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7. März 2010: 3. Fastensonntag (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Jörg Thiemann: Umkehr des Herzens

Predigtgedanken von Bernhard Rathmer: Eine dornige Angelegenheit

Predigtgedanken von Max Angermann: Ich bin der "Ich-bin-da"


Ich bin der "Ich-bin-da"

Die Rede vom Bösen

"Ba?Ba?Banküberfall, das Böse ist immer und überall", so lautet der Refrain eines Schlagers der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Tägliche Horrormeldungen aus Print- und elektronischen Medien bestätigen das recht gut.

Heute, am 3. Fastensonntag, schlägt der erste Teil des Evangeliums, der von zwei schrecklichen Vorfällen berichtet, in eine ähnliche Kerbe: Leid, Vernichtung, Tod bricht über Menschen herein. Einfachdenker und Besserwisser damals und heute setzen sofort den Schuld-Strafe-Mechanismus in Gang. Sie wissen, dass Gott jedes Fehlverhalten straft, die kleinen Sünden sofort.

Dabei geschehen schon die ersten Gedankenfehler: Das Böse ist nämlich nicht mit der Sünde gleichzusetzen. Man charakterisiert mit dem Bösen negative menschliche Erfahrungen, die zu einem guten Teil subjektiv sind. Das Böse ist eine Macht, die auf Zerstörung aus ist. Wie weit der Mensch daran beteiligt ist, bleibt verborgen. Sinnvoll ist das Vorkommen des Bösen auf den ethischen Bereich zu beschränken. Sünde meint die wirklich freie und bewusste voll verantwortliche radikale Entscheidung gegen Gott. Schuld und Sünde werden sehr häufig gleichgesetzt. Schuld bringt eher die Folgen zum Ausdruck, eine Verflochtenheit im Zusammenhang mit dem Bösen und der Sünde. Irrtum im guten Glauben hingegen ist noch keine Schuld, auch wenn die Folgen daraus sehr tragisch sein können.

Nach vorherrschender Volksmeinung musste es sich in beiden Fällen bei den Verunglückten um Menschen handeln, die sich durch besonders schwere Sünden das göttliche Strafgericht zugezogen haben.
Solche Ansichten sind bis heute leider auch in kirchlichen Kreisen anzutreffen. Jesus selber weist aber diese Vermutungen sehr entschieden zurück. Es gibt nämlich keine Kollektivschuld.

Das Böse, Sünde, Unheil, Leid. . .

Pilatus kommt im Allgemeinen in den biblischen Schriften viel zu gut weg. Quellen wissen von seiner Herrschsucht zu berichten, er bereichert sich am Tempelschatz, lässt Götzenbilder in den Tempel stellen, Menschen kommen durch ihn zu Tode. Pilatus lässt eine Gruppe galiläischer Pilger töten, die ihm als Terroristen erscheinen. Nach jüdischem Gesetz dürfen römische Soldaten den Tempel nicht betreten, daher werden die Pilger schon vor dem Tempel umgebracht. Der Statthalter versucht immer wieder auch im eigenen Interesse Balance zu halten zwischen römischer Großmacht und den lokalen Interessen in dieser östlichen Provinz.

In beiden Fällen gibt es also viel menschliches Leid. Die Unbegreiflichkeit des Leidens ist teil der Unbegreiflichkeit Gottes. Wir Menschen sind Wanderer zwischen zwei Welten, und Gott ist das Geheimnis der Zeit.

Das Evangelium mahnt zu Umkehr und Versöhnung. Unvorhergesehene Ereignisse ändern sehr oft massiv die Lebenssituation von Menschen. Sie verabschieden sich daheim, gehen zur Arbeit und kommen nie mehr nach Hause, weil ein Unglück geschieht. Wie geht es dann Verwandten, Bekannten, Freunden, wenn sie so ein Ereignis trifft? Dürfen wir uns so sicher fühlen, von diesen Vorfällen ausgenommen zu sein? "Lehre uns, unsere Tage zu zählen", betet der Psalmist (siehe Psalm 90). Das wird wohl heißen, unsere Zeit gut zu nützen, das persönliche Leben genauer in den Blick zu nehmen, welchen Sinn wir ihm geben, welche Prioritäten wir setzen. "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk.1, 14), legt uns das Schriftwort nahe. Die blutigen Ereignisse am Beginn des Evangeliums machen deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen das Reich Gottes nicht auf die lange Bank geschoben werden darf.

Trost

Den Texten dieses Sonntags entnehmen wir aber auch Trostworte. In der ersten Lesung verspricht Gott Mose durch seinen Namen JHWE immer und überall da zu sein. "Ich- bin- der - ich -bin - immer - da".

Zugegeben: Das ist schwer zu begreifen. Gott ist der ganz jenseitige und trotzdem in dieser Welt anwesend, auch wenn Leid und Tod, Krankheit und Unglück weiter bestehen bleiben.

Das zweite Trostwort finden wir im Gleichnis vom Feigenbaum. Es sieht aus wie ein Selbstporträt Jesu, das sich im barmherzigen Herrn, aber auch in der Person des Weingärtners zeigt, der immer um Geduld bittet. Menschlich auch schwer zu verstehen, weil manchem von uns bereits beim Einfädeln der Geduldfaden reißt. Der Herr aber ist mit den Menschen barmherzig, er neigt sich zu uns herab. Immer wieder ist es nötig, den verhärteten Boden auch in unserem Inneren aufzugraben, um die liebende Gesinnung Gottes unter uns Menschen in Wort und Tat sichtbar werden zu lassen. Jeder Mensch ist gefordert, gute Früchte zu bringen. Die Fastenzeit bietet wieder die Chance und die Gnade des Neuanfangs.

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