22.06.2017

100 Jahre St. Klemens Hofbauer-Komitee: Erbe und Auftrag

Am 5. Mai fand im Festsaal (Plenarsaal) des Alten Rathauses in Wien die Akademie zum 100-jährigen Bestehen des Klemens Hofbauer-Komitees statt. Prominenz aus Politik und Kirche waren gekommen.


Blick in den Festsaal (Akademie)

P. Adam bei der Festansprache

Einige Festgäste: v.l.: Bundesministerin a.D Maria Rauch-Kallert, Prälat Rühringer, Bischofsvikar Schutzki, Provinzial P. A. Jestl

P. Lorenz Voith bei der Begrüßung und Einführung

Vereinsbestätigung 1917 (offiz. Dokument)

St. Klemens Hofbauer-Komitee: seit 100 Jahren aktiv,...

Knapp einhundert geladene Festgäste feierten im Rahmen einer Festakademie - und anschl. Agape (im Kloster Maria am Gestade). Lorenz Voith, Obmann des Komitees, freute sich über zahlreich erschienene Festgäste, darunter Prominenz aus Öffentlichkeit und Kirche, sowie Teilnehmer aus Wien, dem Burgenland, aus Niederösterreich und Tirol. Die Moderation dieser Feier lag in den Händen von Dr. Dominik Orieschnig.  

Das Jubiläumsjahr des Komitees wird abgeschlossen mit einem Festgottesdienst im Rahmen der STADTWALLFAHRT in die Hernalser Marienkirche am 27. Juni 2017 (Fest: "Mutter von der Immerwährenden Hilfe") mit dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius.

 Fotos: 1-4: Laurent Ziegler/Redemptoristen


Nachfolgend ein Bericht aus KATHPRESS: www.kathpress.at  

Siehe auch den Bericht auf: www.erzdioezese-wien.at

 

Wien, 09.05.2017 (KAP) Im April 1917 gegründet, hat das "St. Klemens-Hofbauer-Komitee" dieser Tage sein 100-jähriges Bestehen mit einer Festakademie im Alten Rathaus in Wien begangen. Ziel und Zweck des Komitees sind auch nach 100 Jahren noch dieselben: die Verehrung des Hl. Klemens (1751-1820), das Bauen von Kirchen und die Förderung sozialer und pastoraler Projekte im Sinne des Wiener Stadtpatrons, heute allerdings mit einem Schaffensschwerpunkt in der Ukraine, Indien und Albanien. Mehr als 250.000 Euro brachten die Mitglieder, Förderer und Spender im ganzen Land in den letzten zehn Jahren auf, so Komitee-Obmann Pater Lorenz Voith.

Politische und kirchliche Prominenz waren letzten Freitag der Einladung des Komitees gefolgt; unter ihnen die frühere Bundesministerin Maria Rauch-Kallat, der Bezirksvorsteher des 1. Bezirks, Markus Figl, der Obmann des Komitees P. Lorenz Voith, Redemptoristen-Provinzial P. Alfons Jestl, Bischofsvikar Dariusz Schutzki, Dompropst Ernst Pucher und Domkapitular Ernst Rühringer. Den Festvortrag hielt P. Adam Owczarski, Direktor des Historischen Institutes der Redemptoristen in Rom.

Mit Klemens Maria Hofbauer werde eines Mannes gedacht, "der viel in dieser Stadt und für diese Stadt getan hat", so Bezirksvorsteher Figl. Gerade in der heutigen Zeit sei es "sehr schön, wenn man sich an Menschen erinnert, die Vorbild sein können für die nachfolgende Generation und das kann Klemens Maria Hofbauer".

Mitten im Krieg, am 22. April 1917, wurde das "St. Klemens Hofbauer-Komitee" als staatlicher Verein unter Ehrenschutz des Wiener Kardinals Friedrich Gustav Piffl von den Redemptoristen und befreundeten Laiengruppen im Geiste Klemens Maria Hofbauers offiziell gegründet. Der Verein ist somit der "am längsten durchgehend bestehende Verein von Laien innerhalb der Kongregation der Redemptoristen weltweit", so P. Voith. Erster Obmann war P.Wilhelm Janauschek, dessen Seligsprechungsverfahren vor drei Jahren in Rom positiv abgeschlossen wurde.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden zahlreiche Klemenskirchen in Österreich und im Ausland vom Komitee finanziell unterstützt. "Es gibt kaum eine Wiener Kirche oder Kapelle des 20. Jahrhunderts, die nicht ein Fenster, eine Ehrentafel oder ein Bild des Hl. Klemens hat", so P. Voith. Die Errichtung des "Klemens-Museums" in Maria am Gestade 2014 gehört zu den letzten größeren Förderungen des Vereins.

Pater Owczarski gab beim Festakt Einblicke in das Leben und Wirken des Stadtpatrons von Wien. Hofbauer trat 1784 als erster Nichtitaliener in den Redemptoristenorden ein. Nach einem Aufenthalt in Warschau kam er aufgrund der Verfolgung des Ordens durch Napoleon nach Wien, wo er als Prediger und geistlicher Begleiter tätig war. In Wien sammelte Hofbauer führende Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik um sich; u. a. die Schriftsteller Clemens Brentano und Josef Eichendorff und den deutschen Kulturphilosophen Friedrich Schlegel.

"Seine Beichtkinder wirkten in alle Lebensbereiche und Gesellschaftskreise hinein, in die Familien, die Salons, Amtszimmer, Universitäten und diplomatischen Kreise", so P. Owczarski. So sei es in Wien und darüber hinaus zu langsamen aber unaufhaltsamen Veränderungen gekommen. "Gerade mit Hilfe der Laien- und Laienvereinigungen wurde Klemens Maria Hofbauer zum Apostel von Warschau und Wien." Er wurde 1909 heiliggesprochen und ist seit 1914 Stadtpatron von Wien.

Einer der größten Männerorden

Die Redemptoristen (Kongregation des Heiligsten Erlösers) gehören zu den größten Männerorden der katholischen Kirche mit knapp 5.500 Patres, Brüder und Studenten. Vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika wächst die Zahl an Kandidaten. Die Redemptoristen in Österreich und Süddeutschland haben sich Anfang 2015 zu einer gemeinsamen Provinz zusammengeschlossen. Sitz des Provinzialats der neuen "Provinz Wien-München" ist München. In Österreich haben die Redemptoristen Klöster in Wien-Maria am Gestade, Hernals, Eggenburg, Puchheim (OÖ) und Innsbruck, sowie eine Mission im Burgenland.

Zu den Arbeitsschwerpunkten des Ordens zählen die missionarische Pastoral, die Exerzitienarbeit, die Seelsorge an Wallfahrtsorten und in Schwerpunktgemeinden, die Immigrantenpastoral und die Arbeit in und mit den Medien. In Rom führen die Redemptoristen eine eigene Hochschule für Moraltheologie, die Accademia Alfonsiana.

Gegründet wurde der Redemptoristenorden 1732 vom italienischen Priester und Theologen Alfons Maria von Liguori als Ordensgemeinschaft für die missionarische Seelsorge gegründet.

 

Eine kurze geschichtliche Zusammenfassung:

 

Schon gleich nach der Erhebung von Klemens Maria Hofbauer zum Stadtpatron von Wien (Jänner 1914) wurden Überlegungen angestellt, die Verehrung des Heiligen und eventuelle Kirchenbauten zu fördern. So kam man zum Ergebnis, dass hierfür ein eigener Verein gegründet werden sollte, das „St. Klemens Hofbauer-Komitee“.

Pater Wilhelm Janauschek erster Obmann

Mitten im 1. Weltkrieg wurden Statuten erarbeitet und bei den Behörden eingereicht. Nach Zustimmung durch das Ordinariat, wurde das St. Klemens Hofbauer-Komitee von der k.k. Niederösterreichischen Statthalterei am 24. Februar 1917 errichtet. Die erste Generalversammlung wurde für den 22. April 1917 ausgeschrieben. Dies alles unter dem „Ehrenschutz des Fürsterzbischofs Kardinal Friedrich Piffl“. Ort der Versammlung war der große Klemens Maria Hofbauer-Saal in Wien-Hernals. Bei der Generalversammlung waren zwei Festredner eingeladen: Kanonikus Msgr. Anton Dobner, Dechant von Maria Taferl und Feldkonsistorialrat Monsignore Dr. Ferdinand Pawlikowski.

Zum ersten Obmann bei der Generalversammlung wurde der vormalige Provinzial und nunmehrige Rektor von Maria am Gestade, P. Wilhelm Janauschek  gewählt; ihm zur Seite gesellte sich der Stellvertreter und Kassier Rechnungsrat August Schuhmacher. P. Janauschek war dann ab 1918 für mehrere Jahre Ökonom des Klosters Hernals, Seelsorger und Begleiter der Vereine in Wien-Hernals.

Das Komitee bestand bis 1938 aus nur 12 „tätigen“ (wahlberechtigten) Mitgliedern; der Rest waren Fördermitglieder, Stifter und Ehrenmitglieder.

Die Ziele des Vereins nach den Statuten (u.a.): „Verbreitung der Verehrung des hl. Klemens. Erbauung und Ausstattung von Klemenskirchen,… Kirchenbauten“.

Neue Klemens-Kirchen

In den nächsten zwei Jahrzehnten wurden maßgeblich durch Spendenaktionen drei Klemenskirchen für die Redemptoristen errichtet. Die Notkirche und spätere Pfarrkirche in Wien-Gatterhölzl (zum hl. Klemens); die Klemenskirche in Taßwitz (am Geburtsthaus des Heiligen; 1933), sowie die große Klemenskirche in Oberpullendorf, 1935 (Burgenland). Daneben wurden Ehrentafeln für den Heiligen (bei der Minoritenkirche, St. Ursula,…) ermöglicht. Gleich nach dem Weltkrieg wurde auch die Zeitschrift „Ölzweige“ vom Komitee angemeldet und herausgegeben. Der Name geht auf eine Zeitschrift von ehemaligen Klemensschülern im 19. Jahrhundert zurück.

Der Verein wandert nach Hernals

Durch die Annexion Österreichs durch Nazi-Deutschland 1938,  mussten alle Vereine ihre Statuten ändern, bzw. zur Bestätigung neu einreichen. So wurden auch die Statuten des St. Klemens Hofbauer-Komitees abgeändert. Der Obmann hieß nunmehr „Vereinsführer“. Die Vereinsadresse war fortan das Redemptoristenkloster in Wien-Hernals. Obmann war demnach immer der Pfarrer (oder Administrator) der Marienpfarre bzw. dessen Vertreter. Ab 1938: Obmann Pfarrer P. Pfeifer. Stellvertreter P. Grasl. Oberrechnungsrat August Schumacher war weiterhin großer Promotor und Kassier.

Statutenänderung nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurden die Statuten wiederum verändert; im Wesentlichen blieben diese bis in die 90-er Jahre gültig. Die erste Generalversammlung fand wiederum in Hernals statt (1946). Der jeweilige Provinzial wurde nunmehr immer auch zum Obmann des Vereines erhoben. Es wurde auch ein geschäftsführender Obmann gewählt. Von den „nur“ 12 aktiven Mitgliedern des Vereins wurden 1/3 vom Provinzial der Redemptoristen ernannt, 2/3 durch die Generalversammlung. Die Vereinsadresse wurde in das Kloster Maria am Gestade verlegt. Nach dem Krieg wurde insbesondere die neue Klemens-Kirche in Wien-Gatterhölzl finanziell gefördert. Auch die Renovierung in Maria am Gestade, sowie an anderen historischen Orten wurde durch Spenden-Aktionen unterstützt.

Nach 1990 - unter Provinzial P. Alois Kraxner - und ab 1996 wurden unter der Obmannschaft von Provinzial P. Josef Kampleitner, wurden „Bausteinaktionen“ durchgeführt, zur Unterstützung der Redemptoristen in der Ukraine – nach der Verfolgung und Unterdrückung durch die Kommunisten.

Öffnung des Vereins  - neue Projekte im In- und Ausland

Im Jahre 2008 (unter Provinzial P. Lorenz Voith) fand eine Umstrukturierung des Vereines statt. Veränderungen waren auch aufgrund der Vorschriften des neuen österr. Vereinsgesetztes notwendig. Konsequenzen: Öffnung des Vereins für weitere ordentliche Mitgliedern; freie Wahl des Obmanns und des Vorstandes; Einsetzung von Rechnungsprüfern. Die Ziele des Vereines wurden erweitert: Neben der Förderung der Verehrung des hl. Klemens, der Herausgabe von Schriften, die Unterstützung von pastoralen und sozialen Projekten und Bauten der Redemptoristen in Österreich und weltweit, wurde auch eine Vernetzung von redemptoristischen Laienmitarbeitern und Förderern in ganz Österreich zum Ziel; weitere Schwerpunkte: Geistliche Veranstaltungen; Wallfahrten, sowie die Möglichkeit zur Gründung von Sektionen und die Zusammenarbeit mit anderen redemptoristischen Laienvereinen (z.B. Klemens Hofbauer-Freundeskreis, Innsbruck; St. Alfons-Freundeskreis, Ingolstadt; Bischenberg/Elsaß;…).

In den letzen zehn Jahren wurden u.a. folgende Projekte vom Komitee unterstützt: Bau des Jugendheimes in Orsk (Sibirien/Redemptoristen); Kirchenbauten in der Ukraine; Sozial-Projekte in Indien (Kerala); Spenden für Afrika und Albanien. Spendenaktion für das neue „Klemens-Museum“ in Maria am Gestade (bis 2014).

Weitere Vereinsaktivitäten: Jährliche Kultur- und Pilgerfahrten;  Sonderbriefmarken (2016, 2017); Weiterbildung, Einkehrtage für Mitglieder und Interessierte;  Jahreswallfahrten nach Taßwitz (September);  Hilfe bei der Begleitung des Klemens-Museums. Seit 2015 befindet sich das Sekretariat des Vereins wiederum in Wien-Hernals (1170 Wien, Wichtelgasse 74/Clemens Hofbauer-Platz).

Wohl ältester Laienverein der Kongregation

100 Jahre St. Klemens Hofbauer-Komitee: Wahrscheinlich ist es der am längsten durchgehend bestehende Verein von Laien und Förderern innerhalb der Kongregation der Redemptoristen weltweit. Vereine sind keine Auslaufmodelle oder Relikte vergangener Jahrhunderte, sondern mehr denn je (in vielleicht veränderter Form) eine wichtige Basis für Veranstaltungen, Aktionen und Projekten im Sinne des hl. Klemens Maria Hofbauer! Möge es dem Komitee weiterhin segensreich gelingen!

Artikel aus Klemensblätter 3-4-2017-KW