Freitag, 30.07.2010

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31. Januar 2010: 4. Sonntag im Jahreskreis (C)

Lesungen

Liturgie

Kontexte

Predigtgedanken von Hans Hütter: Hier und heute Gottes Gegenwart erfahren

Predigtgedanken von Klemens Nodewald: Hätte ich aber die Liebe nicht

Predigtgedanken von Ulrich Behlau: "Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg."


"Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg."

Größenwahn?

"Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten." (Jer 1,19) Dieser "Spruch des Herrn" hat sich nicht nur an Jeremia bewahrheitet, sondern noch mehr an Jesus von Nazareth, "dem geliebten Sohn Gottes". So sieht es das Lukasevangelium.

Ausgangspunkt ist das Schriftwort des Propheten Jesaja: "Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Lk 4,18) Zustimmung und Empörung löst die Deutung Jesu aus: "Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." (Lk 4,21) Damit erhebt er einen Anspruch, der zwiespältige Reaktionen auslöst. Ein Teil seiner Landsleute staunt darüber, wie begnadet er redet. Größenwahn unterstellen die, die seine Herkunft zu kennen meinen: "Ist das nicht der Sohn Josefs?" (Lk 4,22) Die Herkunft eines Propheten und erst recht des verheißenen Messias hatte unbekannt zu sein.

Lynchversuch

Jesus reagiert mit dem Verweis auf das gängige Prophetenschicksal. Das steigert die Wut seiner Hörer und sie unternehmen ein Lynchversuch. Doch Jesus geht souverän durch die aufgebrachte Menge hindurch und verlässt seine Heimatstadt auf Nimmerwiedersehen. Seine Stunde ist offenbar noch nicht gekommen. Ihm ist es bestimmt, außerhalb Jerusalems umgebracht zu werden.

Wieder einmal haben wir heute eine Schriftstelle gelesen, in der man in wenigen Versen das Evangelium im Evangelium entdecken kann, wie es gern vom Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen beiden verlorenen Söhnen gesagt wird. Als Hörer werden wir vor die Entscheidung gestellt, ob wir den Anspruch Jesu annehmen oder ablehnen. Wie die Einwohner von Nazareth sind wir gefragt, ob wir das Heil nur oberflächlich verstehen als spektakuläre Zeichen und Wunder oder als die Erlösung, die Gott uns unverdient schenken will?

Frohe Botschaft

Frohe Botschaft wird der Text für uns nur, wenn wir uns darüber freuen können, dass Jesus mit der Ablehnung in Nazareth seine Sendung nicht beendet sieht, sondern sie ausdehnt auf das ganze Land, letztlich schon über die Juden hinaus auf die Heiden. Denn diese Perspektive vertritt das Lukasevangelium, erst recht, wenn wir es zusammen mit der Apostelgeschichte lesen. Nach dem Lukasevangelium ist Jesus niemals wieder in seine Heimatstadt Nazareth zurückgekehrt. Insofern gibt es auch Chancen, die es nur einmal gibt.

Bestimmte Stellungnahmen und Entscheidungen lassen sich nicht auf die lange Bank schieben. Sie wollen jetzt gefällt sein. Dazu gehören auch die Glaubensentscheidungen. Dazu gehört die Frage: Wer ist dieser Jesus von Nazareth für mich? Ist er nur ein starker souveräner Mensch oder mehr? Ist sein Weggehen durch die aufgebrachte Menge nur Ausdruck seiner Ichstärke und seines außerordentlichen Selbstbewusstseins oder Zeichen seiner einmaligen Nähe zum Vater im Himmel, dessen Willen zu tun seine Speise ist?

Wenn schon Jeremia seine Kraft für seinen Prophetendienst aus der Zusage Gottes geschöpft hat: "Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten." Dann erst recht Jesus von Nazareth. Ja, es dürfte keine überdehnte Auslegung sein, wenn wir in dem souveränen Weggehen Jesu schon eine Andeutung seiner Auferstehung sehen. Für Jesus Christus soll nicht einmal der Tod am Kreuz das Ende sein. So will es der Vater im Himmel. Und uns, die wir uns zu Jesus Christus bekennen, ist durch die Taufe diese Auferstehungshoffnung geschenkt.

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