Freitag, 30.07.2010
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21. Februar 2010: 1. Fastensonntag (C)
Predigtgedanken von Manfred Wussow: Harte Versuchung
Predigtgedanken von Bernhard Rathmer: Sich von Abhängigkeiten befreien
Sich von Abhängigkeiten befreien
Sicherheiten aufgeben
40 Jahre Wüstenwanderung liegen in dem Volk Israel. Eine anstrengende Zeit, eine Zeit vieler Entbehrungen, eine Zeit großer Anfechtungen, eine Zeit, in der sie ein Ziel vor Augen hatten, eine Zeit in der sie ihr Ziel immer wieder vergaßen, eine Zeit, in der ihnen der Glaube an Gott verloren ging, eine Zeit, in der sie sich in die Sicherheit, die Ägypten ihnen bot zurücksehnten, eine Zeit in der sie immer wieder an zu Gott zurückkamen.Es ist kein Sparziergang sich aus der Knechtschaft, aus Abhängigkeit und Unterdrückung zu befreien. Da passiert es, dass man lieber wieder zurück will in die alten Sicherheiten, auch wenn sie bedeuten, dass das Leben von anderen bestimmt wird.
Es ist die Erfahrung, die ein Kind macht, dass seine ersten Schritte geht und hinfällt. An der Hand der Mutter ist das Leben sicherer und einfacher, aber nur wer loslässt kann entscheiden wohin er gehen möchte.
Es ist die Erfahrung des Jugendlichen, der beginnt selber zu entscheiden und sich richtig und falsch entscheiden kann und - wie es so schön heißt - sein Lehrgeld zahlen muss. Vieles war vorher einfacher, als Eltern, Großeltern oder Lehrer alles für einen regelten, was nötig und zu entscheiden war, aber es war nicht das eigene, die eigene Entscheidung, die eigene Idee vom Leben, die umgesetzt wurde.
Es ist die Erfahrung von Eltern, die ihre Kinder eigene Wege gehen lassen müssen, obwohl sie doch noch vieles regeln möchten und vielleicht mit erleben müssen, dass ihre Kinder schmerzhafte Erfahrungen machen. Aber nur so können Kinder zu eigenständigen und erwachsenen Menschen werden.
Es ist auch die Erfahrung im Alter, wenn Dinge die lange im Leben selbstverständlich und wichtig waren auf einmal losgelassen werden müssen, damit anderes an diese Stelle rücken kann. Wer immer alles mitnehmen will, bricht zuletzt unter der Last zusammen.
Es ist die Erfahrung von Menschen, die in Abhängigkeit und Unterdrückung leben und immer mehr spüren, dass hier ist nicht mein Leben, das ist bestenfalls für mich gelebtes Leben, das ich so nicht möchte. Dieses Gefühl gelebt zu werden, trifft Menschen im Kleinen, es ist auch das Gefühl von ganzen Bevölkerungsgruppen und Nationen. Ohne eine Sehnsucht nach Freiheit wäre auch der Fall der Mauer und wären die vielen Umwandlungen im Osten Europas nicht möglich gewesen.
Und hängen nicht auch heute viele Konflikte nicht auch damit zusammen, dass Menschen meinen anderen ihr Recht auf Freiheit nicht geben zu wollen?
Sehnsucht nach Freiheit
Diese Sehnsucht nach Freiheit, diese Sehnsucht aus Abhängigkeit und Knechtschaft befreit zu werden, ist der Ursprung des israelischen Glaubens. Mit Mose als dem Begründer dieses Glaubens tritt Jahwe in Kontakt als er die Schreie seines unterdrückten Volkes hört.Mich fragte mal jemand, was das Wichtigste an unserem Glauben sei, und er gab dann selbst zur Antwort: Gehorsam. Ich habe ihm damals dazu NEIN gesagt, und sage es auch heute. Das Zentrale unseres jüdisch-christlichen Glaubens ist die Freiheit, denn nichts anderes sagt das älteste Glaubensbekenntnis, das davon erzählt, dass Gott sein Volk in die Freiheit führt und ihnen ein Land gibt, in dem sie frei leben können. Gehorsam gegenüber einem Gott, der so Großes tut, erwächst dann aus der Erfahrung der Freiheit.
Fastenvorsätze
Während der Fastenzeit nehmen wir uns häufig Fastenvorsätze vor, die etwas mit "weniger" zu tun haben: weniger Essen, weniger Fernsehen usw. oder auch umgekehrt mit "mehr", mehr Zeit für mich, mehr Zeit für die Familie, mehr Zeit auch für Gott. Wenn es darum geht, eine bestimmte Leistung zu erbringen, sind solche Fastenvorsätze nichts, aber auch gar nichts wert. Wenn sie uns eine Idee davon vermitteln, dass wir uns aus den selbstgemachten Unfreiheiten und Abhängigkeiten befreien, werden sie uns helfen unseren Glauben bewusster zu leben.Ein wenig mehr Freiheit für mich, für Menschen in meiner Nähe, für Menschen, die in politischen und sozialen Abhängigkeiten leben wäre ein gutes Ziel in der Fastenzeit. Daraus wird Dankbarkeit erwachsen, mir selber gegenüber, Menschen gegenüber und nicht zuletzt Gott gegenüber.
Copyright 2010 Bernhard Rathmer
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