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14. März 2010: 4. Fastensonntag (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Manfred Wussow: Ein Verlierer mit ganz viel Vertrauen

Predigtgedanken von Max Angermann: Versöhnung ist möglich


Versöhnung ist möglich

Eine Begebenheit aus dem Alltag

Nicht zu Unrecht bezeichnet der Neutestamentler Hermann Josef Venetz Lukas als den "Evangelisten des Alltags". Wenn wir uns die Geschichte "Vom barmherzigen Vater" - früher bekannt als "Der verlorene Sohn" ansehen, könnte sich diese Begebenheit erst kürzlich zugetragen haben, und sie wird sich immer wieder in anderer Form ereignen.

Zur Erinnerung: Eine Familie hat zwei Söhne. In der patriarchalischen Gesellschaft werden Mutter und vielleicht weibliche Geschwister (in diesem Gleichnis) nicht genannt. Der jüngere Sohn fordert sein Erbteil ein, der Sohn nimmt, was ihm zusteht, zieht hinaus und bringt alles durch. Nun heißt es Leisetreten. All sein Hab und Gut sind dahin, Hunger plagt ihn. Der junge Mann muss niedere Dienste verrichten, um zu überleben. Da packt ihn Reue, er zieht heim und wird festlich empfangen. "Aber wir müssen doch feiern und fröhlich sein", sagt der Vater zum älteren Sohn. (Lk.15,32).

Dieses Gleichnis nennt die Literaturwissenschaft eine Parabel. Es ist eine Textform mit offenem Schluss. Wir wissen nicht, wie die Feier abgelaufen ist, wie sich der weitere Alltag dieser Familie gestaltet hat.

Gescheiterte Ablösung

Kurzum: Es bleiben viele Fragen und Problemkreise offen. Dieses Gleichnis stellt sich somit wie eine offene Kurve dar, die mit ihren Fragen, Problemen, sittlichen Wahrheiten und Erkenntnissen beinahe ins Unendliche führt.

Es kommt bis heute immer wieder vor, dass es zwischen den Generationen Spannungen gibt. Ablösungsprozesse vom Elternhaus verlaufen oft recht schmerzlich. Das Problem hier im Evangelium liegt aber in der Verschwendung des ererbten Vermögens, indem er sehr zügellos lebte, sein Vermögen "mit Dirnen durchgebracht hat." (Vers 30).

Die Zuflucht bei einem Schweinehirten ist symbolhaft für den Abfall von der Religion des Vaters dargestellt. Wieder spielt die Alltagserfahrung herein. Die nachfolgende Generation steht Traditionen, Weltanschauungen und Religion häufig sehr kritisch gegenüber und manche Probleme daraus sind kaum zu lösen.

In einem Selbstgespräch kommt der junge Mann zur Erkenntnis, dass er einen Irrweg beschritten hat. Aber welcher Lebensweg verläuft schon geradlinig? Erkenntnisse werden immer beschränkt bleiben. Die Lebenserfahrung des Alters macht Manches deutlicher, aber auch das nur bruchstückhaft. Wir können immer nur zu Teilzusammenhängen kommen, vor allem dann, wenn man das Leben zum großen Teil noch vor sich hat.

Mehr als Vergebung

Ein besonders heikler Punkt ist die Rückkehr in heimatliche Geborgenheit. Wie werden der Vater und der ältere Sohn reagieren? Es ist durchaus möglich, dass dem jungen Mann Ablehnung und Hohn begegnen. Kann Versöhnung überhaupt gelingen? Dieses Evangelium will entängstigen, Mut zusprechen, wieder zurückzufinden. Ein Neuanfang auch unter schwierigen Umständen ist möglich. Versöhnung ist schwer und fällt schwer. Die Grundversöhnung und auch die Reue beginnen bei jedem von uns selber. Erst dann wird Versöhnung mit dem anderen möglich.

Tatsächlich kommt es zu einem festlichen Empfang. Die Optik scheint aber, vor allem in den Augen des älteren Sohnes miserabel. Nennt man das Gerechtigkeit, wenn einer alles verprasst und er dafür noch mit schönem Gewand und einem Fest belohnt wird? Menschlich gesehen muss einem wirklich die Galle hochgehen. Wird nicht durch diese feierliche Rückkehr die Treue und Hilfsbereitschaft des älteren Sohnes lächerlich gemacht und in keiner Weise geschätzt? Der Ältere geht ohne Lob aus.

So etwas erleben wir gar nicht so selten in unserem Alltagsdasein. Treue, Geradlinigkeit, Korrektheit werden als selbstverständlich angesehen, dass sie nicht eigens bedankt werden müssen. Der Luftikus genießt die angenehmen Seiten des Lebens und- Gipfelpunkt! - wird noch geehrt.

Kuss statt Strafe

Das Evangelium will uns sagen, dass die Barmherzigkeit, das Erbarmen, das Mitleiden alle Differenzen überbrückt. Auch der Verlorenste hat Chance auf Rückkehr bei noch so vielen Um- und Irrwegen in seiner Lebensgeschichte. Statt Strafe ein Kuss des Vaters. Die Kraft der Liebe achtet nicht auf Fehler, Schuld und Sünde, deshalb macht der Vater mit einem Kuss den Fehler seines Sohnes wieder gut. Ist das nicht ein tiefes, schönes Zeichen für einen Neuanfang in den Reibereien des Alltags?

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