien geschrieben ist, und Paulus betont, dass er keine neue Botschaft verkündet, dann finden wir hier eins der ältesten schriftlichen Zeugnisse des vorhandenen Osterglaubens, der sich wörtlich ausgeformt hat. Diese Formel hat Paulus "empfangen" - das verweist auf eine verlässliche Überlieferungskette.
Der Tod Christi stellvertretend und zugunsten der Menschen geschieht der Schrift gemäß (vgl. Gen 22; Ex 12; Jes 53; Ps 16,10...)
Die Liste der Auferstehungszeugen beginnt mit Petrus, führt über den Zwölferkreis, führt über fünfhundert Brüder hin zu allen Missionaren der jungen Gemeinde.
Vers 8:
Paulus reiht sich in den Kreis der Zeugen ein, obwohl es ihm nicht zusteht. "Fehlgeburt - Missgeburt" meint wohl mehr das Verhalten vor der Bekehrung - vor der neuen geistlichen Geburt.
Verse 9-10 begründen nun, warum Paulus rechtmäßiger Verkünder des Evangeliums ist, trotzdem er die Kirche verfolgt hatte: Gottes Gnade wirkt in ihm.
Vers 11 ist gleichsam noch einmal eine Zusammenfassung seines Anliegens.
Lesungskommentar von Manfred Wussow (2006)
Im 15. Kapitel seines 1. Korintherbriefes entfaltet Paulus die Auferstehungshoffnung der Christen. Der Apostel erinnert an das Evangelium, das er in Korinth verkündet hat. Dabei hat er das Evangelium auch nur empfangen, ohne etwas davon wegzunehmen oder hinzuzutun.
Das Evangelium ist hier kein Erzählzusammenhang, sondern die Zusammenfassung dessen, was die Christusbotschaft ausmacht: für unsere Sünde gestorben, begraben und am dritten Tage auferweckt - und Tod und Auferweckung "gemäß der Schrift" (=AT). Wir haben hier eine der ersten "Kurzformeln" des Glaubens vor uns - oder das Urbekenntnis überhaupt.
Welche Bedeutung dieses Bekenntnis hat, erläutert Paulus mit dem Wort "erscheinen". Jesus ist dem Kephas (Petrus) erschienen, den Zwölf, mehr als fünfhundert Brüdern - und als "Letztem" auch ihm, Paulus. Paulus nennt sich eine "Missgeburt? und spielt auf seine Biographie an. Was "erscheinen" heißt, ist unterschiedlich erfahrbar und erfahren worden. Was sie alle verbindet, denen Jesus "erschienen" ist, ist, dass sie Zeugen seiner Auferweckung geworden sind (passiv!).
Leider hat Paulus die Frauen "vergessen", die nach dem einhelligen Zeugnis der Evangelien die ersten Zeugen der Auferweckung wurden. Aber: das Evangelium, wie es von Paulus den Korinthern in Erinnerung gerufen wird, ist das "erste" überhaupt - die Evangelien sind später entstanden.
Paulus formuliert sehr dicht: "das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt".
Lesungskommentar von Josef Kampleitner (2001)
Die heutige 2. Lesung ist das älteste Schriftzeugnis über die Auferstehung Jesu (um 55/57 n. Chr.) und ist damit älter als die Auferstehungsberichte der Evangelien. Das Zentrum bildet die Bekenntnisformel des Paulus, die er vermutlich selber aus früherer Tradition übernommen hat und in Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu zusammengefasst hat (Vers 3).
Paulus selbst hat in seinem Damaskuserlebnis Jesus als den Lebenden erfahren (Apg 9,4). Er kennt eine ganze Reihe von Augenzeugen , denen der Auferstandene erschienen ist.
Kurzfassung der
2. Lesung am 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 15,3-8. 11
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.
Brüder!
Denn vor allem habe ich euch überliefert,
was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich;
die meisten von ihnen sind noch am Leben,
einige sind entschlafen.
Danach erschien er dem Jakobus,
dann allen Aposteln.
Als letztem von allen erschien er auch mir,
dem Unerwarteten, der «Mißgeburt».
Ob nun ich verkündige oder die anderen:
das ist unsere Botschaft,
und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.
Evangelium am 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 5,1-11
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit,
als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand,
drängte sich das Volk um ihn
und wollte das Wort Gottes hören.
Da sah er zwei Boote am Ufer liegen.
Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte,
und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren.
Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon:
Fahr hinaus auf den See!
Dort werft eure Netze zum Fang aus!
Simon antwortete ihm:
Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.
Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
Das taten sie,
und sie fingen eine so große Menge Fische,
daß ihre Netze zu reißen drohten.
Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot,
sie sollten kommen und ihnen helfen.
Sie kamen,
und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand,
so daß sie fast untergingen.
Als Simon Petrus das sah,
fiel er Jesus zu Füßen und sagte:
Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.
Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken,
weil sie so viele Fische gefangen hatten;
ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus,
die mit Simon zusammenarbeiteten.
Da sagte Jesus zu Simon:
Fürchte dich nicht!
Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
Und sie zogen die Boote an Land,
ließen alles zurück und folgten ihm nach.
Lesungskommentar von Rudolf Buschmann (2001)
Mit Lk 5,1 beginnt ein neuer Abschnitt im Evangelium. Nach Einführung und Absicht des Evangelisten im Vorwort (Lk 1,1-4) und der Vorgeschichte (Lk 1,5-2. 52) folgt die Vorbereitung des Wirkens Jesu in der Predigt des Täufers und der Taufe Jesu (Lk 3,1-22) und in der Versuchung (Lk 4,1-13). Lukas lässt Jesus zunächst allein öffentlich auftreten als Wanderprediger in Nazareth und Kafarnaum (Lk 4,14-44).
Von nun an ist Jesu Tätigkeit das Wirken und Lehren landauf landab in Galliläa und Palästina. Ihn umgibt, wie in konzentrischen Kreisen, der Zwölferkreis, die Schar der Jüngerinnen und Jünger und die Volksmenge. Zunächst ist es eine Volkstätigkeit im Judenland (Lk 5,1 - 9,50), dann der "Weg nach Jerusalem" (bis Lk 19,27).
Lukas stellt, anders als bei Mk 1,16-20 und Mt 4,18-22, der Berufung der ersten Jünger das Fischfangwunder voraus. Johannes nimmt dieses Wunder in die Ostergeschichten (Joh 21,1-8.11). Exegeten diskutieren die Frage, wo das Wunder angesiedelt ist: vorösterlich oder nachösterlich. Es ist wohl anzunehmen - weil Johannes den Schwerpunkt auf das Mahl legt - und Lukas auf die Nachfolge, dass es sich um ein vorösterliches Geschehen handelt.
Verse 1-3:
"Es geschah aber" ist einer der Lieblingsausdrücke des Lukas - es hat narrative Funktion, verweist den Höhrer/Leser des Evangeliums auf die Erzählebene. Die Szene kann man sich nicht nur bildhaft ausmahlen, sie ist auch von theologischer Bedeutung: Das Wort Gottes ruft die Menschen zusammen und formt sie zur Gemeinde.
Jesus steigt in das Boot des Simon - der in kollegialer Weise seine Arbeitskollegen am See führt - und lehrt von dieser Kanzel aus das Volk. Es wäre eine Überbetonung, wenn man hier schon einen Hinweis auf den Primat des Petrus sähe, sondern die Szene ist erst die Vorbereitung der kommenden Selbstoffenbarung Jesu.
Verse 4-5:
Dauer, Inhalt und Wirkung der Rede Jesu werden nicht überliefert. Das Offenbarungswunder ist im Verheißungswort das Ziel.
Das Gespräch zwischen Petrus und Jesus verdeutlich die Sonderstellung des Petrus unter den Mitarbeitern. Petrus ist "Fachmann" - und es wäre unsinnig, am Tage zu fischen. Aber das Wort des "Meisters" veranlasst, es doch zu tun. Einerseits ist Petrus noch Fischer, schon aber Jünger.
"Meister" ist zwar kein Hoheitstitel, aber Petrus beginnt mit dieser Anrede schon, seinen Glauben auszudrücken. Fortan wird Jesus von den Jüngern oft so angeredet.
Offen bleibt bei Lukas die Frage, wo sich eigentlich Jesus aufhält, ist er beim Fischfang im Boot? Diese Schwebe hat möglicherweise eine Bedeutung für die Gegenwart Jesu in seiner Kirche heute - sicher ist er da, aber ungewiss greifbar.
Verse 6-7:
Es wird keine Wunderhandlung beschrieben, nur das Außerordentliche des Erfolges interessiert. Es braucht "Mitarbeiter", Gefährten, Teilhaber, um den Ertrag sicher an Land zu bringen. Eine Frage deutet sich an: Kann Erfolg gefährden? Kann die Kirche bei "Erfolg" in die Gefahr des Untergangs kommen? Oder schützt die Kollegialität.
Vers 8:
In einigen Handschriften fehlt hier in Verbindung mit Simon der Name "Petrus" - Wenn er an dieser Stelle tatsächlich schon genannt ist, dann ist das ein Vorgriff auf Lk 6,14. Der "Fachmann" Simon ist überwältigt angesichts des reichen Fischzuges - und erfährt das Wunder als "Epiphanie" Jesu. Es geschehen in einem Augenblick Erkenntnis, Glaube und Umkehr. Angesichts der Herrlichkeit des Christus (bei Jesaja die Herrlichkeit Gottes im Tempel, bei Paulus die Herrlichkeit des Auferstandenen) findet der Mensch zur Anbetung und zur Umkehr.
Petrus nennt Jesus hier nicht mehr "Meister" sondern "Kyrios - Herr". Der Hörer des Evangeliums weiß ebenso wie der Evangelist um die Haltung des Petrus in der Passion.
Verse 9-10a:
Verdeutlicht noch einmal das Numinose des Geschehens und bringt die Mitarbeiter ins Spiel. Frage: Wo ist Andreas - vielleicht will Lukas hier die "Säulen" der Jerusalemer Gemeinde aufbauen: Simon Petrus, Johannes und Jakobus.
Vers 10b
richtet sich wieder allein an Petrus. Es ist kein direkter Ruf zur Nachfolge, sondern ein Hoffnungswort, eine Offenbarungsrede. Der von Jesus verwendete Begriff "Menschen fangen" lässt im biblischen Sprachbefund eindeutig die Übersetzung zu: Menschen lebend fangen = auffangen, retten vor dem sicheren Untergang. Und tagsüber zu fischen ist ja keineswegs listig - so wird Petrus, wird die Kirche, die Menschen nicht "listig einfangen" sondern rettend auffangen.
Das "von jetzt an" bezieht sich nicht auf das Wunder an sich sondern auf das "heute" der Epiphanie Jesu im ganzen Evangelium und der Umkehr - die das eigentliche Wunder ist.
Vers 11:
Lukas konfrontiert hier die aufkommenden Ängste und Bedenken der Gemeinde mit einem großen Missionsoptimismus. Das Verlassen und Nachfolgen gehört zum Stil einer Berufungsgeschichte. Die nun angedeutet Lebensgemeinschaft mit Jesus trägt keimhaft die neue Gemeinschaft der Kirche in sich.
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