22.09.2014

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1. Lesung vom 2. Adventssonntag, Lesejahr A:
Jes 11,1-10

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

An jenem Tag
wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor,
ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm:
der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.
Er richtet nicht nach dem Augenschein,
und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,
sondern er richtet die Hilflosen gerecht
und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.
Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes
und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes.
Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften,
Treue der Gürtel um seinen Leib.
Dann wohnt der Wolf beim Lamm,
der Panther liegt beim Böcklein.
Kalb und Löwe weiden zusammen,
ein kleiner Knabe kann sie hüten.
Kuh und Bärin freunden sich an,
ihre Jungen liegen beieinander.
Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter,
das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
Man tut nichts Böses mehr
und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg;
denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn,
so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.
An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein,
der dasteht als Zeichen für die Nationen;
die Völker suchen ihn auf;
sein Wohnsitz ist prächtig.



Der Prohetentext beschreibt eine Vision von einer Welt, die ganz in der Ordnung Gottes ist. In ihr gibt es werde Leid noch die Pflicht, sich zu schützen.

Die Lesung hat zwei Teile: In den ersten 5 Versen wird beschrieben, was mit und durch den Messias geschieht. Der zweite Teil ab Vers 6 beschreibt die paradiesische Vision.

Vor dieser Zeit gibt es aber auch die Zeit von Untergang und Leid. Der Spross kommt aus dem Baumstumpf. Es ist also vorher der Baum gefällt oder in sich zusammengefallen - wie das davidische Reich Israels.


Die Lesung aus dem ersten Teil des Buches des Propheten Jesaja (Protojesaja) fügt sich an an die Weherufe und der Androhung und Durchführung des Gerichtes durch die Hand des Herrn und gibt Zeugnis von der Erneuerung nach der Katastrophe. Nach den vernichtenden Worten kommen nun die Worte der Erbauung aus dem Mund des Jesaja (sein Name heißt übersetzt: Rettung ist/wirkt JHWH).

Erich Zenger hat im 1. bis zum 11. Kapitel vier Mal diese Folge Sünde - Katastrophe - Wiederherstellung gesehen. Aus dieser Folge heraus bekommt diese Lesung als letzter Teil eine eindringliche Bedeutung für den Leser: immer wieder erscheint JHWH als einer, der Erbarmen hat mit seinem Gottesvolk, der in seiner göttlichen Pädagogik sein Volk nicht zerstören, sondern letztendlich erbauen will.

In der Lesung findet Jesaja dafür wunderschöne Bilder der Sehnsucht, die Wirklichkeit werden, die aber auch wiederum in Beziehung zu anderen ersttestamentlichen Stellen stehen. Die ganze Einheit der Bibelstelle hat ihr Ende erst in Vers 16, woran sich das Danklied der Geretteten anfügt. Der ganze Text eignet sich für die persönliche Bibellektüre ausserordentlich gut und ist nur zu empfehlen.


2. Lesung vom 2. Adventssonntag, Lesejahr A:
Röm 15,4-9

Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer:

Schwestern und Brüder!
Alles, was einst geschrieben worden ist,
ist zu unserer Belehrung geschrieben,
damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.
Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit,
die Christus Jesus entspricht,
damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus,
einträchtig und mit einem Munde preist.
Darum nehmt einander an,
wie auch Christus uns angenommen hat,
zur Ehre Gottes.
Denn, das sage ich,
Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen Diener der Beschnittenen geworden,
damit die Verheißungen an die Väter bestätigt werden.
Die Heiden aber rühmen Gott um seines Erbarmens willen;
es steht ja in der Schrift:
Darum will ich dich bekennen unter den Heiden
und deinem Namen lobsingen.



Der Angelsatz der Lesung ist im Vers 8 zu sehen: Christus ist Diener derer geworden, die an eine Verheißung glauben. Die wurde (Vers 4) gelebt und bewahrt. Das ist Grund genug für den Segenswunsch, der in den Versen 5 und 6 zum Tragen kommt. Als Segen soll er seine Frucht tragen in der gegenseitigen Annahme, die Paulus exemplarisch vorlebt.


Der Text der zweiten Lesung ist einem Aufruf des Römerbriefes entnommen und stellt das Mittelstück dar, wobei ich mich - wie gelegentlich - auch hier wieder die Frage stelle, warum dies wohl so sei und ob hier nicht Paulus zu sehr "beschnitten" wurde. Der Vor-Teil unserer Lesung trägt die Aufforderung in sich, den anderen in seiner Schwachheit mitzutragen bzw. selbst mitgetragen zu werden, nach dem Vorbild Jesu nicht für sich selbst zu leben.

Das Schriftzitat in Vers 3 stellt zugleich die Brücke zu Vers 4, dem Anfang der Lesung dar, der die Bedeutung der Schrift, gemeint ist damit das Alte/Erste Testament, betont. Daran schließt sich ein Wunsch an, in dem Gott als Gott des Geduldes und des Trostes bezeichnet wird.

Der Aufruf zur Einmütigkeit und des Einanderannehmens findet seinen Abschluss in Vers 13, indem Gott als Gott der Hoffnung bezeichnet wird. Das Zwischenstück ist geprägt vom Blick auf das Gemeinsame und des Miteinanders der Juden, der Christen und der Heiden, denn in Jesus Christus sind alle Menschen gleich.


Evangelium vom 2. Adventssonntag, Lesejahr A:
Mt 3,1-12

Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus:

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf
und verkündete in der Wüste von Judäa:
Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat:
Eine Stimme ruft in der Wüste:
Bereitet dem Herrn den Weg!
Ebnet ihm die Straßen!
Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
und einen ledernen Gürtel um seine Hüften;
Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.
Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;
sie bekannten ihre Sünden
und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
Als Johannes sah, daß viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen,
sagte er zu ihnen:
Ihr Schlangenbrut,
wer hat euch denn gelehrt,
daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?
Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,
und meint nicht, ihr könntet sagen:
Wir haben ja Abraham zum Vater.
Denn ich sage euch:
Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.
Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt;
jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt,
wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr.
Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich,
und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand;
er wird die Spreu vom Weizen trennen
und den Weizen in seine Scheune bringen;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.



Johannes der Täufer wird in einer zweifachen Weise vorgestellt: Als Rufer und Mahner in der Wüste und als Täufer im Jordan. Zu ihm kommen die Menschen - er geht nicht in die Städte, um dort seine Zuhörer zu suchen.
In seiner Predigt ist Johannes schroff und setzt fort, was er in seinem betont anderen Äußeren schon ankündigt: "Ihr werdet und müsst euch reiben." Er fordert die Zuhörer auf, sich der Situation bewusst zu sein. Eine Taufe ohne die Lebensveränderung hat keinen Sinn. Dabei fällt auf, dass Johannes dem Volk diesen Umkehrwillen abnimmt, den Offiziellen aber nicht. Als der Vorläufer benutzt Johannes denselben Ruf wie später Jesus nach der Zeit in der Wüste: "Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!"




Der Evangelist Matthäus setzt nach der Kindheitsgeschichte mit dem 3. Kapitel neu ein, indem eine für den Leser des Mt-Evangeliums noch unbekannte Gestalt auftritt, der in diesem Teil des Evangeliums aber eine zentrale Bedeutung einnimmt. Johannes der Täufer - mit diesem Attribut ist das Wichtigste ausgesagt - bereitet das Wirken Jesu vor, "Bereitet dem Herrn den Weg" und schlägt damit eine Brücke zu Jesaja. Johannes entpuppt sich als Prophet, nicht nur in seinem äusseren Erscheinungsbild, sondern vielmehr in seinen prophetischen, endzeitlichen Reden von Umkehr und Busse, die in Vers 7 bis Vers 9 ihren Höhepunkt an Dringlichkeit erreichen. So gewaltvoll im Wort, wie Johannes sich erweist, so weiss er auch um seine Funktion: Er ist Ver-Weiser auf jemanden, den er nicht beim Namen nennt, der aber offenbar wird. Johannes tauft mit dem Wasser, Jesus wird aber mit Heiligem Geist und Feuer taufen. Zusammenfassend können wir sagen: Johannes bereitet die Leser auf die Begegnung mit dem wirklichen Täufer vor.


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