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17. Januar 2010: 2. Sonntag im Jahreskreis (C)
1. Lesung vom 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Jes 62,1-5
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Um Zions willen kann ich nicht schweigen,
um Jerusalems willen nicht still sein,
bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht
und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel.
Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit
und alle Könige deine strahlende Pracht.
Man ruft dich mit einem neuen Namen,
den der Mund des Herrn für dich bestimmt.
Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des Herrn,
zu einem königlichen Diadem in der Rechten deines Gottes.
Nicht länger nennt man dich «Die Verlassene»
und dein Land nicht mehr «Das Ödland»,
sondern man nennt dich «Meine Wonne»
und dein Land «Die Vermählte».
Denn der Herr hat an dir seine Freude,
und dein Land wird mit ihm vermählt.
Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt,
so vermählt sich mit dir dein Erbauer.
Wie der Bräutigam sich freut über die Braut,
so freut sich dein Gott über dich.
Lesungskommentar von Norbert Riebartsch (2010)
Der heutige Abschnitt des Jesaja stammt aus dem sogenannten Tritojesaja. Der Text entstand in der Zeit nach der babylonischen Gefangenschaft. Das Volk musste sich und seinen Rhythmus als Volk Gottes finden.
Im Bild der Hochzeit zwischen zwei jungen Menschen wird ausgesagt, wie Gott fühlt. Gott empfindet Freude über das Volk, das ihn sucht.
Die Botschaft des Textes ist eine doppelte: Vergiss Gott in deinen Aufgaben nicht, aber das wird auch deine Zukunft sein. Im Alltag mit Gott liegt deine Zukunft.
Lesungskommentar von Gabi Ceric (2001)
Recht und Gerechtigkeit prägen diesen Abschnitt aus "Tritojesaja", dem dritten Teil des Jesajabuches. Der Prophet spricht mit jener Leidenschaft, die den Propheten des Herrn zueigen ist. Angelpunkt, um den es sich in der Lesungsperikope dreht, ist die Gottesstadt, Jerusalem mit dem Berg des Herrn, dem Zion. An ihr wird die Gerechtigkeit Gottes der Welt offenbar.
Der Begriff der Gerechtigkeit ist im Ersten Testament vielschichtig. Gerecht ist einerseits der, der so handelt, dass das Wohl einer Gemeinschaft gesichert ist. Die göttliche Gerechtigkeit ist im Alten Orient oft mit dem Tun des Menschen verbunden. Der Mensch, der gerecht lebt, darf sich der Gerechtigkeit und der Nähe Gottes sicher sein.
Letztlich aber geht die Gerechtigkeit von Gott aus. Von ihm kommt die Fähigkeit, sich der Gemeinschaft gegenüber treu und loyal zu verhalten. Gottes Gerechtigkeit ist Quelle von Recht und Ordnung und damit von erfülltem Leben in Israel. Diese Sicht von Gerechtigkeit wird auch in unserem Abschnitt deutlich gemacht.
Als Grund dafür, dass in Jerusalem das Licht der Gerechtigkeit erstrahlt, wird genannt: Gott ist mit dieser Stadt. Jerusalem wird Ort der Gegenwart Gottes. Das Verhältnis zwischen dem Herrn und seiner Stadt wird in wunderbaren Worten mit der Beziehung zwischen Bräutigam und Braut verglichen.
Lesungskommentar von Lopez Weißmann (1998)
Die aus dem babylonischen Exil heimgekehrten Judäer befanden sich in einer schwierigen Situation. Die Menschen hatten den Glauben an Gott und das Vertrauen auf das versprochene Heil verloren. Die Sammlung des Tritojesaja ("Dritter Jesaja") versucht, anhand verschiedenartiger Texte dem Volk Hoffnung zu geben. In den Kapiteln 60 - 62 wird das leuchtende Bild der Gottesstadt Jerusalem aufgezeigt. In der Form der Volksklage, die den Hörern bekannt war, versucht der Prophet aufzuzeigen, daß Gott sein Volk liebt und nur daraus sich Glück und Heil erwarten lassen.
2. Lesung am 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 12,4-11
Lesung aus dem ersten Brief an die Korinther:
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott:
Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen,
dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,
dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft,
einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen,
einem andern Wunderkräfte,
einem andern prophetisches Reden,
einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden,
wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede,
einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.
Das alles bewirkt ein und derselbe Geist;
einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.
Lesungskommentar von Norbert Riebartsch (2010)
Die Kapitel 1 Kor 12 - 14 bilden die große Einheit der Charismenlehre. Zunächst werden in 1 Kor 12 die Charismen vorgestellt, um in 1 Kor 14 die praktische Anwendung zu klären. Sie soll geprägt sein von der Liebe, die in 1 Kor 13 genau in der Mitte steht.
Die Charismen werden als verschiedene vorgestellt, die in der Summe aber alle Belange des Lebens und der Gemeinde erfassen. Sie sollen zugleich immer wieder auf den einen Gott verweisen, der die Charismen gibt und durch die in die Gegenwart der Menschen eingreift. Der Glaubende soll nicht sein Charisma mit dem der anderen vergleichen, sondern das eigene entdecken und leben.
Lesungskommentar von Gabi Ceric (2001)
Die christliche Gemeinde von Korinth ist Anfang der fünfziger Jahre n. Chr. während eines Aufenthaltes von Paulus entstanden. An sie ist der Brief gerichtet. Wie die Stadt Korinth selbst, ist auch die Gemeinde vielfältig. Durch den Handel kamen viele Fremde in die Stadt. Anlass für Paulus, den Brief zu schreiben, haben ihm die Leute der Chloe gegeben (1,11). Auf diesem Hintergrund wird wohl auch der Abschnitt unserer Lesung zu verstehen sein.
Verschiedenheit in der Einheit können wir als Leitmotiv betrachten: es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Herrn. Damit bringt Paulus sein Gnadenverständnis zum Ausdruck: unverschuldet, unverdient und unerwartbar bekommt der Mensch Gottes Gnade in den verschiedenen Gaben zu spüren. Gaben, die zugleich auch Aufgaben sind: sie nämlich zum Wohl und in den Dienst der christlichen Gemeinde einzusetzen. Ursprung aller Gnadengaben ist der eine Herr. Von diesen Gnadengaben ist keiner ausgeschlossen, der "im Geist" ist (Vers 11).
Diese Konzeption findet im Anschluss seine Fortsetzung - der Geist ist es, der die Menschen verbindet und eint. In diesem Geist sind wir Kirche (Vers 28ff).
Lesungskommentar von Lopez Weißmann (1998)
Für die Griechen - in diesem Fall die Korinther - war religiöse Ekstase (vgl. Orakel) höchster Ausdruck von Geistbesitz. Für sie versucht Paulus - anhand der dreigliedrigen Formel Geist-Herr-Gott die verschiedenen Äußerungen des Geistes zu werten. Sie alle haben denselben Ursprung und dienen demselben Ziel: Dienst an allen und Aufbau des Gemeindelebens.
Paulus erwähnt an dieser Stelle neun verschiedene Geistesgaben. Die Aufzählung ist weder vollständig (es fehlen z.B. die diakonischen Gaben, die in Röm 12 ausgeführt sind) noch enthält sie eine systematische Gliederung oder eine Rangordnung. Für uns heute sind diese Formen der Befähigung im Einzelnen nicht mehr genau zu erfassen. So könnte z. B. die in Vers 10 genannte prohetische Rede bedeuten, daß ein Mitglied der Gemeinde auf Grund göttlicher Eingebung in der Lage ist, die Nöte und Anliegen der Gemeinschaft in der Gegenwart zu erkennen und daraus Deutungen für die Zukunft zu geben.
Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Joh 2,1-11
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes:
In jener Zeit
fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt,
und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm:
Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?
Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge,
wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach;
jeder faßte ungefähr hundert Liter.
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!
Und sie füllten sie bis zum Rand.
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt,
und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.
Sie brachten es ihm.
Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war.
Er wußte nicht, woher der Wein kam;
die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es.
Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm:
Jeder setzt zuerst den guten Wein vor
und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten.
Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa,
und offenbarte seine Herrlichkeit,
und seine Jünger glaubten an ihn.
Lesungskommentar von Norbert Riebartsch (2010)
Johannes der Täufer und die ersten Jünger hatten als Suchende ein Gespür für Jesus und seine Berufung (Joh 1). Im heutigen Tagesevangelium geht es um die Gemeinde. Das Volk soll wissen, wer Jesus ist. So heißt es in Joh 2,11: So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.
Die Notsituation, dass der Festwein einer Hochzeit aufgebraucht war, bemerkt Maria als erste. Aber sie kann nicht handeln. Das ist Sache Gottes. So kann sie nur die Vorbereitung schaffen an ihren Sohn ("Sie haben keinen Wein mehr") und an die Helfer ("Was er euch sagt, das tut").
Lesungskommentar von Gabi Ceric (2001)
Im ersten Hauptteil des Johannesevangeliums (Kap. 2-12) wird das Offenbarwerden der Herrlichkeit Jesu vor der Welt vorgestellt. Im Johannesevangelium erweist sich die Doxa (göttlicher Glanz) Jesu in seinem Tun. Die Herrlichkeit Gottes wird im Leben und Wirken Jesu Stück für Stück durch seine Zeichen und Wunder entfaltet und gipfelt in der Stunde des Todes Jesu. Die Erhöhung am Kreuz ist die Erhöhung in die Herrlichkeit.
In unserem Abschnitt setzt Jesu sein erstes Zeichen (Vers 11) Die Stunde des Herrn ist noch nicht gekommen (Vers 4). Gott selbst bestimmt den Kairos, die gefüllte Zeit, in der die Herrlichkeit offenbar werden wird. So verpackt der Evangelist bereits in diesem ersten Zeichen die Theologie des ganzen Evangeliums. Letztlich geht es nicht um das Wunder, dass Wasser in Wein verwandelt worden ist, sondern um den ersten Erweis der Herrlichkeit Jesu.
Lesungskommentar von Lopez Weißmann (1998)
Mit der Erzählung von der Hochzeit zu Kana beginnt Johannes seinen Bericht vom Wirken bzw. von den Zeichen(Wunder)-Berichten Jesu. Am Anfang seines öffentlichen Wirkens steht seine Mutter Maria - sie wird auch in der letzten Stunde unter dem Kreuz dabei sein. Und so wie in der Stunde der Erhöhung am Kreuz spricht Jesus seine Mutter mit "Frau" an und untermauert die bereits in der Anrede gegebene Distanz mit der Feststellung: "Meine Stunde ist noch nicht gekommen". Unabhängig davon, ob man in dieser Aussage eine Ablehnung sieht oder eine Zustimmung - etwa in der Bedeutung: du hast Recht, Frau, jetzt ist meine Stunde gekommen - weist uns diese Stelle über die konkrete Situation hinaus darauf hin, daß die Zeit Jesu - seine Stunde - grundverschieden ist von der Zeit der Menschen oder von der Zeit des Kosmos.
Mit Vers 6 beginnt das eigentliche Wunder: Jesus schenkt köstlichen Wein in Überfülle. Und wieder gegen den Brauch, den Gästen zu Beginn, wenn sie noch nüchtern sind, den guten Wein zu kredenzen, gibt es bei Jesus Freude und das besonders Gute bis zum Schluß. In einer Zusatzbemerkung (Vers 11) gibt der Evangelist den Sinn dieses "ersten Zeichens" Jesu an: Die Zeit der göttlichen Fülle ist angebrochen.
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