26.04.2018

Selige Sr. Restituta und die Redemptoristen

Vor 75 Jahren (30. März 1943) wurde Sr. Restituta in Wien vom Nazi-Regime hingerichtet. Vor 20 Jahren erfolgte die Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. Mit der "Hartmannschwester" gibt es mehrere Zugänge zu den Redemptoristen. Am 30. Juni wird in Maria am Gestade des doppelten Jubiläums gedacht. Zugleich auch an den Gedenktag von Pater Wilhelm Janauschek, der von den Hartmannschwestern besonders verehrt wird.


Sel. Märtyrerin Sr. Restituta (Medaille)

Original-Bild von Sr. Restituta

Ein Beitrag von kath.press. und Medien der ED Wien:

 

Der zentrale Gottesdienst zum Restituta-Gedenkjahr 2018 findet am 30. Juni, 16 Uhr, in der Hauptkirche der Redemptoristen in Wien, Maria am Gestade, statt. Der Tag ist in zeitlicher Nähe zum 20. Jahrestag der Seligsprechung, sagte die Generaloberin des Ordens der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, Sr. Hilda Daurer, auf "Kathpress"-Anfrage. Den Gottesdienst leitet der Eisenstädter Bischofsvikar P. Lorenz Voith. Weil der 30. März für eine große Gedenkfeier wegen des Karfreitags ausscheide, habe man sich für 30. Juni entschieden, erklärte Daurer. Denn der 30. Juni sei auch Gedenktag des für die Redemptoristen und Franziskanerinnen wichtigen "Dieners Gottes" P. Wilhelm Janauschek (1859-1926), der bald seliggesprochen werden soll.

Zur Kirche Maria am Gestade, der Nationalkirche der Wiener Tschechen, gebe es wiederum eine enge Verbindung aufgrund der tschechischen Herkunft Restitutas. Sie hatte als Kind oft in dem Gotteshaus gebetet und war auf ihrem letzten Weg von einem Ordenspriester der tschechischen Nationalkirche, dem Redemptoristen P. Johann Ivanek, begleitet worden.

 

Die am 1. Mai 1894 im mährischen Husovice (Hussowitz) bei Brünn als Helene Kafka geborene erste Märtyrerin Österreichs kam im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Wien und arbeitete zunächst als Hilfspflegerin im Krankenhaus Lainz. Mit 19 Jahren trat sie in den Orden der Franziskanerinnen der christlichen Nächstenliebe ein, wo sie den Ordensnamen "Maria Restituta" erhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie als Krankenschwester ins Krankenhaus Mödling und brachte es bis zur leitenden Operationsschwester.

Auch das Krankenhaus Mödling blieb durch den Anschluss 1938 nicht von NS-Maßnahmen verschont. Schwester Restituta weigerte sich, Kruzifixe aus den Krankenzimmern zu entfernen. Dieser Umstand und zwei von ihr verfasste regimekritische Texte wurden ihr zum Verhängnis. Sie wurde am 18. Februar 1942 direkt aus dem Operationssaal von der Gestapo verhaftet und am 29. Oktober 1942 wegen "Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt. Fast ein halbes Jahr verbrachte sie in der Todeszelle. Am 30. März 1943 wurde sie im Wiener Landesgericht enthauptet. 

Pater Johann Ivanek feierte mit ihr am Hinrichtungstag - 30. März 1943 - in ihrer Zelle noch eine "letzte Erneuerung der Ordensgelübde" und begleitete sie anschließend zur Guillotine. Trotz kirchlichen Wunsches wurde der Leichnam nicht dem Orden übergeben. Restituta wurde, wie etwa 2.700 andere Personen, anonym in der sogenannten 40er-Gruppe des Wiener Zentralfriedhofs verscharrt.

Am 21. Juni 1998 wurde sie anlässlich eines Besuches von Papst Johannes Paul II. in Wien selig gesprochen. Ihr liturgischer Gedenktag ist der 29. Oktober.

Bronzerelief von Alfred Hrdlicka

In der Barbarakapelle des Wiener Stephansdoms erinnert seit 1999 ein Bronzerelief des Wiener Bildhauers Alfred Hrdlicka an die Märtyrerin. In Mödling wurde ihr zum Gedenken die westliche Hälfte der Weyprechtgasse vor dem Krankenhaus in Schwester-Maria-Restituta-Gasse umbenannt. Im Jahre 2000 wurde in Wien-Brigittenau, dem Bezirk ihrer Kindheit und Jugend, bei der Donaubrücke, Nähe U6-Station Handelskai, ein Maria-Restituta-Platz benannt. 2006 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Mödling in der Sr.-Maria-Restituta-Gasse 12 einen Stolperstein.

 

Im Franziskanerinnen-Generalat in Wien-Margareten, Hartmanngasse 7-11, gibt es eine 2016 eröffnete Dauerausstellung "Restituta-Dokumentation Glaube gegen NS-Gewalt". Auch in der Abteikirche Klein-Mariazell wird über ihr Leben berichtet und ihrer besonders gedacht.

Auch ihren Mitgefangenen wurde "Schwester Restl" zum Vorbild, heißt es in der Biographie. Sie half und sie teilte, "ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung", wie die befreundete Kommunistin Anna Haider (1902-1990) bestätigte. In trostloser Umgebung verbreitete sie Gottvertrauen: "Es wird alles gut; das Böse kann nicht siegen." Die kommunistische Parteifunktionärin Anna Haider, geb. Ladislav, war einige Zeit Sr. Restitutas Zellengenossin und beste Freundin im Wiener Landesgericht. Restituta half Haider u.a. gern beim Schmuggeln von Kassibern (geheimen Nachrichten auf kleinen Zetteln von Gefangenen an Mitgefangene oder an Empfänger außerhalb des Gefängnisses). Doch kam es auch vor, dass die konfessionslose Kommunistin mit der Ordensfrau Kirchenlieder mitsang - und die Ordensfrau kommunistische Kampflieder. Anna konnte sich noch in Restitutas Todeszelle mitten in der Nacht von ihr verabschieden.

1946 widmete Haider einen Rundfunkvortrag den gemeinsamen Zellengesprächen über ein neues, sozial gerechteres Österreich. 1989 war die konfessionslose Anna Haider bewegende Augenzeugin im Seligsprechungsverfahren für Sr. Restituta.

 

 

Die ORF-Sendung "Orientierung" am Ostersonntag, 1. April, 12.25 Uhr, bringt aus Anlass des Gedenktags einen Beitrag über Sr. Restituta von Klaus Ther. Papst Johannes Paul II. sprach Sr. Restituta 1998 selig.

 

 

 

 


Von: plv