18.04.2014

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1. Lesung vom vierten Adventssonntag, Lesejahr B:
2 Sam 7,1-5.  8b-12. 14a. 16  

Lesung aus dem zweiten Buch Samuel:  

In jenen Tagen,
als der König David in seinem Haus wohnte
und der Herr ihm Ruhe vor allen seinen Feinden ringsum verschafft hatte,
sagte er zu dem Propheten Natan:
Ich wohne in einem Haus aus Zedernholz,
die Lade Gottes aber wohnt in einem Zelt.
Natan antwortete dem König:
Geh nur und tu alles, was du im Sinn hast;
denn der Herr ist mit dir.
Aber in jener Nacht erging das Wort des Herrn an Natan:
Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm:
So spricht der Herr:
Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt,
damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist.
Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet,
und ich will dir einen großen Namen machen,
der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
Ich will meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen,
damit es an seinem Ort sicher wohnen kann
und sich nicht mehr ängstigen muß
und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher
und auch von dem Tag an,
an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe.
Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden.
Nun verkündet dir der Herr, daß der Herr dir ein Haus bauen wird.
Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst,
werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen
und seinem Königtum Bestand verleihen.
Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein.
Dein Haus und dein Königtum
sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben;
dein Thron soll auf ewig Bestand haben.



David hat seine Herrschaft gefestigt, seine Feinde besiegt und ist in Jerusalem "seßhaft" geworden. Aus Dank für das Erreichte möchte er nun seinem Gott ebenfalls ein Haus bauen, damit auch dieser "seßhaft" werden kann. Doch, wie so oft im Leben eines Menschen, kommt alles ganz anders: Gott möchte nicht von David ein Haus errichtet haben, sondern für David ein Haus errichten, und zwar eines mit ewigen Bestand. Diese Botschaft teilt Gott David durch den Propheten Natan mit.

Die Verfasser der beiden Samuelbücher waren Jerusalemer Hofbeamte und Priester, die Jerusalem als den von Gott für das Königtum erwälten Platz angesehen haben. Der Beginn der Abfassung der Samuelbücher liegt wahrscheinlich zu Ende der Königszeit. In ihrer heutigen Gestalt stammen die Texte aus der exilisch-nachexilischen Zeit.

Nach dem Verlust des Königtums setzte man die Erwartungen auf einen von Gott verheißenen Heilskönig. Dieser sollte aus dem Hause David stammen und seine Dynastie unvergänglich sein (vgl. 2 Sam 7). Diese Idee eines davidischen Königtums wird besonders von den messianischen Strömungen des Judentums weitergetragen (vgl. dazu beispielsweise folgende Texte: Jes 7,10-16; 8,23-9:6; 11,1-5; Mi 5,1-5; Ps 2; 89; 110; 130), in hasmonäischer Zeit wieder realisiert und später auch im Neuen Testament aufgegriffen.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom vierten Adventssonntag, Lesejahr B:
2 Sam 7,1-29

Lesung aus dem zweiten Buch Samuel:  

In jenen Tagen,
als der König David in seinem Haus wohnte
und der Herr ihm Ruhe vor allen seinen Feinden ringsum verschafft hatte,
sagte er zu dem Propheten Natan:
Ich wohne in einem Haus aus Zedernholz,
die Lade Gottes aber wohnt in einem Zelt.
Natan antwortete dem König:
Geh nur und tu alles, was du im Sinn hast;
denn der Herr ist mit dir.
Aber in jener Nacht erging das Wort des Herrn an Natan:
Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm:
So spricht der Herr:
Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
Seit dem Tag, als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe,
habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt,
sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen.
Habe ich in der Zeit, als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog,
jemals zu einem der Richter Israels,
die ich als Hirten über mein Volk Israel eingesetzt hatte,
ein Wort gesagt und sie gefragt:
Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz gebaut?
Sag also jetzt meinem Knecht David:
So spricht der Herr der Heere:
Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt,
damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist.
Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet,
und ich will dir einen großen Namen machen,
der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
Ich will meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen,
damit es an seinem Ort sicher wohnen kann
und sich nicht mehr ängstigen muß
und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher
und auch von dem Tag an,
an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe.
Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden.
Nun verkündet dir der Herr, daß der Herr dir ein Haus bauen wird.
Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst,
werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen
und seinem Königtum Bestand verleihen.
Er wird für meinen Namen ein Haus bauen,
und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.
Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein.
Wenn er sich verfehlt,
erde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen.
Meine Huld aber soll nicht von ihm weichen,
wie sie von Saul gewichen ist,
den ich vor deinen Augen verstoßen habe.
Dein Haus und dein Königtum
sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben;
dein Thron soll auf ewig Bestand haben.



2. Lesung vom 4. Adventssonntag, Lesejahr B:
Röm 16,25-27

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Ehre sei dem, der die Macht hat, euch Kraft zu geben
- gemäß meinem Evangelium und der Botschaft von Jesus Christus,
gemäß der Offenbarung jenes Geheimnisses,
das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war,
jetzt aber nach dem Willen des ewigen Gottes offenbart
und durch prophetische Schriften kundgemacht wurde,
um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen.
Ihm, dem einen, weisen Gott, sei Ehre durch Jesus Christus
in alle Ewigkeit! Amen.



Die Lesungsperikope bildet den Abschluß des Römerbriefes des heiligen Paulus, dürfte aber nicht von diesem selbst stammen, sondern ist wahrscheinlich aus zweiter Hand als Nachtrag an den Brief angefügt worden. Vermutlich war dafür das Bedürfnis nach einem angemessenen Briefschluß ausschlaggebend. So dürfte von einem unbekannten Redaktor noch ein Lobpreis Gottes hinzugefügt worden sein.

Der Text hat theologische Aussagekraft im strikten Sinn. Was wird über Gott ausgesagt? Zum einen: Er hat die Macht, die Glaubenden zu kräftigen und zu stärken. Sein Heilsplan war über die Zeiten hinweg verborgen, ist aber jetzt in Jesus Christus offenbar geworden. Von dieser Offenbarung ist niemand ausgeschlossen, sie geht alle Völker an. Alle sollen dadurch zum Gehorsam des Glaubens kommen. Gottes Heilsplan, der jetzt offenbar geworden ist, entspringt der alleinigen Weisheit Gottes. Indirekt wird damit ausgedrückt, daß Gottes Geheimnis alles menschliche Begreifen übersteigt.




Die Doxologie (= Lobpreis Gottes) in Röm 16,25-27 dürfte ursprünglich nicht zum Originalbrief des Paulus gehört haben. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um einen feierlichen Abschluß, der nach dem Verlesen des Briefes (oder einzelner Teile daraus) gesprochen wurde. Die Ehre wird Gott zugesprochen, da er die Macht hat, den HörerInnen des Briefes "Kraft zu geben" (andere Übersetzungen: Macht zu stärken).

Das geoffenbarte Geheimnis ist das Heilsgeschehen in Christus, durch dessen Offenbarung "alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens" geführt werden sollen.


Evangelium vom 4. Adventsonntag, Lesejahr B:
Lk 1,26-38

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
zu einer Jungfrau gesandt.
Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
der aus dem Haus David stammte.
Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede und überlegte,
was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr:
Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du wirst ein Kind empfangen,
einen Sohn wirst du gebären:
dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein
und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen,
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel:
Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr:
Der Heilige Geist wird über dich kommen,
und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Deshalb wird auch das Kind heilig
und Sohn Gottes genannt werden.
Auch Elisabet, deine Verwandte,
hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
obwohl sie als unfruchtbar galt,
ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria:
Ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du es gesagt hast.



Das Evangelium stammt aus der Kindheitsgeschichte des Lukas. Ein Text, der nicht zum ursprünglichen Anliegen des Lukasevangeliums gehört hat (siehe Lukas 1,1).

Die Kindheitsgeschichte ist später eingefügt worden und bringt die Anfänge der Geschichte Johannes des Täufers und der Geschichte Jesu zusammen.
Es finden sich in den anderer Kulturen vergleichbaren Texte zu unserem heutigen Abschnitt. Dies legt umso mehr den Schluss nahe, dass es sich um eine Angleichung an Gewohntes handelt, um dann das ganz andere der Botschaft von Jesus zu bringen.
Zentral sind hier zwei Dinge: Der Engel Gabriel wird von Gott gesandt – Gott selbst eröffnet die Kommunikation. Maria ist es, die antwortet – erst nach ihrem Ja kehrt der Engel zurück.


Die Verkündigung an Maria weist deutliche Parallelen zur Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers an Zacharias auf, die im Lukasevangelium unmittelbar zuvor geschildert wird. Sie stellt aber auch eine Steigerung dieser vorausgehenden Erzählung dar.

Die Erzähltendenz der Verkündigungsszene ist vor jeder mariologischen Aussageabsicht grundlegend christologisch bestimmt. Es soll die Messianität und Gottessohnschaft Jesu theologisch fundiert werden. Aus der Erzählung erwächst als Bekenntnis: Jesus ist der endzeitliche Messias, der den Davidsthron einnehmen wird, er ist der aus einer Jungfrau geborene "Sohn des Höchsten" bzw. "Sohn Gottes", er ist der "Heilige" Gottes. Eigentlich handelt es sich also um eine Christuserzählung.

Dennoch geht es in der Schilderung des Verkündigungsgeschehens auch um eine facettenreiche Charakterisierung Mariens. Sie ist mit Josef verlobt, lebt also noch nicht mit ihm zusammen, gilt aber nach altjüdischem Recht bereits als seine Ehefrau. Sie ist die "Begnadete", d.h. sie ist durch die Gunst und Zuwendung Gottes ausgezeichnet. Nach einem erschrockenen Nachsinnen und nach einer um Verständnis suchenden Frage gelangt sie zur Einwilligung in den Willen Gottes. Passive Verfügbarkeit und aktive Bereitschaft sind bei Maria keine Gegensätze, sondern gehören zusammen.


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