20.10.2017

"Gottes eigenes Land", "Land des Pfeffers, der Kokospalmen und der Elefanten": Reisenotizen eines Besuchs in Südindien

P. Lorenz Voith besuchte Ende Juli das südindische Kerala und die Redemptoristenprovinz Liguori. Dabei konnte er auch Spenden der Leser/Innen der Klemensblätter, sowie des Klemens Hofbauer-Komitees übergeben.

Volontäre aus Österreich werden zur Mitarbeit in Sozialprojekten eingeladen!


Elefanten bei der Prozession nach dem Gottesdienst vor der Kirche

Gruppenfoto mit den Kandidaten und Ausbildungsbegleitern der Provinz Liguori

Novizen vor dem Haus, nach dem Alfonsfest, welches bereits am 27. Juli gefeiert wurde

Kinder im Waisenhaus - beim Empfang

In den Bergen Keralas - mit Pfefferbäumen, Kaffee, Tee und wilden Elefanten,...

P. Voith mit den Prae-Novizen; diese beginnen Ende des Jahres mit dem Noviziat

Kerala ist ein schmaler Streifen Land zwischen dem Arabischen Meer und den Bergen der Westghats. Sein Name bedeutet „Land der Kokospalmen“, die dort tatsächlich überall wachsen. Daneben finden wir das „schwarze Gold“, den Pfeffer, aber u.a. auch Kaffee- und Tee-Plantagen,… und vieler Elefanten,…  Es gibt malerische Bergregionen in Kerala, sie sind ein Abbild reiner Natur und reicher Vegetation und werden daher seit alter Zeit als „Gottes eigenes Land“ bezeichnet.  Kerala zählt zu den am dichtest besiedelten Staaten Indiens. Mit 38.863 Quadratkilometer ist  doppelt so groß wie Niederösterreich, wird aber von 34 Millionen Menschen bewohnt.

Religion, ganz gleich ob als Hindu, als Moslem, als Christ,… spielt in Indien eine zentrale und gestaltende Rolle – persönlich, wie in der Gesellschaft. Das können wir als Mitteleuropäer nur schwer nachvollziehen.

Die Christen bilden in Kerala eine bedeutende Minderheit, in einigen Gebieten sogar die Mehrheit. Grundgelegt wurde diese christliche Tradition durch die Thomas-Christen, welche schon seit 2000 Jahren hier den Glauben leben.

Redemptoristen in Kerala

Die Provinz Liguori wurde vor 25 Jahren als selbstständige Region und später als Provinz gegründet. Waren am Anfang nur vier, fünf Patres aus Kerala, so zählt die Provinz heute 97 Mitglieder mit Profess, davon 74 Priester. Dazu kommen noch knapp 30 Kandidaten im sogenannten „Juvenat“, Kandidaten im Prae-Noviziat, sowie fünf Novizen, die Anfang 2018 ihre Profess ablegen wollen. Eine Randbemerkung: Die Eintritte in die Orden gehen in Kerala zurück, wie mir berichtet wurde. Schon aus wirtschaftlichen Gründen haben die Familien nur mehr ein oder zwei Kinder,… dies wirkt sich auch auf Eintritte in die Ordensgemeinschaften aus.

Insgesamt 21 Patres arbeiten im Ausland, in den USA, der Karibik, Kanada, England, Neuseeland, Deutschland sowie in Österreich: Pater Kuruvila, Pater Jomon und Pater Jacob  im Burgenland (Seelsorgeraum Neudörfl, Pöttsching, Bad Schauerbrunn, Krensdorf und Sigleß).

Der Schwerpunkt der Provinz Liguori liegt seit den ersten Anfangsjahren noch immer in der Ausbildung. Es gibt gleich fünf Ausbildungshäuser; viele Patres arbeiten auf diesem Gebiet.

Daneben haben sich in den letzten Jahren auch Arbeiten mit Exerzitien (vor allem für Priester und Schwestern), Einkehrtage, Glaubensmissionen, sowie auch soziale Projekte entwickelt. Aber gerade im pastoralen Bereich werden noch viele neue Anstrengungen und Initiativen notwendig werden. Da es genügend Diözesanpriester gibt, haben die Orden fast keine Pfarren, müssen daher auch auf Einnahmen aus anderen Tätigkeiten und Spenden zurückgreifen.

Schwerpunkt: Ausbildung

Mit dem Provinzial aus Kerala konnte ich alle bestehenden Ausbildungshäuser besuchen, so dass keine Zeit blieb, touristische oder religiöse Zentren, sowie andere Schönheiten des Landes zu besichtigen. Begegnungen mit den Studenten und ihren Ausbildnern, schöne Gottesdienste und reichhaltige indische Mahlzeiten waren also am Tagesplan,…

In der Monsun-Zeit sind viele Straßen mit Löcher überseht. So dauerte eine Fahrt von über 200 Kilometer gleich acht Stunden. Das alles liegt außerhalb von Erfahrungen aus Mitteleuropa.

Soziales Projekt – auch Österreicher sind willkommen!

Auf meinen Wunsch hin wurde auch das Projekt der „Mother & Child-Foundation“ besucht (mit derzeit 130 Kinder und Jugendlichen). Als wir ankamen, wurden gerade Stunden vorher zwei Neugeborene von ihren Müttern „abgegeben“. Dieses Waisenhaus ist ein Vorbild an ganzheitlicher Ausbildung und Heimat. Eine Schülerin spielte uns bei der Begegnung auf der Violine Mozarts „Kleine Nachtmusik“  vor – einfach großartig! Zwei Patres der Redemptoristen arbeiten in dieser Einrichtung mit. Leider unterstützt der Staat nur mit geringen Zuschüssen dieses Waisenhaus. So ist es vor allem auf viele Spender im In- und Ausland angewiesen. Einige hundert Meter entfernt befindet sich ein eigenes Haus für „Männer mit psychischen Krankheiten“; auch hier ein großes Werk der christlichen Nächstenliebe!

Der Leiter der Einrichtung lud jüngere Frauen und Männer auch aus Österreich ein, sich für einige Wochen oder Monate als Ehrenamtliche an den  Projekten hier zu beteiligen. Seit mehreren Jahren arbeiten auch Volontäre aus den USA und aus Irland immer wieder mit. Ein sog. „freiwilliges soziales Jahr“ ist also möglich! Interessenten mögen sich bei mir melden: lorenz.voith@cssr.at .

Zu einem der Höhepunkte gehörte die Segnung einer „Grotte“ in den Bergen Keralas zu Ehren der erst vor einigen Jahren heiliggesprochenen Ordensschwester Alfonsa.

Die Ärmsten der Armen: Die alten Leute

Reich und Arm sind überall sichtbar. Neben vielen Kindern sind es vor allem viele ältere Leute, die zu den Ärmsten der Armen gehören. Wie können und sollen diese mit einer Rente von umgerechnet EURO 10,-- bis 30,-- im Monat leben? Außerdem müssen alle Medikamente oder Arztbesuche selbst bezahlt werden,… eine Krankenversicherung ist teuer und deckt nur minimale Kosten ab. Wenn die eigenen Kinder oder Enkel hier nicht helfen können, bleiben nur kleine Arbeiten außerhalb, der kleine Garten, vielleicht einige Hühner,… sowie die Hilfe der Anderen. Gerade die Redemptoristen helfen in der Umgebung ihres Provinzialates vielen dieser Familien und Personen. Am 1. August – zum Alfons-Fest- wurden alle Nachbarn zu einem großen Fest ins Kloster geladen: Christen, Muslime und Hindus. Ein schönes Zeichen!

Abgesehen vom tropischen Klima, das für uns Europäer eher gewöhnungsbedürftig ist, ist dieses Land wirklich „Gottes eigenes Land“, das immer wieder beeindruckt und herausfordert. Hier erlebt man auch Religion live (in seiner Vielfalt und friedlich!) auf Schritt und Tritt.

 P. Lorenz Voith, Wien

Der Beitrag mit zahlreichen Bildern erscheint in der KLEMENSBLÄTTER-Ausgabe Sept./Oktober 2017


Von: plv