Freitag, 30.07.2010

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24. Januar 2010: 3. Sonntag im Jahreskreis (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Manfred Wussow: Hoch verehrter Theophilus

Predigtgedanken von Martin Güttner: Die Sendung des Leibes Christi


1. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr
C: Neh 8,2-4a. 5-6. 8-10

Lesung aus dem Buch Nehemia:

Am ersten Tag des siebten Monats
brachte der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung;
zu ihr gehörten die Männer und die Frauen
und alle, die das Gesetz verstehen konnten.
Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra
auf dem Platz vor dem Wassertor
den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten,
das Gesetz vor.
Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes.
Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz,
die man eigens dafür errichtet hatte.
Esra öffnete das Buch vor aller Augen;
denn er stand höher als das versammelte Volk.
Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle.
Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott;
darauf antworteten alle mit erhobenen Händen:
Amen, amen!
Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder,
mit dem Gesicht zur Erde.
Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes,
in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen,
so daß die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.
Der Statthalter Nehemia,
der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten,
die das Volk unterwiesen,
sagten dann zum ganzen Volk:
Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes.
Seid nicht traurig, und weint nicht!
Alle Leute weinten nämlich,
als sie die Worte des Gesetzes hörten.
Dann sagte Esra zu ihnen:
Nun geht, haltet ein festliches Mahl,
und trinkt süßen Wein!
Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben;
denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn.
Macht euch keine Sorgen;
denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.



Das Buch Nehemia gehört zum Chronistenteil des Alten Testaments. In der Zeit nach dem Exil suchte Israel neu seinen Platz und seine Form. 538 vor Christus erlaubte Kyrus die Rückkehr nach Jerusalem, 515 war der Tempel wieder aufgebaut.

Der Priester Esra kam von Babel nach Jerusalem, um das Gesetz zu verkünden. Es war der erneute Versuch, eine Alltagsordnung zu haben. Alltag war Alltag vor Gott, und das Gesetz gab an, was in diesem Alltag zu beachten ist: In dem Maß, wie das Gesetz als hilfreiche Lebensregel wahrgenommen wird, verbindet und ermutigt es.



Neh 8 zeigt uns Esra auf dem Höhepunkt seiner Wirksamkeit. Im 5. Monat des Jahres 458 (Esr 7,9) war der Schriftgelehrte Esra mit einer Gruppe von Juden aus Babel nach Jerusalem heimgekehrt. Er hatte vom persischen Großkönig Ataxerxes den Auftrag erhalt, der nachexilischen Gemeinde in Israel das Gesetz zu verkünden. Im 7. Monat ruft er das Volk zusammen, um in einer heiligen Versammlung den Gottesbund vom Sinai zu erneuern.

Neh 8,1-12 berichtet von der Verlesung des Gesetzes, die einer Bundeserneuerung gleichkam. Im Anschluss an dieses historische Ereignis feierte man das Laubhüttenfest. Das Wort Gottes hatte am Sinai das Volk zusammengerufen und zur Gottesgemeinde gemacht. Auch die Erneuerung des Bundes geschieht durch die Verkündigung des Gesetzes.
Die feierliche Entfaltung der Thora ist ein liturgischer Akt. Das ganze Volk erhebt sich, um dem Gotteswort seine Verehrung zu bezeigen. Dem Emporheben der Rolle folge ein kurzer Segensspruch, ein Lobpreis Jahwes. Darauf antwortet des Volk mit einem doppeltem Amen.

Die Gesetzesworte, die Esra vorlas, macht die Leute sehr betroffen ? sie weinen. Er gebietet dem Weinen und Trauern Einhalt und weist auf den festlichen Charakter des Tages hin: Freude an Jahwe haben drückt sich auch aus, indem man gut isst und trinkt. "Die Freude am Herrn ist eure Stärke" fasst die Botschaft Esras an das Volk zusammen.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung am 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:

Neh 8,1-10


Lesung aus dem Buch Nehemia:

Das ganze Volk versammelte sich geschlossen auf dem Platz vor dem Wassertor und bat den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit dem Gesetz des Mose zu holen, das der Herr den Israeliten vorgeschrieben hat.  Am ersten Tag des siebten Monats brachte der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung; zu ihr gehörten die Männer und die Frauen und alle, die das Gesetz verstehen konnten.  Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, das Gesetz vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes.  Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte. Neben ihm standen rechts Mattitja, Schema, Anaja, Urija, Hilkija und Maaseja, und links Pedaja, Mischaël, Malkija, Haschum, Haschbaddana, Secharja und Meschullam.  Esra öffnete das Buch vor aller Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle.  Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde.  Die Leviten Jeschua, Bani, Scherebja, Jamin, Akkub, Schabbetai, Hodija, Maaseja, Kelita, Asarja, Josabad, Hanan und Pelaja erklärten dem Volk das Gesetz; die Leute blieben auf ihrem Platz.  Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so daß die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. 
Der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes. Seid nicht traurig, und weint nicht! Alle Leute weinten nämlich, als sie die Worte des Gesetzes hörten.  Dann sagte Esra zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. 



2. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 12,12-31a

Lesung aus dem ersten Korintherbrief:

Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat,
alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind,
einen einzigen Leib bilden:
so ist es auch mit Christus.
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe
alle in einen einzigen Leib aufgenommen,
Juden und Griechen, Sklaven und Freie;
und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied,
sondern aus vielen Gliedern.
Wenn der Fuß sagt:
Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!,
so gehört er doch zum Leib.
Und wenn das Ohr sagt:
Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!,
so gehört es doch zum Leib.
Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör?
Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn?
Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied
so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.
Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib?
So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib.
Das Auge kann nicht zur Hand sagen:
Ich bin nicht auf dich angewiesen.
Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen:
Ich brauche euch nicht.
Im Gegenteil,
gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich.
Denen, die wir für weniger edel ansehen,
erweisen wir um so mehr Ehre,
und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit mehr Anstand,
während die anständigen das nicht nötig haben.
Gott aber hat den Leib so zusammengefügt,
daß er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ,
damit im Leib kein Zwiespalt entstehe,
sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen.
Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit;
wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm.
Ihr aber seid der Leib Christi,
und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.
So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt,
die andern als Propheten, die dritten als Lehrer;
ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun,
sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten,
endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede.
Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer?
Haben alle die Kraft, Wunder zu tun?
Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen?
Reden alle in Zungen?
Können alle solches Reden auslegen?
Strebt nach den höheren Gnadengaben.



Die Charismen bilden im 1. Korintherbrief einen wichtigen Teil. Die Kapitel 12-14 sprechen über sie. Nachdem in 1 Kor 12,4-10 verschiedene Gaben des Geistes genannt sind, werden sie eingeordnet in den Zusammenhang des Gemeindelebens. Gaben sind wichtig für den Aufbau der Gemeinde.

So ist es nicht nur wichtig, mit den Gaben verantwortet umzugehen, sondern es geht auch darum, diese Gaben einzusetzen. Was man nicht lebt und einbringt, fehlt der Gemeinde. Im Bild des Leibes steckt der Versuch, die gegenseitige Verwiesenheit und die Wichtigkeit jeder einzelnen Begabung deutlich zu machen.



Der 1. Korintherbrief gibt Einblick in das Leben und in die Probleme einer jungen heidenchristlichen Gemeinde, die Paulus 51 n. Chr. gegründet hatte. Der Brief ist zwei oder drei Jahre danach geschrieben. Den Anlass bildeten Fragen, die in der jungen Christengemeinde aufgetreten waren. Streitigkeiten und Spaltungen waren eingetreten, die das Weiterbestehen der Gemeinde gefährdeten.

Das Gleichnis vom Leib und seinen Organen, die alle ihren Dienst haben, veranschaulicht, wie die verschiedenen Geistesgaben in der Gemeinde notwendig und aufeinander angewiesen sind. Wer besondere Gaben hat, etwa die Gabe der Rede, hat keinen Grund, auf andere herabzusehen, die diese Gabe nicht haben, sondern soll ihnen dienen. Und wer die Gabe unscheinbarer Dienste hat, soll sich nicht zurückgesetzt fühlen.

"Strebt nach den höheren Gnadengaben" ist für Paulus ein Hinweis an die Gemeinde, den Blick auf die Kleinigkeit der menschlichen Auseinandersetzungen zu vergessen und sich an dem Maß Gottes zu messen. Dies führt die Gemeinde weiter.


Kurzfassung der
2. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 12,12-14. 27


Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat,
alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind,
einen einzigen Leib bilden:
so ist es auch mit Christus.
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe
alle in einen einzigen Leib aufgenommen,
Juden und Griechen, Sklaven und Freie;
und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied,
sondern aus vielen Gliedern.
Ihr aber seid der Leib Christi,
und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.



Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 1,1-4. 4,14-21

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Schon viele haben es unternommen,
einen Bericht über all das abzufassen,
was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.
Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer,
die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
Nun habe auch ich mich entschlossen,
allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen,
um es für dich, hochverehrter Theophilus,
der Reihe nach aufzuschreiben.
So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen,
in der du unterwiesen wurdest.

In jener Zeit
kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück.
Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war,
und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge.
Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja.
Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloß er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich.
Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Da begann er, ihnen darzulegen:
Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.



Es sind zwei Elemente zusammengefügt: Die Einleitung in das Evangelium und Jesu erster öffentlicher Auftritt in der Synagoge seiner Heimatstadt. Dazwischen liegen die Kindheitsgeschichte Jesu, der Hinweis auf das Wirken Johannes des Täufers, die Taufe Jesu am Jordan und seine Versuchung. Alle diese Dinge sind Ausschmückungen des Evangeliums. Aber in der Linie des Lukas ist diese Textfolge stimmig: Wenn sich Theophilus von der Wirkung der Worte Jesu überzeugen soll, dann müssen auch Worte Jesu zuerst genannt werden.

Diese Worte sind Worte der Zuwendung Jesu an Menschen in Not. Sie sind programmatisch für das Lukasevangelium, wenn man auf das Sondergut des Lukas schaut, etwa sein 15. Kapitel mit den Gleichnissen vom Verlorenen. Sie sind an dieser Stelle komponiert aus drei verschiedenen Jesajastellen. Auch dies ein Zeichen für das Programmatische dieser Stelle.
Im heutigen Abschnitt des Evangeliums wird noch nicht deutlich, dass die Predigt Jesu neben dem Staunen auch große und massive Ablehnung hervorgerufen hat.


Im Vorwort zu seinem Evangelium spricht Lukas von seiner Arbeitsweise bei der Abfassung des Evangeliums und vom Ziel, das er dabei verfolgt: sich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen lassen. Deshalb hat Lukas bei den Aposteln und sonstigen Augenzeugen alle erreichbaren Überlieferungen von Jesusworten und Jesuserzählungen gesammelt.

Im ersten Auftreten Jesu erzählt Lukas schon die theologische Intention seines Evangeliums. Er zeigt in Jesus den Heiland der Verlorenen, der sozial Entrechteten, der Frauen, der Zöllner und Sünder.

"Heute hat sich das Schriftwort erfüllt" zitiert frei den Propheten Jesaja Kap 61. Diese Stelle hat messianischen Charakter. Mit der Geistsalbung des Verheißenen hat diese Erfüllung schon begonnen. Der Geistträger heißt Jesus. Er ? Jesus ? setzt sich in Verbindung mit dem Propheten und nimmt seine Aufgabe als Messias an, auch in seinem eigenen Bekanntenkreis.


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