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{\author Predigtforum}{\operator hans.huetter@cssr.at}{\title Kontexte als RTF}}

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\par \par \fs27\b 17. Februar 2010: Aschermittwoch (A/B/C)\b0\fs24\par \fs27\b Seelen-T\'dcV\b0\fs24\par \par zum Kern vordringen \par  pr\'fcfen ob\par  die Ehrlichkeit ehrlich \par  der Fu\'df geerdet\par  das Bild real\par  die Offenheit offen\par  \par  nicht verf\'fchrbar sein\par  f\'fcr Projektion Ideologie\par  Geltungssucht Rechthaberei \par  \'dcbertreibung\par  kein seichter Talkshowmaster werden \par  den so genannten Gro\'dfen schmeichelnd\par  \par  nicht devot Ruf und Mammon folgen \par  und Begegnungen\par  zu Seifenopern\par  verkommen lassen, ach nein\par  mit Tiefe denken reden\par  gelassen altern\par  \par  einfach aufrichtig schlicht \par  die kleinen Kreise ziehn\par  die Not und Sorge\par  im eigenen Quadratkilometer \par  erkennen wollen\par  hilfsbereit Hand anlegen\par  \par  ohne Aufhebens\par  das Gold der Stille sch\'e4tzen lernen \par  schillernd aus tr\'fcbem Alltag\par  Feste machen\par  und Sekunden f\'fcr die wahren \par  Wunder halten\par \par \i Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Gr\'fcndewald-Verlag Mainz 2001.\i0 \par \par \par \fs27\b Stille lass min finden\b0\fs24\par \par <p class="indent">Stille lass mich finden, Gott, bei dir. \par  Atem holen will ich, ausruhn hier. \par  Voller Unrast ist das Herz in mir, \par  bis es Frieden findet, Gott, in dir\par  \par          Lassen will ich Hast und Eile, \par           die mein Tagewerk bestimmen, \par           die mich st\'e4ndig weitertreiben. \par           Innehalten will ich, rasten.\par  \par           Will vergessen, was die Augen, \par           was die Sinne \'fcberflutet,\par           diese Gier: Das muss ich sehen. \par           Ruhen sollen meine Augen.\par  \par           Lassen will ich alles Laute,\par           das Gerede und Get\'f6ne,\par           das Geschrei und das Gel\'e4rme. \par           Schlie\'dfen will ich Mund und Ohren.\par  \par           Will vergessen meine Sorgen:\par           Was ist heut und was wird morgen? \par           Ich bin ja bei dir geborgen,\par           du wirst allzeit f\'fcr mich sorgen.\par  \par  Stille lass mich finden, Gott, bei dir. \par  Atem holen will ich, ausruhn hier. \par  Voller Unrast ist das Herz in mir, \par  bis es Frieden findet, Gott, in dir.\par </p>\par \i Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Gr\'fcnewald-Verlag 2006.\i0 \par \par \par \fs27\b Allerhand \'c4rger\b0\fs24\par \par Ein Schritt gen\'fcgt, schon l\'f6st sich die Lawine.\par  \par  Der Satte kann sich an den Hunger nicht erinnern. \par  Am Radarschirm verschwindet die Maschine.\par  Der Penner h\'e4lt nicht viel von den Gewinnern.\par  \par  Ein Sonntagskind stellt sich der Polizei -\par  man wei\'df oft nicht wohin mit solchen Spinnern - \par  und ruft erleichtert aus dem Knast: Ich bin so frei!\par  \par  Der Terrorist ist stolz auf das Erreichte.\par  Im M\'e4rchen kocht und kocht der s\'fc\'dfe Brei. \par  Ein Kindersch\'e4nder freut sich auf die Beichte.\par  \par  So mancher Sittenw\'e4chter murmelt vor sich hin: \par  Ein bi\'dfchen Kokain, das ist es, was ich br\'e4uchte, \par  weil ich mit meinen Nerven v\'f6llig fertig bin.\par  \par  Im Altersheim verd\'e4mmern sanft Athleten, \par  ans Bett gefesselt von der Pflegerin.\par  \par  Im Aufsichtsrat wird um das letzte Wort gebeten. \par  Der starke Mann verkriecht sich, und der schwache \par  macht Krach. Es wimmelt von Propheten.\par  Der Schl\'e4fer schnarcht und tr\'e4umt von seiner Rache.\par  \par  Was denkt der Regisseur, verzieht er keine Miene? \par  Nur keine Angstlust, sagt er, keine Panikmache! \par  Und er stellt fest: Das alles ist Routine.\par \par \i Aus: Hans Magnus Enzensberger, Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2003.\i0 \par \par \par \fs27\b Der Mut zur Stille\b0\fs24\par \par Der gegenw\'e4rtige Mensch ist eine einzige \'dcbertreibung. Er wuchert. Er greift in alle Richtungen. Er gibt das \'c4u\'dferste und erreicht doch nicht das Innerste. Nicht nur der modern-\'fcbertriebene Lebensstil der Reiz\'fcberflutung und des Infosmogs verursacht dies. Ebenso die gesellschaftliche Grundausrichtung, die die Sinnfindung f\'fcr Fortschritt und Wachstum opfert, fordert und bef\'f6rdert die zunehmende Orientierungslosigkeit. Steigende Anforderungen der multimedialen Beschleunigungsgesellschaft f\'fchren zu krankmachenden Dauerbelastungen. Chronische \'dcberspannungen sind an der Tagesordnung. Unser Leben ist oft wie ein voll gestopfter Koffer, der aus den N\'e4hten zu platzen droht.\par  \par  \'c4u\'dferlich w\'e4chst der Aktionsraum des Menschen, doch innerlich scheint er zu schrumpfen. Er wei\'df mit sich nichts mehr so recht anzufangen. Er entgleitet sich in den zahlreichen Optionen. Es gibt f\'fcr ihn keine sammelnde Mitte mehr, alles zerflie\'dft im Vielen und Amorphen. Die Fliehkr\'e4fte lassen im Inneren eine Leere entstehen, das \'bbinnere Ausland\'ab, zu dem immer weniger einen lebendigen Kontakt haben. \par \par \par \fs27\b Das fl\'fcchtige Ich\b0\fs24\par \par  In einem kleinen Gedicht des Schriftstellers Thomas Brasch dr\'fcckt sich ein weit verbreitetes Lebensgef\'fchl aus:\par  \par              Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber \par              wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber\par              die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber\par              die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber \par              wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber \par              wo ich sterbe, da will ich nicht hin:\par              Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.\par  \i             \par              Thomas Brasch\par  \i0 \par  Aus diesem Gedicht sprechen: Verlustangst, Bindungsangst, \'dcberdruss, schwache Belastbarkeit, Nichtbleiben-k\'f6nnen und Nichtaushaltenk\'f6nnen. Das Subjekt ich ist der st\'e4ndige Dreh- und Angelpunkt in einem Leben mit vielen Aber.\par  \par  Das jedoch m\'fcndet in den paradoxen Satz: \'bbBleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.\'ab Darin zeigt sich eine Suche nach Halt in einer Ungeborgenheit, der man entfliehen will und in der man doch zugleich bleiben will.\par  \par  Der Mensch ist ein verunsicherter Pilger ohne Ziel geworden. Im Wirtschafts- und Soziologendeutsch: Er ist flexibel, mobil und global. Er sucht und jagt. Er \'fcbertreibt. Es fehlt die Mitte. Sie kann er nicht finden. Sie will er m\'f6glicherweise gar nicht finden!\par  \par  Hat es der abgr\'fcndige Seher-Philosoph Friedrich Nietzsche in seinen \'bbUnzeitgem\'e4ssen Betrachtungen\'ab nicht sehr genau auf den Punkt gebracht:\par  \par  \'bbWir wissen es alle in einzelnen Augenblicken, wie die weitl\'e4ufigsten Anstalten unseres Lebens nur gemacht werden, um vor unserer eigentlichen Aufgabe zu fliehen, wie wir gerne irgendwo unser Haupt verstecken m\'f6chten, als ob uns dort unser hundert\'e4ugiges Gewissen nicht erhaschen k\'f6nnte, wie wir unser Herz an den Staat, den Geldgewinn, die Geselligkeit oder die Wissenschaft hastig wegschenken, blo\'df um es nicht mehr zu besitzen, wie wir selbst der schweren Tagesarbeit hitziger und besinnungsloser fr\'f6nen, als n\'f6tig w\'e4re um zu leben: weil jeder auf der Flucht vor sich selbst ist; allgemein auch das scheue Verbergen der Hast, weil man zufrieden scheinen will und die scharfsichtigeren Zuschauer \'fcber sein Elend t\'e4uschen m\'f6chte, allgemein das Bed\'fcrfnis nach neuen klingelnden Wort-Schellen, mit denen beh\'e4ngt das Leben etwas L\'e4rmend-Festliches bekommen soll ... Es geht geisterhaft um uns zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht h\'f6ren. Wir f\'fcrchten uns, wenn wir allein und stille sind, dass uns etwas in das Ohr geraunt werde, und so hassen wir die Stille und bet\'e4uben uns durch Geselligkeit.\'ab\par \par \i Aus: Ludger Schulte, Gott suchen - Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.\i0 \par \par \par }