{\rtf1\ansi\deff0\deftab360

{\fonttbl
{\f0\fswiss\fcharset0 Arial}
{\f1\froman\fcharset0 Times New Roman}
{\f2\fswiss\fcharset0 Verdana}
{\f3\froman\fcharset2 Symbol}
}

{\colortbl;
\red0\green0\blue0;
}

{\info
{\author Predigtforum}{\operator hans.huetter@cssr.at}{\title Kontexte als RTF}}

\f0\fs24
\paperw11907\paperh16839
\pgncont\pgndec\pgnstarts1\pgnrestart
\par \par \fs27\b 31. Januar 2010: 4. Sonntag im Jahreskreis (C)\b0\fs24\par \par \par \fs27\b Hier und heute Gottes Gegenwart erfahren\b0\fs24\par \i \i0 \par In meiner Heimat ist es Brauch, dass die Pfarrgemeinde einem Neupriester, wenn er heimkommt, um mit seiner Herkunftsgemeinde seinen ersten Gottesdienst zu feiern, einen gro\'dfartigen Empfang bereitet. Das wird zu einem Ereignis, an dem die Kirche nicht alle Menschen fassen kann, die daran teilnehmen m\'f6chten. Ein fester Bestandteil dieses "Primizeinzugs" ist die erste Ansprache des Neugeweihten. Mit viel Wohlwollen und mit noch gr\'f6\'dferer Neugierde lauschen die Leute seinen Worten und f\'e4llen ein erstes Urteil, wie gut er predigen kann. \par  \par  Aus eigener Erfahrung wei\'df ich, wie hilfreich so ein Empfangsteppich aus Wohlwollen und mentaler Unterst\'fctzung am Anfang meines Berufsweges war. Mir war aber auch klar, dass dies nicht immer so bleiben konnte. Mit herzlichem Wohlwollen und Vertrauensvorschuss wurde ich auch sp\'e4ter in den Gemeinden aufgenommen, in denen ich t\'e4tig war. Dieses hielt zumindest solange an, als ich die wichtigsten Erwartungen an einen Seelsorger erf\'fcllte. Daneben machte ich aber auch noch die Erfahrung: Wenn ich die spirituellen und religi\'f6sen Bed\'fcrfnisse mancher Kreise nicht bediente, k\'f6nnen sogar fromme Christen garstig bis hinterh\'e4ltig werden. \par \par \fs27\b Warum so aggressiv, Jesus?\b0\fs24\par Als wir den Text des heutigen Evangeliums vor einigen Wochen in einer Bibelrunde lasen, dr\'e4ngte sich einem Teilnehmer die Frage auf: Jesus, warum reagierst du so aggressiv? Was begehrst du mehr? Deine Mitb\'fcrger nehmen dich wohlwollend und herzlich auf. Sie sind stolz auf dich und deine Familie. \par  Die Stimmung schl\'e4gt in dieser Erz\'e4hlung um, sobald Jesus sich weigert, Wunder zu wirken wie an anderen Orten auch. H\'e4tte nicht seine Heimatgemeinde mehr als alle anderen das Recht gehabt, die Fr\'fcchte seiner wunderbaren Begabungen geschenkt zu bekommen? - Wo liegt da ein Problem, dass du so heftig reagierst?\par  \par  Nicht nur in Nazareth weigert sich Jesus Wunder zu tun. Als ihn an anderen Orten Pharis\'e4er und Schriftgelehrte aufforderten, zum Beweis seiner g\'f6ttlichen Sendung Wunder zu tun, z\'fcrnt er ihnen und stellt ihnen das Zeichen des Propheten Jona in Aussicht \i (Mt 12,38 ff)\i0 . Niemand versteht ihn. Niemand kann ihn verstehen.\par \par \fs27\b Was willst du, Jesus?\b0\fs24\par In Nazareth antwortet Jesus mit zwei Hinweisen auf bekannte Prophetenerz\'e4hlungen: Elija wirkte Wunder an einer heidnischen Witwe in Sarepta, bei der er w\'e4hrend einer Hungersnot Aufnahme und Vertrauen in das Wirken Gottes fand. \'c4hnliches geschah zur Zeit des Propheten Elischa. Der heidnische Heerf\'fchrer des aram\'e4ischen K\'f6nigs wurde im Jordan von Aussatz geheilt. Er erkannte auf diesem Wege die Gr\'f6\'dfe Jahwehs, des Gottes Israels. \par  \par  In diesen beiden Beispielen liegt der Schl\'fcssel zum Verst\'e4ndnis der Weigerung Jesu, Wunder zu tun. Wunder k\'f6nnen leicht missverstanden werden. Auch heute noch. Man kann sie so oder so interpretieren. Die einen sehen darin eine von Gott geschenkte Wohltat. Offen bleibt die Frage: Warum erhalten diese Wohltat nicht alle Kranken und Leidenen? Andere sehen Wunder als Beweis seiner g\'f6ttlicher Kraft und Sendung. Doch auch diese Sichtweise scheint Jesus zu wenig zu sein. Er weigert sich, vom Kreuz herabzusteigen, um seine Gegner von seinem g\'f6ttlichen Auftrag zu \'fcberzeugen.\par  \par  In vielen Wundererz\'e4hlungen finden wir einen Dialog Jesu mit den Geheilten, der das Ziel seines Tuns auf den Punkt bringt: "Dein Glaube hat dir geholfen", hei\'dft es da immer wieder. Die Wunder Jesu geschehen, wo Menschen an die Gr\'f6\'dfe und die Kraft Gottes glauben. Sie sind Folge des Glaubens und f\'fchren jene, die sie miterleben zum Staunen \'fcber das Wirken Gottes. \par  Vereinfachend gesagt: Jesus geht es mehr darum, Glauben zu wecken und die Menschen im Glauben an das Wirken Gottes zu st\'e4rken, als Wohltaten zu spenden oder gar sich selbst als von Gott bevollm\'e4chtigten Star feiern zu lassen. \par \par \fs27\b Unangenehme Fragen an uns selbst\b0\fs24\par Haben wir nicht \'e4hnliche Erwartungen, wenn wir Gottesdienst feiern, wie die Bewohner von Nazareth? Was suchen wir, wenn wir unsere religi\'f6sen Riten und Gebr\'e4uche pflegen? Was inszenieren wir, wenn wir die Sakramente feiern?\par  \par  Von manchem feierlichen Gottesdienst bin ich peinlich ber\'fchrt, weil mich das Gef\'fchl nicht losl\'e4sst, hier wird weniger das Mysterium der Eucharistie als vielmehr die Mystifizierung der Hierarchie zelebriert und den Mitwirkenden und Zuschauern als Schauspiel pr\'e4sentiert. Peinlich genau wird darauf geachtet, wer was tun und welchen Satz sprechen darf. Oder es wird die kulturschaffende Kraft der Kirche vor Augen und Ohren gef\'fchrt, vorzugsweise als quotentr\'e4chtiges Fernsehereignis. Oft f\'fcrchte ich, was sich zwischen den Mitfeiernden (inclusive dem Zelebranten) und Gott abspielt, bleibt auf der Strecke. Der allgegenw\'e4rtige Zwang zur Selbstdarstellung holt unser kirchliches Feiern immer wieder ein. \par  \par  Auch dort, wo sich der Augen- und Ohrenschmaus und der Kulturgenuss sich aus Mangel an Kr\'e4ften in Grenzen h\'e4lt, beschleichen mich beklemmende Wahrnehmungen und lassen mich mit bangen Fragen zur\'fcck. Wir stillen unsere religi\'f6sen und spirituellen Bed\'fcrfnisse, indem wir die heiligen Zeichen unserer Religion begehen. Wir wiegen uns in der sakramentalen Gewissheit der Gegenwart Gottes und sch\'f6pfen daraus Kraft. Sind wir uns dabei der Gefahr bewusst, dass wir die Kraft religi\'f6ser Riten mit der Begegnung mit dem lebendigen Gott und seinem Wirken verwechseln?\par \par \fs27\b Die Gegenwart Gottes erfahren\b0\fs24\par  Was die Sache noch komplizierter macht: Wir brauchen religi\'f6se Formen, Riten und Gebr\'e4uche, in denen wir unseren Glauben ausdr\'fccken und feiern. Und es braucht eine Kultur des Feierns und des Begehens der Glaubensgeheimnisse, die uns die Kraft des Glaubens erschlie\'dfen. Aber wie die Gottesdienstgemeinde von Nazareth stehen wir in der Gefahr, uns mit einem vordergr\'fcndigen Ah- oder Aha-Erlebnis zufrieden geben. Es reicht nicht, dass der da vorne gut anzuh\'f6ren ist, oder dass ich durch die Musik welcher Art auch immer in eine religi\'f6se Stimmung versetzt werde. Es reicht auch nicht, dass ich Gemeinschaft erlebe oder einen spirituellen Kick bekomme und nun beruhigt und getr\'f6stet wieder heimgehen kann. All das ist gut und w\'fcnschenswert. Es geht aber um nicht weniger, als hier und jetzt das Wirken und die Gegenwart Gottes zu erfahren.\par  \par  In Nazareth schl\'fcpft Jesus in die Rolle des anst\'f6\'dfigen Propheten und provoziert seine Landsleute, um sie zu einer pers\'f6nlichen Gottesbegegnung hinzuf\'fchren. Er riskiert, dass er in der Wut der religi\'f6sen Fanatiker, die genau wissen, wie Glaube zu funktionieren hat, untergeht. Sein Ende am Kreuz ist die logische Folge seines eigenen Tuns. \par  Seine Rede ist aber auch da und dort, auch in Nazareth, auf fruchtbaren Boden gefallen. Viele haben alles liegen und stehen gelassen und sind ihm nachgefolgt, darunter auch seine Mutter und der "Herrenbruder" Jakobus. \par  \par  Menschen, die kritische Fragen stellen, braucht es zu allen Zeiten der Christengeschichte. In der Vergangenheit sind immer wieder Frauen und M\'e4nner aufgestanden und haben provoziert, um ihre Mitgl\'e4ubigen zur Mitte des Glaubens hinzuf\'fchren. Manche von ihnen sind verketzert worden und haben das Schicksal der Propheten erlitten. \par  \par  Kritische Fragen zuzulassen, auszuhalten und sich damit auseinanderzusetzen, ist nach meinem Verst\'e4ndnis ein wesentlicher Teil kirchlichen Lebens. Mich ersch\'fcttert nicht, dass in Teilen der Kirche von Zeit zu Zeit heftig gestritten wird. In Sorge versetzt mich h\'e4ufig der Stil und die Lieblosigkeit, mit denen diese Auseinandersetzungen oft gef\'fchrt werden. Nie sollten wir das Ziel aus den Augen verlieren: Das Erkennen des Wirkens Gottes und die Begegnung mit dem lebendigen Gott hier und heute. Denn: \i "Heute hat sich das Schriftwort erf\'fcllt, das ihr eben geh\'f6rt habt."\i0 \par \i \par Copyright 2010 Hans H\'fctter\i0 \par }