Mittwoch, 8.09.2010

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11. Juli 2010: 15. Sonntag im Jahreskreis (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Martin Stewen: Stell dir vor, Nächstenliebe ist angesagt und alle tun's!?

Predigtgedanken von Peter Koch: Der Schlüssel zum ewigen Leben

Predigtgedanken von Max Angermann: Liebe - Ursehnsucht des Menschen

Predigtgedanken von Felix Schlösser: Dem Andern zum Nächsten werden

Predigtgedanken von Klemens Nodewald: Lebenselement Liebe


Der Schlüssel zum ewigen Leben

Sehnsucht nach Unvergänglichkeit

"Nehmen Sie Everbeauty und ihre Haut bekommt ihre jugendliche Spannkraft zurück; sie wird geschmeidiger, glatter, strahlender und ist besser gegen die Zeichen der Zeit geschützt!" So oder so ähnlich könnte ein Werbeslogan für eine Gesichtscreme lauten. Eine Creme gegen das Altwerden, eine Creme für immerwährende Schönheit und Jungend! Klingt doch himmlisch vielversprechend. Eine ganze Industrie lebt vom Schönheitswahn unsere Zeit. Wer möchte nicht jünger aussehen, als er in Wirklichkeit ist?

Was muss ich tun, um immer jung zu bleiben? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Sie ist ähnlich der Frage, die wir gerade im Evangelium gehört haben. Dort fragt ein Gesetzeslehrer Jesus, was er tun müsse, um das ewige Leben zu gewinnen. Schlummert tief in unserem Inneren eine Sehnsucht nach Unvergänglichkeit oder gar nach Ewigkeit? Möchten wir auf diese oder jene Weise ewig leben?

Auf die Frage des Gesetzeslehrers antwortet Jesus mit einer Gegenfrage. "Was steht im Gesetz?" Jesus wendet die von Sokrates so benannte Hebammentechnik an. Er gibt den Fragenden die Möglichkeit, sich selbst die Antwort zu geben als wüsste er, dass die Antwort bereits in ihm verborgen ist und nur ans Licht gefördert werden zu braucht. Der Gesetzeslehrer antwortet: "Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst!" Damit hat er, wie Jesus bestätigt, den Nagel auf den Kopf getroffen.

Die Liebe ? Schlüssel zum ewigen Leben

Der Schlüssel zum ewigen Leben ist die Liebe. Die Liebe ist in uns grundgelegt, sie kommt nicht von außen auf uns zu und wird uns nicht übergestülpt wie etwas, das nicht zu uns gehört. Im Kern unseres Wesens sind wir liebende Menschen. Im Grunde möchten wir lieben und geliebt werden. Diese in uns grundgelegte Liebe möchte sich entfalten, möchte wachsen und stärker werden. Es liegt an uns, die Liebe zu stärken, immer mehr zu liebenden Menschen zu werden.
Natürlich gibt es auch destruktive Kräfte in uns wie Eitelkeit, Stolz, Habgier, Genusssucht, Rachsucht, Neid usw. Diese destruktiven Kräfte können überhandnehmen und die Liebe in ihrer Entfaltung hemmen.

Mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter gibt uns Jesus ein Beispiel, was er unter Liebe versteht. Liebe ist mehr als ein schönes, angenehmes Gefühl. Liebe konkretisiert sich im Tun, im Helfen. Die Liebe ist der eigentliche Motor, der uns zum Helfen drängt. Aus Liebe helfe ich meinem Nächsten.

Jesus steht für eine Ethik der Liebe und nicht für eine Ethik der Pflicht, wie sie der Philosoph Immanuel Kant entwickelt hat. Nach Kant habe ich aus Pflicht zu handeln. Eine Handlung aus Pflicht ist demnach eine Handlung aus Achtung vor dem Gesetz. Jesus will nicht, dass wir aus Achtung vor dem Gesetz handeln, also nur um des Gesetzes willen, sondern er will, dass wir liebende Menschen werden.

Gottesliebe, Nächstenliebe, Eigenliebe

Aus Liebe zu Gott und den Menschen und nicht aus Pflicht wurden Krankenhäuser, Schulen, Obdachlosenunterkünfte usw. errichtet. Die Liebe ist der Motor zum Guten. Die Liebe hilft mir, mehr und mehr ich selbst zu werden. Dabei ist ein umfassendes Verständnis von Liebe entscheidend. Es gilt Gott, den Mitmenschen und - als Regulativ entscheidend - sich selbst zu lieben. Je mehr ich lerne, mich selbst zu lieben, werde ich auch lernen, Gott und die Menschen zu lieben.

Dabei darf die Eigenliebe nicht mit einem ungesunden Egoismus gleichgesetzt werden. Die Eigenliebe schützt mich vor schädlichem Aktionismus und Überforderung. Sie zeigt mir, wo meine Grenzen liegen und ermutigt mich, diese Grenzen anzuerkennen und respektieren.

Warum wollen wir nur jung bleiben und nicht gleich ewig leben? Wer weiß, ob die so gepriesene Gesichtscreme überhaupt hält, was sie verspricht. Nehmen wir lieber den Schlüssel zum ewigen Leben!

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